Causticum Hahnemanni

Deutsche Stoffbezeichnung: Hahnemanns Ätzstoff

Verwendet wird das wie folgt gewonnene und verdünnte Destillat: 4 Teile Kaliumhydrogensulfat werden bis zum Schmelzen geglüht. Nach dem Abkühlen wird pulverisiert, in 4 Teilen siedendem Wasser gelöst und mit 4 Teilen Calciumhydroxid (DAB 7) in einer angewärmten Porzellanschale unter Rühren eingedickt. Diese Mischung wird in einer Destillationsapparatur langsam zur Trockne destilliert. Das Destillat wird mit gleichen Teilen Ethanol 86 Prozent gemischt.

Causticum Hahnemanni ist eines der umstrittensten homöopathischen Heilmittel, da es, rein chemisch gesehen, lediglich destilliertes Wasser sein müsste.

Trotz der umstrittenen pharmakologischen Wirkungen von Causticum Hahnemanni findet sich dieses bei zahlreichen homöopathischen Ärzten als hochwirksames Polychrest in ständigem Gebrauch. Es dürfte auch keinem Zweifel unterliegen, dass die dem Causticum zugeschriebenen Wirkungen bei richtiger Indikationsstellung reproduziert werden können. Dieses gilt zum Beispiel für die Behandlung von Verbrennungen, wo Causticum lebensrettend wirken kann. Andernteils finden sich so charakteristische Symptome und Krankheitszustände im Arzneimittelbild, dass es geradezu verwunderlich wäre, wenn die Heilung zahlreicher oft recht hartnäckiger und oft wochenlang bestehender Zustände, für die Causticum angezeigt ist, wie zum Beispiel Blasenmuskelschwäche, rheumatische Beschwerden, Heiserkeit usw., die auf andere Mittel nicht oder nur vorübergehend ansprechen, auf Causticum dann aber schlagartig gebessert werden, lediglich auf suggestiver Wirkung beruhen sollte.

Das Arzneimittelbild von Causticum umfasst einmal neuralgisch-rheumatische Beschwerden mit Unruhe und Reißen in Nerven und Muskeln, vor allen Dingen nachts und in den Beinen, eventuell verbunden mit Lähmungszuständen, zum Beispiel Facialisparesen nach Einwirkung kalten Ostwindes. Folgen trockener Kälte sind häufig Ursache von Causticumsymptomen. Dieses gilt auch für Heiserkeit mit Laryngitis, Trockenheit und Wundheitsgefühl im Hals, Schmerzen beim Husten, wobei die Schmerzen auch in eine Bauchseite oberhalb der Hüfte abstrahlen können. Gelindert wird der Husten durch einen Schluck kalten Wassers (im Gegensatz zu Spongia, wo der Husten durch heiße Getränke gebessert wird). Causticum hat in seinem Arzneimittelbild ferner eine typische Steifigkeit in den Gelenken, in der gesamten Muskulatur, im Rücken, Kreuz, speziell beim Aufrichten im Bett oder wenn man nach längerem Sitzen aufsteht, ähnlich wie Rhus Toxicodendron. Dazu sind häufig Warzenbildungen im Gesicht und an den Händen vorhanden, und zwar trockene harte Warzen, Rhagaden, Fissuren, Flechten, besonders an den Händen, auch Dupuytren-Kontraktur.

Der Causticum-Patient fühlt sich im Allgemeinen schlechter bei klarer kalter Luft (Ostwind), dagegen recht wohl in der Wärme. Auffallend beim Causticum-Patienten ist auch eine hochgradige Schwäche, die häufig mit Zittern verbunden ist, sowie mit Unsicherheit beim Gehen, so dass der Patient leicht stolpert. Ganz besonders ist Causticum indiziert bei unfreiwilligem Harnabgang, vor allen Dingen bei Incontinentia urinae der Schwangeren und post partum, speziell wenn der Urin beim Niesen und Husten wegspritzt, aber auch bei Enuresis nocturna, wenn der Urin im ersten Schlaf unfreiwillig entleert wird.

Für Causticum typisch sind brennende Schmerzen, wie rohes Fleisch. Es können auch Magenschmerzen dieser Art auf Causticum außerordentlich gut reagieren. Die Patienten klagen in diesem Fall über die Empfindung, als wenn alles roh und wund wäre, oder als wenn Kalk im Magen gebrannt würde. Die Empfindung von Rohheit und Wundheit der Schleimhäute, im Kehlkopf, Magen und an den anderen Körperregionen, zum Beispiel auch in den Fingerkuppen ist für Causticum typisch.

Ptosis ist ferner ein typisches Symptom für Causticum, so dass Causticum häufig auch post apoplexiam indiziert ist (in ähnlicher Weise wie Gelsemium). Die für Causticum typischen Paresen sind hauptsächlich auf der rechten Seite lokalisiert (demgegenüber die Lachesis-Paresen mehr links). Die seelische Stimmung von Causticum entspricht einer Hoffnungslosigkeit, Melancholie, Traurigkeit und Depression, indem alles von der schwärzesten Seite gesehen wird, wobei häufig auch chronischer Kummer oder Sorgen zugrunde liegen mögen.

Bei beginnendem grauem Star kann Causticum ebenfalls nützlich sein, da auch das Symptom wie ein Nebel oder eine Wolke vor dem Auge im Causticum-Bild enthalten ist.

Einige weitere Symptome sind noch Gelbheit des Gesichtsbildes sowie Gesichtsschmerzen neuralgiformer Natur, eventuell mit Lähmungserscheinungen verbunden (Facialisparese), eventuell auch eine Steifigkeit des Kiefers, so dass der Mund nicht geöffnet werden kann, Zustände wie man sie zum Beispiel bei beginnendem Tetanus finden kann.

Die Zunge ist beim Causticum-Patienten an den Rändern weiß belegt und in der Mitte rot, zeigt jedoch nicht so deutlich einen roten Streifen wie bei Veratrum viride.

Die Stuhlsymptome entsprechen Tenesmen mit erfolglosem Drang und Obstipation, ähnlich wie man es bei Nux vomica findet. Der Stuhl kann besser im Stehen entleert werden. Auch Hämorrhoiden finden sich im Causticum-Bild mit dem typischen Wundheitsgefühl, das sich durch Gehen, Darandenken, durch Reden oder selbst durch Anstrengung der Stimme verschlimmert. Typisch für Causticum sind außer der Schwäche des Blasenschließmuskels auch eine Empfindung von Wundheit oder Rohheit und auch ein Jucken an der Harnröhrenmündung mit beständigen erfolglosen Urintenesmen, wobei nur tropfenweise Urin entleert werden kann. Der Causticum-Patient ist meistens mit Harnsäure und harnsauren Salzen überladen, es finden sich dicke verschieden gefärbte Sedimente.

Causticum ist wegen der Symptome der Müdigkeit, des Schmerz- und Zerschlagenheitsgefühls mit Brustschmerzen neben Eupatorium perfoliatum, Rhus toxicodendron, Aconitum u.a. ein ausgezeichnetes Mittel bei Grippe. Gut passt Causticum dabei zu Rhus toxicodendron und zu Sulfur, speziell bei der Behandlung des Rheumatismus und chronischer Gicht-Erkrankungen, wenn die Gelenke bei Bewegung krachen. Auch bei Rheumatismus und Arthritis findet sich wieder das brennende Wundheitsgefühl, das für Causticum so charakteristisch ist.

Ähnlich wie Sulfur vermag Causticum auch unterdrückte Ekzeme, also retoxische Phasen wieder aufzulösen beziehungsweise wieder nach außen zu entwickeln und dann der biologisch-richtigen Heilung zuzuführen, so dass man Causticum auch als Antipsoricum bezeichnen kann. Mit gleichem Recht könnte Causticum wie Thuja, da es auch bei Warzen oft ausgezeichnet wirksam ist, als Antisykotikum bezeichnet werden.

Causticum ist also eines der wichtigsten homöopathischen Polychreste und kann als durchgreifend wirksames Antihomotoxikum bei zahlreichen Imprägnationsphasen zum Einsatz kommen, zum Beispiel auch bei Asthma, das bei trübem feuchtem Wetter besser ist, ähnlich wie es bei Nux vomica der Fall ist, wo als allgemeine Modalität eine Verschlimmerung bei klarem schönen Wetter beobachtet werden kann. Wenn die Gesamtsymptome noch einmal klassifiziert werden, so ergibt sich folgende Übersicht:

  • Schwäche verbunden mit Zittern und Unsicherheit im Gehen, eventuell bis zur Lähmung sich steigernd, die besonders rechts lokalisiert ist.
  • Örtliche Paresen, zum Beispiel der Stimmbänder, der Schlingmuskeln, der Augenlider, des Nervus facialis, des Blasenschließmuskels, der Extremitätenmuskulatur u.a.
  • Neuralgien hartnäckigen Charakters, ebenso Arthrosen und rheumatische Erscheinungen. Chronische Polyarthritis mit Krachen und Wundheitsschmerz der Gelenke. Dumpfe Schmerzen in Gliedern und im Rücken, auf dem Kreuzbein. Lähmungsgefühl. Rheumatische und gichtige Entzündungen mit Steifheit der Gelenke.
  • Typischer Wundheitsschmerz wie rohes Fleisch oder als wenn Kalk im Magen gebrannt würde, bei verschiedenster Lokalisation.
  • Melancholische Stimmung, Hoffnungslosigkeit, Schwarzseherei, Traurigkeit, Folgen chronischen Kummers.
  • Starbildung wie Nebel vor den Augen, oder wie eine Wolke vor den Augen. Tinnitus aurium wie Widerhallen der eigenen Stimme. Dabei oft starke Rötung der Ohren.
  • Kränklich gelbe Gesichtsfarbe mit Gesichtsschmerzen und Neuralgien auf rheumatischer oder retoxischer Basis, Steifigkeit der Kiefer mit Trismus.
  • Zungenlähmung oder undeutliches Sprechen. Zunge an den Rändern weiß belegt, in der Mitte rot. Brennende Halsschmerzen wie rohes Fleisch mit Kitzel und trockenem langwierigem Husten, am Ende mit etwas Auswurf.
  • Wenn Sulfur in ähnlichen Zuständen nicht wirkt, ist oft Causticum das Mittel.
  • Magenkatarrhe mit Wundheitsgefühl, ebenso Hämorrhoiden, entzündet, juckend, schmerzhaft. Jucken der Harnröhrenmündung, Harntenesmen, Stuhltenesmen ohne Erfolg. Wundheitsschmerz in der Harnblase, unwillkürlicher Harnabgang und Enuresis nocturna, Incontinentia urinae, speziell beim Husten, Schnäuzen, Niesen.
  • Heiserkeit mit Husten, besser durch einen Schluck kalten Wassers. Zerschlagenheitsgefühl bei Grippe.
  • Bildung trockener harter Warzen an den Händen und im Gesicht. Papillome.
  • Besserung aller Beschwerden bei trübem feuchtem Wetter. Verschlimmerung bei klarem schönem Wetter (Asthma, Rheumatismus usw.).

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Causticum Hahnemanni die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Erkrankungen der Atemwege, der Harnwege. Chronische Ekzeme. Chronische Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Krampfleiden. Lähmungen. Verstimmungszustände.