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Theoretische Grundlagen der Homotoxinlehre nach Dr. Hans-Heinrich Reckeweg (1905-1985)

Dr. Hans-Heinrich Reckeweg steht mit seiner Homotoxinlehre und Therapie mit homöopathischen Einzelmitteln und Kombinationspräparaten auf dem Boden der Humoralpathologie, das heißt er betrachtet den Organismus in humoralpathologischem Sinne als Fliessystem (nach Bertalanffy): Stoffe strömen ein, treten in Reaktion mit den Organen des Fliessystems, verändern diese, werden selbst dabei verändert und verlassen schließlich wieder das System. Zuträgliche Stoffe rufen keine Störungen des Fliesgleichgewichts hervor, toxische Substanzen losen Abwehrmaßnahmen aus, die als Krankheit imponieren.

Ein grundlegender Gedanke der Homotoxinlehre besteht darin, dass alle Lebensäußerungen physiologischer oder pathologischer Art durch die Umsetzung chemisch fassbarer Vorgange bedingt und somit den Gesetzen der Chemie unterworfen sind. Unter dem Begriff Homotoxine wurden von Reckeweg alle für den Menschen schädlichen Stoffe zusammengefasst (Reckeweg, 1957). Denn nicht alle Schadstoffe und Gifte wirken bei allen Lebewesen gleich oder sind überhaupt giftig.

Homotoxine können von außen zugeführt werden (exogene Homotoxine) oder im Körper selbst durch physiologische oder pathologische Reaktionen entstehen (endogene Homotoxine). Entsprechend der zunehmenden Zahl künstlicher organischer Verbindungen in allen Lebensbereichen, steigt auch die Bedeutung der Homotoxine.

Krankheit ist der Ausdruck biologisch zweckmäßiger Abwehrvorgange gegen exogene und endogene Gifte (Homotoxine) beziehungsweise der Ausdruck erlittener Giftschaden, die der Organismus wegen seines Bestrebens, die Homöostase nach Möglichkeit zurückzugewinnen, wieder auszuregulieren versucht.

Gesundheit
ist dagegen als Freisein von Homotoxinen oder Homotoxinschädigungen einzustufen. Ziel einer biologischen Therapie ist stets die Entgiftung und Beseitigung von Giftschaden, wie sie durch die verschiedensten Homotoxinwirkungen (Zivilisations- und Umweltschaden) zustande kommen.

Heilung bedeutet demnach ein Freiwerden von Homotoxinen durch deren Entgiftung und Ausscheidung sowie eine Beseitigung von Homotoxinschädigungen. Da diese Therapie sich ausschließlich körpereigener Mechanismen bedient, ist sie als naturgemäße Therapie einzustufen, denn sie wendet sich gegen die wahre Causa der Krankheit, also gegen die sie verursachenden Toxine.

Die Antihomotoxische Therapie ist eine auf Arzneireizen beruhende Stimulationstherapie, deren Ausgangspunkt die Homöopathie S. Hahnemanns ist.

Die Antihomotoxische Therapie ist in der Lage, anregend und beschleunigend auf körpereigene Heilungsprozesse einzuwirken. Therapeutische Maßnahmen bestehen in der Gabe von Biotherapeutika-Antihomotoxika, die sowohl homöopathische Einzelmittel als auch homöopathische Kombinationspräparate sein können.

Die Wirkungsmechanismen dieser Biotherapeutika lassen sich folgendermaßen beschreiben:

  • Induktion spezifischer Enzyme in der Leber
  • Anregung von Immunmechanismen
  • Stimulation neuraler Heilreflexe
  • Anregung des Hypophysenvorderlappen-Nebennierenrinden-Mechanismus
  • mesenchymale Entgiftung

Die Therapie mit Biotherapeutika-Antihomotoxika ist eine Stimulations- und Regulationstherapie. Der Erfolg der Antihomotoxischen Arzneimittel beruht generell auf drei empirischen Ansätzen (diese werden auch häufig als die "Drei Saulen der Homotoxikologie" bezeichnet):

  1. Giftausleitung = klassische , entgiftende Wirkungen auf die Matrix.
  2. Stärkung der Funktion von Organen.
  3. Stärkung der Funktion des Immunsystems.


Reaktionsmöglichkeiten des Organismus
Zur Erkrankung kommt es, wenn die Homotoxinbelastung im Maschenwerk des Bindegewebes Überhand nimmt und den Stofftransport vom Blutgefäß zu den Zellen behindert.

Art und Grad der Schädlichkeit eines Homotoxins im Organismus ist abhängig von:

  • der Abwehrsituation des Organismus, das heißt, seiner Regulationsfähigkeit, und
  • der Art des Homotoxins, seiner Einwirkungsdauer und seiner Reizstarke.


Verlauf der Reaktionen
Die Reaktionen des Organismus lassen sich in folgende Grundprinzipien unterteilen:

  • Ausscheidung
  • Ablagerung
  • Degeneration und Entartung


Die Humoralen Phasen
1. Exkretionsphase
= physiologische Ausscheidungsprozesse
2. Inflammationsphase
= physiologische Ausscheidung der Homotoxine nicht mehr komplett möglich, pathologische Ausscheidungen, eventuell verbunden mit Fieber und Entzündungen

Die Matrixphasen

3. Depositionsphase
= Abgrenzung des Homotoxins vom normal arbeitenden Zellverband; benigne Ablagerungen wie zum Beispiel Lipome, Gallensteine etc.
4. Imprägnationsphase
= pathologische Einlagerung des Homotoxins mit unmittelbarer Schädigung von zellularen Funktionen und Strukturen, zum Beispiel Viruserkrankungen

Die zelluläre Phasen

5. Degenerationsphase
= Zerstörung intrazellularer Strukturen und Anhäufung von Degenerationsprodukten mit der Folge von Organstörungen
6. Dedifferenzierungsphase
= Strukturveränderung des genetischen Materials, möglicherweise mit Bildung von Karzinomen und anderen schwerwiegenden Erkrankungen


Die Sechs-Phasen-Tabelle der Homotoxikosen
Die Sechs-Phasen-Tabelle ist ein Koordinationssystem der Homotoxikologie, das sechs Vergiftungszustande zunehmender Schwere (auf der Ordinate) in Beziehung zu den verursachten Krankheiten (Abszisse) darstellt. Die Verschlimmerung läuft von links nach rechts (= progressive Vikariation), die Verbesserung von rechts nach links (= regressive Vikariation).


Die aktuelle Sechs-Phasen-Tabelle umfasst die 300 in Deutschland häufigsten Indikationen.