Lycopodium clavatum

Deutsche Stoffbezeichnung: Bärlapp

Verwendet werden die getrockneten, reifen Sporen von Lycopodium clavatum L./Lycopodiaceae.

Lycopodium clavatum, der Bärlapp, ist eines der bedeutendsten Polychreste in der Homöopathie. Dabei gewinnt Lycopodium in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung, wohl deshalb, weil Lycopodium als spezifisches Lebermittel bei Leberschädigungen, Leberdysfunktionen, sogar auch noch bei schweren degenerativen Erscheinungen wesentliche Hilfe, ja sogar Heilung zu bringen vermag. Diese Schwäche der Leberfunktion zieht durch das gesamte Präparat.

Es ist auch daran zu denken, dass zum Beispiel Hauterkrankungen, wie Urtikaria oder furunkelartige Geschwüre von bläulichem Aussehen oder auch Pityriasis, verbunden mit stellenweisem Haarausfall sowie Erysipel, ferner skrofulöse Hautaffektionen mit nässenden Ekzemen, ebenso auch Otorrhö und Tonsillitiden, aber auch Brustwarzenentzündungen, Augenlidentzündungen, ja sogar Ischiasbeschwerden, Hämorrhoiden und andere Darmbeschwerden, speziell Blähungen bei spastischer Obstipation und heftigen Schmerzen im After, so dass der Patient die Entleerung unterbrechen muss, die von der Leberfunktion abhängig sind oder ein falsches Ventil bilden, um Homotoxine, deren Entgiftung bei gestörter Leberfunktion nicht ausreichend erfolgt, über diese sekundären Erscheinungen, meistens Inflammationsphasen, auszuleiten.

Dieses gilt besonders für rechtsseitige Anginen, die auf sonst indizierte Mittel, wie Belladonna, Mercurius jodatus flavus und andere nicht zur Abheilung kommen wollen. In diesen Fällen muss die Leber behandelt werden, und zwar mit Lycopodium oder einem Biotherapeutikum, welches Lycopodium enthält.

Eine wichtige Indikation für Lycopodium ergab sich kurz nach der Währungsreform, als wieder Sahne in größerem Umfang zur Verfügung stand und zahlreiche Patienten sogenannte Sahnekuren zur Aufbesserung ihres Gewichtes machen zu müssen glaubten. Hierdurch kam es aber offenbar zu einer erheblichen Belastung der Leberfunktion, so dass nun nicht eine Gewichtszunahme, sondern eine Gewichtsabnahme mit absoluter Appetitlosigkeit die Folge war. Hier wirkte Lycopodium, als Injektion verabreicht, nach einigen Wochen endgültig heilend, wobei erwähnt werden darf, dass derartige Zustände sonst auf keine Präparate anzusprechen pflegten.

Die Lycopodium-Patienten sind mager, speziell am Oberkörper, während der Bauch und die Beine häufig geschwollen sind. Auch kann Aszites bestehen. Auch Geschwüre können sich an den Unterschenkeln finden mit Absonderung seröser Flüssigkeit.

Der Lycopodium-Patient hat dabei eine ausgesprochene Neigung zu Schwäche- und Erschöpfungszuständen, auch zu Schwermut, wobei die geistigen Funktionen erheblich nachlassen, speziell bei alten Leuten, bei denen die Gedächtnisschwäche besonders stark ausgeprägt ist. Auch die Kinder sind schwach mit wohlgebildeten Köpfen, aber schwächlichen, kränklichen Körpern (Nash).

Eines der wichtigsten Symptome von Lycopodium ist die Blähsucht mit Abgang geruchloser Gase, die sich speziell im Unterbauch sammeln sowie im linken Hypochondrium und in der linken Flexura sigmoidea des Kolons (ähnlich wie bei Lachesis).

Lycopodium soll ebenfalls gut bei rechtsseitigem Leistenbruch wirken (Nash).

Ein wichtiges Symptom von Lycopodium ist der Befund: roter Sand im Urin, oft als Vorstadium von Nierenkoliken eintretend.

Auch bei Impotenz kann Lycopodium recht gut wirksam sein, speziell nach Onanie und geschlechtlichen Ausschweifungen, wobei die Libido erhalten ist.

Nasenkatarrh mit völlig verstopfter Nase, so dass der Patient durch den Mund atmen muss, vor allen Dingen auch während der Nacht, lässt an Lycopodium denken, bei kleinen Kindern eventuell an Sambucus.

Wenn Fälle von Pneumonie in ein bedrohliches Stadium geraten, speziell im Verlauf der Lösung nach erfolgter Krise und der Auswurf schwer herausgebracht werden kann, wobei der Auswurf eventuell eitrig-gelb oder grün-gelb und übelriechend ist und salzig schmeckt, ist vielfach Lycopodium das Heilmittel, da alle rechtsseitigen Affektionen auf Lycopodium hinweisen und vielfach eine Leberdysfunktion zugrunde liegt. Die Rechtsseitigkeit gilt für alle Erscheinungen, sowohl für rechtsseitige Krampfadern, rechtsseitigen Leistenbruch, rechtsseitige Angina tonsillaris (aber linksseitige Krampfungen im Hypochondrium, ähnlich wie bei Lachesis), rechter Fuß ist kalt.

Besonders hervorzuheben ist die Verschlimmerung aller Beschwerden von 16 bis 20 Uhr nachmittags, wobei gerade diese Modalität oft auf Lycopodium hinleitet bei Erscheinungen, die offenbar nichts mit der Leber oder mit der Symptomatologie von Lycopodium zu tun haben, aber dennoch günstig reagieren, wenn diese typische Verschlimmerungszeit vorliegt.

Hingewiesen werden mag noch auf eine Empfehlung von Lycopodium bei Ileus und Intussuszeption. Hier ist Papaver somniferum eventuell lebensrettend wirksam, kann aber im Verein mit Lycopodium oder mit Lycopodium als Nachfolgemittel noch bessere Wirkungen entfalten.

Lycopodium pflegt in solchen Fällen, bei denen meist auch eine chronische Neigung zu spastischer Obstipation mit Neigung zu Ileuserscheinungen besteht, nicht nur diese Neigung zu Ileus, sondern auch die spastische Obstipation grundlegend zu beseitigen.

Wenn die wichtigsten Symptome von Lycopodium zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes typische Arzneimittelwirkungsbild:

  • Schwäche und Erschöpfung. Neigung zu Depressionen. Graugelbe Gesichtsfarbe. Gelbliche Hautflecken. Schwache Muskelentwicklung. Schwächliche, kränkliche Kinder mit wohlgebildeten Köpfen.
  • Harnsaure Diathese. Roter Sand im Urin (Ziegelmehlsediment). Neigung zu Nierengrieß und Nierenkolik.
  • Blähsucht besonders im Unterbauch mit krampfartigen Beschwerden im linken Hypogastrium. Hämorrhoidalbeschwerden. Krampf des Sphincter ani. Appetitlosigkeit. Satt nach dem ersten Bissen.
  • Leistenbruch rechts. Lycopodium ist ein vorwiegend rechts wirkendes Mittel. Rechtsseitige Angina tonsillaris. Leberleiden mit Ikterus, Leberschwellung, grünlichen, bitteren Erbrechen. Spastische Obstipation. Neigung zu Ileus.
  • Typische Verschlimmerung nachmittags von 16 bis 20 Uhr für alle Beschwerden.
  • Bronchitis mit Schleimanhäufung und Rasselgeräuschen und Dyspnoe sowie Pneumonie mit schwieriger Lösung des Expektorates. Chronischer Nasenkatarrh mit Verstopfung der Nase und wundmachenden, scharfen Absonderungen.
  • Ekzeme nässend. Kopfgrind. Urtikaria. Pityriasis versicolor. Erysipel. Skrofulöse Hauterkrankungen. Brustwarzenentzündungen mit wunden, blutenden Warzen.
  • Rechter Fuß kalt, linker Fuß warm. Krampfaderbildung am rechten Unterschenkel.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Lycopodium clavatum die folgenden Hauptindikationen für Lycopodium im Bundesanzeiger veröffentlicht: Entzündungen der Atemorgane. Allgemeine Blutvergiftung. Folgen von Infektionskrankheiten. Entzündungen und Störungen des Leber-Galle-Systems, Verdauungsstörungen, Stoffwechselkrankheiten. Entzündungen der Harnorgane, Nierensteinleiden. Krampfaderleiden. Verschiedene chronische und akute Hauterkrankungen. Regelstörungen und Entzündungen der weiblichen Geschlechtsorgane. Andere Alterskrankheiten. Verhaltensstörungen und Verstimmungszustände.