Gelsemium sempervirens

Deutsche Stoffbezeichnung: Gelber Jasmin

Verwendet werden die frischen unterirdischen Teile der an Flussufern des westlichen Nord- und Mittelamerikas vorkommenden Stammpflanze: Gelsemium sempervirens Ait./Loganiaceae.

Die aus dem wilden Jasmin (Gelsemium sempervirens) zubereitete Tinktur wird auch in der allgemeinen Medizin als Nervenmittel verwendet. Dabei ergeben die mittels der homöopathischen Arzneimittelprüfung am Gesunden gewonnenen Symptome für Gelsemium ein typisches Arzneibild mit Hinweisen auf zahlreiche Erkrankungen, speziell solche des Nervensystems, beziehungsweise mit Beteiligung des Nervensystems einhergehend, so dass Gelsemium einen erstrangigen Platz bei den homöopathischen Verordnungen einnimmt.

Nash kennzeichnet als hervorragendstes Symptom die vollständige Erschlaffung und Erschöpfung des ganzen Muskelsystems, mit teilweiser oder völliger Lähmung der motorischen Nerven, als ob die Muskeln dem Willen nicht mehr gehorchen wollen. Als erstes Symptom tritt dabei ein Gefühl von Abspannung und allgemeiner Ermüdung ein mit dem Verlangen sich niederzulegen. Der Puls wird bei der geringsten Bewegung beschleunigt. Beim Gehen zittern die Beine. Auch Hände und Zunge zittern infolge von Schwäche, so dass man Gelsemium auch als das Zittermittel bezeichnet hat. Die Schwäche wird weiterhin charakterisiert durch Herabfallen der Augenlider, Sprechstörungen und erschwertes Schlucken, wie es beim Bulbärsyndrom vorkommen kann. Dabei bestehen häufig heftige Kongestionen zum Kopf, verbunden mit Kopfschmerzen und Neuralgien, eventuell nach Art einer Migräne, wobei die Schmerzen dumpf oder plötzlich und schießend sein können, eventuell verbunden mit Konvulsionen. Das Gesicht kann dabei dunkelrot sein. Vielfach steigen die Schmerzen vom Nacken über den Kopf hinweg mit dem Gefühl wie ein Band um den Kopf.

Die Gelsemium-Patienten sind auch allgemein träge, schläfrig und scheuen die Bewegung. Auch besteht ein Unvermögen, sich zu konzentrieren. Die Patienten können weder klar denken noch ihre Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Punkt richten. Der Schlaf ist dabei unruhig und traumvoll, wie betäubt. Wegen erregten Gedankenzuflusses kann aber auch Schlaflosigkeit bestehen mit kompensatorischer Schläfrigkeit bei Tage und langem tiefem Schlaf am Morgen (Nux vomica).

Nervenfieberartige Erkrankungen werden durch plötzliche Erregung, schlimme Nachrichten, Schreck und Schicksalsahnungen hervorgerufen, wobei als natürliche regressive Vikariation plötzliche Diarrhöen auftreten können. Auch Lampenfieber ist eine Indikation für Gelsemium. Ferner wird Schwindel durch Gelsemium beeinflusst, wenn dabei Trübungen der Gesichtsempfindung, Doppelbilder und ein Gefühl von Berauschtsein (wie betrunken) vorliegen. Die Kopfschmerzen werden oft durch reichlichen Harnabgang gebessert. Auch Übelkeit kann mit dem Kopfschmerz verbunden sein.

Gelsemium ist auch als Fiebermittel häufig indiziert, wobei eine gewisse Erschöpfung besteht mit Schläfrigkeit und Gehirnkongestion nach Art von typhösen Fiebern, jedoch nicht so intensiv wie bei Belladonna. Auch das Gefühl des Fröstelns, wobei der Frost auf dem Rücken auf- und niederläuft, ist eine Indikation für Gelsemium (sonst vornehmlich für Natrium muriaticum).

Ganz besonders ist Gelsemium bei Lähmungszuständen indiziert, zum Beispiel post apoplexiam oder auch bei Blasenschwäche und Incontinentia urinae, aber auch bei postdiphtherischen Lähmungen. Die Stühle sind kopiös und gelb, häufig mit Krampf im Afterschließmuskel verbunden, sowie mit Hämorrhoidalschmerzen. Gelsemium ist auch indiziert bei Dysmenorrhö und bei heftiger Migräne, die einen Tag vor Beginn der Menstruation mit Erbrechen einsetzt.

Dahlke empfiehlt Gelsemium bei Lähmungen jedweder Art, ferner bei Influenza-Katarrhen, und wenn die Beschwerden schlimmer bei feuchtwarmem Wetter und in der Sommerhitze sind. Auch bei typhösen oder biliösen Fiebern mit vorher eintretenden Sehstörungen, sowie bei Migräne mit vorhergehender Blindheit, bei Konvulsionen im Puerperium und bei Kindern und wenn eine theatralische Übersteigerung nach Gemütsbewegungen vorliegt, auch bei funktionellen Herzleiden (Angst, als wenn etwas passieren müsste), bei Diarrhö (infolge Lampenfieber, Examensangst usw.), nervöser Schlaflosigkeit und bei Glaukom wird Gelsemium empfohlen.

Bei Schnupfen ist Gelsemium indiziert, wenn dünner Nasenfluss und Ausschnauben blutigen Schleimes besteht.

Die in der Praxis oft vorkommenden Symptome, bei denen Gelsemium bewährt ist, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Benommenheit und Schwindel mit dem Gefühl wie betrunken.
  • Typhöse Fieber mit Frösteln, Erschlaffung und Erschöpfung.
  • Migräne und Kopfschmerzen wie ein Band um die Stirn, gebessert durch reichlichen Harnabgang. Unvermögen, sich zu konzentrieren. Zustand von Betäubung.
  • Nervenlähmungen nach Diphtherie, Apoplexie und andere Sprechstörungen mit zittriger, schwerer Zunge. Schlucken erschwert, versuchsweise beim Bulbärsyndrom.
  • Zittern und Angstzustände am Herzen, als wollte das Herz aufhören zu schlagen.
  • Incontinentia urinae. Dysmenorrhö. Diarrhö nach Aufregungen. Lampenfieber.
  • Schnupfen mit Ausschnauben blutigen Schleims.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Gelsemium sempervirens die folgenden Hauptindikationen für Gelsemium im Bundesanzeiger veröffentlicht: Kopfschmerzen. Nervöse Störungen. Infektionskrankheiten. Lähmungen und Krampfleiden.