Ferrum metallicum

Deutsche Stoffbezeichnung: Eisen

Verwendet wird metallisches Eisen, Fe, AG 55,85.

Eisen mit seinen Salzen ist eines der wichtigsten Metalle, das als ein wesentlicher Baustein des menschlichen Organismus, speziell der roten Blutkörperchen anzusehen ist und damit eine Schlüsselstellung im Sauerstoffumsatz einnimmt.

Eine typische Modalität (Wechselzustand) von Ferrum ist die Verschlimmerung in der Ruhe und die Besserung bei langsamem Umherbewegen, was allgemein für Ferrum, nicht nur für Schmerzen, sondern auch für Blutungen gilt. Dabei findet sich diese Verschlimmerung speziell nach Mitternacht mit Unverträglichkeit von Hitze, obwohl von den Ferrum-Patienten auch Kälte schlecht vertragen wird. Zugleich besteht eine vermehrte körperliche und geistige Reizbarkeit (irritable Schwäche nach Dahlke).

Eine der Hauptindikationen von Ferrum ist Anämie mit entsprechenden Nebensymptomen, wie Schwindel, Nervosität und asthenisches Fieber. Auch Kopfschmerzen mit Kongestionen, Klopfen und Pulsieren sprechen für Ferrum, speziell mit dem Gefühl, als wenn der Kopf zerspringen würde, auch mit Schwindel und Taumeln, mit rotem Gesicht und kalten Füßen.

Die Ferrumsymptome treten besonders ausgeprägt nach geistiger Arbeit ein.

Die früher als Chlorose (Bleichsucht) bezeichneten Krankheitszustände mit bleichem, wachsfarbigem Gesicht, blassen Lippen und fast weißen Schleimhäuten, die heute genauer als Anämie definiert sind, wobei plötzlich eine jähe Röte einschießen kann, verbunden weiterhin mit heftigem Klopfen der Blutgefäße und mit Ödemen an den abhängigen Körperpartien, speziell an Fußknöcheln, ferner Frösteln, Herzklopfen, aber auch Erscheinungen von Gastritis, verbunden mit Übelkeit, Gastralgie, Magendruck, Speiseerbrechen, Widerwillen gegen Fleisch und Verlangen nach Saurem, wobei meist Obstipation besteht, sind Ferrum-Symptome. Dabei kann auch Muskelschwäche vorliegen, ebenso Abmagerung, Müdigkeit nach geringen Bewegungen und depressive Stimmungslage. Ähnlich wie bei Calcium carbonicum finden sich kalte Füße und kalte Finger, bei heißem Kopf und heißem Gesicht, oder das Gesicht kann rot, aber kalt sein (Pseudoplethora). Das Klopfen im Hinterkopf und Nacken ist schlimmer beim Bücken und beim Husten. Der Kopfschmerz und Gesichtsschmerz kann bis in die Zähne ziehen und wird durch kaltes Wasser gebessert. Die Diarrhöen sind unverdaut, schmerzlos und wässrig, treten nach jedem Essen und nachts auf (Ferrum phosphoricum).

Die Nierengegend ist druckempfindlich, der Urin kann eiweißhaltig und blutig oder reichlich und hell sein. Enuresis wird häufig ebenfalls durch Ferrum günstig beeinflusst. Die Menstruation tritt im Allgemeinen zu früh ein, ist profus, mit wässrigem oder hellrotem Blut vermischt, mit dunklen Klumpen. Während der Menstruation können sich Varizen an den Beinen verschlimmern. Die Uterusgegend ist meist druckempfindlich. Auch Fluor albus findet sich als Symptom von Ferrum, ebenso eine Abstumpfung gegenüber dem Koitus beziehungsweise es fehlt an jeglichen sexuellen Gefühlsregungen. Oft besteht Sterilität sowie Amenorrhö. Auf der Brust werden Druck und Schwere empfunden, so dass die Patienten langsam nur umhergehen können, auch findet sich anhaltende Heiserkeit sowie trockener, kitzelnder Husten, verbunden mit Gesichtsröte und Speiseerbrechen, ähnlich wie bei Drosera. Dabei können klopfende Schmerzen im Okziput vorhanden sein. Auch wird bisweilen blutstreifiges Sputum oder reines Blut expektoriert. Geklagt wird dabei über fliegende Stiche in der Brust und ein Gefühl, als sei die Brust wie wund. Hier können Anfangssymptome einer Tuberkulose vorliegen.

Rheumatische Beschwerden bohrender, reißender Art in Armen und Beinen, durch welche der Patient nachts aus dem Bett getrieben wird und umhergehen muss, sind weiterhin eine typische Indikation von Ferrum, ebenso wie Wallungen mit plötzlichem Wechsel von blasser Farbe in rotes Gesicht, verbunden mit Pulsieren durch den ganzen Körper und mit Schwäche und Zittern sowie mit Schlaflosigkeit und Dyspnoe. Auch das venöse System ist affiziert mit Neigung zu Hämorrhagien, aber auch zu Venenerweiterungen.

Typisch wirkt Ferrum bei linksseitigem Schulterrheumatismus, obwohl es durchaus auch rechtsseitig wirksam sein kann (rechts wirken meist besser Ferrum phosphoricum, Chelidonium, Sanguinaria). Ebenso können chronische Verdauungsstörungen und Erbrechen der Schwangeren eine Indikation für Ferrum sein. Bei entzündlichen rheumatischen Fiebern, bei kaltem Körper mit vollem kräftigen Puls und Durst im Frost ist Ferrum ebenfalls indiziert (hier besser Ferrum phosphoricum). Bei chronischen Herzerkrankungen, wenn gleichzeitig Anämie vorliegt, sollten Zwischengaben von Ferrum ebenfalls mit verabreicht werden, ebenso bei Blutungen, wenn ein empfindliches, schmerzhaftes Gefühl in den betroffenen Teilen (Uterus oder Lungen) vorliegt. Speziell die höchste Nervosität spricht für Ferrum. Ebenso erfordern Petechien Ferrum.

Einige Salze von Ferrum haben gewisse Sonderindikationen, so wirkt Ferrum phosphoricum speziell bei Otitis media, sowie bei Entzündung der Tuba Eustachii und der Tonsillen, ebenso bei Dysenterie, Enuresis nocturna sowie bei Halsentzündungen der Sänger und, im Gegensatz zu Ferrum metallicum, bei Rheumatismus des rechten Schultergelenkes. Wenn Ferrum phosphoricum bei Fieber erforderlich ist, liegt meist ein voller, weicher Puls vor.

Ferrum picrinicum wird empfohlen bei der Hypertrophie der Prostata, ferner bei chronischem Ohrensausen und Taubheit auf gichtiger Grundlage, sowie bei nervösen Erschöpfungszuständen.

Ferrum jodatum wird empfohlen bei Skrofulose und Anämie, bei Struma, Knoten in der Mamma und bei sonstigen Drüsenschwellungen, besonders auch bei Herunterdrängen in den Genitalien und beim Hinsetzen (Sepia, Lilium tigrinum).

Ferrum sulfuricum hat Indikationen bei Morbus Basedow, verbunden mit Anämie, und bei Morgendurchfällen.

Wenn die Symptome von Ferrum zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes wesentliche Arzneimittelbild:

  • Anämie mit bleicher, blasser Haut und anämischen Schleimhäuten, Gesicht abwechselnd heiß und rot. Kalte Glieder. Blutwallungen.
  • Frostig. Kopfmüde. Mager. Asthenischer Habitus.
  • Neigung zu Blutungen. Petechien. Epistaxis meist hellrot, Hämatemesis. Herzklopfen. Blutstauungen. Varizen. Ödeme an den Beinen.
  • Fieber mit Durst im Frost. Kopf und Glieder sind kühl.
  • Trockener Husten mit Atemnot. Heiserkeit. Stauungskatarrhe. Druckgefühl auf der Brust. Bruststiche. Tuberkulosegefahr.
  • Magenschwäche. Sodbrennen. Erbrechen. Abneigung gegen Fleisch. Schmerzlose Durchfälle.
  • Enuresis. Zystitis. Nephritis. Hyperemesis.
  • Amenorrhö oder Menstruation stark und lang intermittierend. Sterilität. Abstumpfung gegen Koitus.
  • Schulterrheumatismus links (rechts: Ferrum phosphoricum). Neuralgien, die aus dem Bett treiben.
  • Folgen von Säfteverlusten (China) und retoxischen Imprägnierungen (postinfektiöse Anämie).

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Ferrum metallicum die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Blutungen. Blutarmut. Kreislaufstörungen. Verdauungsschwäche. Nervenschmerzen. Entzündung der Atemwege.