Melilotus officinalis

Deutsche Stoffbezeichnung: Steinklee

Verwendet werden die frischen, zur Blütezeit gesammelten oberirdischen Teile von Melilotus officinalis (L.) Pallas/Leguminosae ohne verholzte Stengel.

Nash kennzeichnet Melilotus als ein Heilmittel von unbestritten großem Wert, wobei alle Prüfer fürchterliche Kopfschmerzen und Blutungen hatten, außer einem (Dr. Bowen).

Als wirksame Bestandteile finden sich Cumarin, ätherisches Öl, Harze und Gerbstoffe, durch welche, ähnlich wie bei Belladonna und Glonoinum, ein charakteristischer Blutandrang mit intensiver Röte des Gesichtes und Klopfen der Halsschlagadern, verbunden mit Kopfschmerzen, hervorgerufen wird, wobei diese Beschwerden durch profuses Nasenbluten gebessert werden.

Nash beschreibt einen Fall von religiöser Psychose, den er mit der 6. Potenz heilen konnte. Ein Hinweis auf Melilotus bei diesem Fall, der sonst in Anbetracht der Geschwätzigkeit an Stramonium hätte denken lassen, war das intensiv gerötete Gesicht, wobei die erste Ursache dieser Anfälle eine Überhitzung in der Sonne gewesen war.

Nash beschreibt noch das Symptom, dass das Blut wie ein Eiszapfen in Klumpen aus der Nase herabhing und dass in diesen Fällen bei auffälligem Blutandrang, dem Nasenbluten folgt, weder Belladonna noch Erigeron, noch andere Arzneimittel helfen, sondern dass für diese Fälle Melilotus das Spezifikum ist.

Dewey weist auf die nahe Verwandtschaft von Melilotus mit Glonoinum hin, zum Beispiel bei kongestiven Kopfschmerzen mit dem Gefühl, als müsste der Kopf in der Stirngegend bersten sowie bei Migräne. Besonders wenn Folgen von Sonnenstich und Überhitzung in der Sonne vorliegen, wirkt eine Kombination von Glonoin und Melilotus gut, die beide in ihrer Symptomatologie diese Erscheinungen haben.

A. von Fellenberg-Ziegler erwähnt die vikariierend eintretende Besserung des Kopfschmerzes nicht nur durch Nasenbluten, sondern auch durch die Menstruation, ebenfalls, dass Blutandrang nach den Lungen vorliegen kann, der durch Blutspucken gebessert wird, und dass bei heftigen Kopfschmerzen oft schon das wiederholte Riechen an der Melilotus-Tinktur, die einen kräftigen Cumarin-Geruch aufweist, nützlich sein kann.

Dabei zieht Blutandrang nach den verschiedensten Organen symptomatisch durch das ganze Mittel. Es finden sich nicht nur Kongestionen nach dem Gehirn, sondern auch nach Lungen und Rektum, verbunden mit Nasenbluten, Hämoptoe und Hämorrhoidalblutungen, wobei geistige und körperliche Abspannung und Schwäche vorhanden sein können, ferner eine unzufriedene, ungeduldige und zornige Gemütsstimmung oder auch Melancholie mit religiösen Wahnideen, eingebildeten Gefahren, Weinkrämpfen und großer Niedergeschlagenheit. Dabei kann nachts der Schlaf mit Wachsein abwechseln und durch unangenehme Träume unterbrochen werden, wobei allerlei Gedanken durch den Kopf gehen und am Einschlafen hindern.

Während der heftigen Kopfschmerzen besteht meist noch ein Druck über den Augenhöhlen. Hände und Füße sind kalt, schwarze Flecken tanzen vor den Augen (Flimmerskotom). Auch findet sich häufig ein wogendes Gefühl im Gehirn, und nach Art der Migräne kann Brechwürgen und Erbrechen folgen, wobei Nasenbluten oder das Eintreten der Menses die homotoxische Entlastung bringen.

Im Ohr kann die Empfindung bestehen, als blase Wind aus den Ohren, besonders beim Schlucken.

In der Nase finden sich häufig harte Krusten mit Verstopfung, so dass der Patient durch den Mund atmen muss und beim schnellen Gehen an Erstickungsgefühl leidet.

Auch die Verdauungsorgane können betroffen sein mit Magenauftreibung und saurem Aufstoßen sowie Meteorismus mit Obstipation und schmerzhaftem, schwierigem Stuhlgang.

Charakteristisch ist auch ein Zusammenschnürungsgefühl und Klopfen im Anus.

Melilotus hat ferner eine charakteristische Nierenwirkung in seiner Symptomatologie und öffnet gewissermaßen die Glomeruli für einen ausgiebigeren Blutdurchfluss, wobei experimentell noch nicht geklärt ist, ob der durch die Symptomatologie des gesamten Mittels ziehende Blutandrang durch spastische Kontraktionen der Arteriolen bedingt sein könnte. Nach Anwendung von Melilotus pflegt sich die Stauung zu bessern, so dass Melilotus auch bei chronischen Nierenaffektionen, zum Beispiel bei renaler Hypertonie, eine gute Hilfe bringen kann.

So sind auch Stauungserscheinungen in den weiblichen Genitalien ein Hinweis für Melilotus, nämlich spärliche, aussetzende Menstruation mit Übelkeit und Herabdrängen im Unterleib sowie stechenden Schmerzen in den äußeren Genitalien und Eierstocksneuralgien, ferner Dysmenorrhö.

Wenn die Hauptsymptome von Melilotus zusammengefasst werden, so ergibt sich ein charakteristisches Arzneimittelbild:

  • Heftige Kongestionen nach dem Gehirn, den Lungen, dem Rektum. Kopfschmerz gebessert durch Nasenbluten, Hämoptoe und Hämorrhoidalblutungen sowie durch Einsetzen der Menses.
  • Allgemeine geistige und körperliche Abspannung und Schwäche mit unzufriedener, ungeduldiger und zorniger Gemütsstimmung, Melancholie und religiöse Wahnvorstellungen, Neigung zum Weinen.
  • Chronische Rhinitis mit harter Krustenbildung und eventuell Dyspnoe.
  • Renale Hypertonie.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Melilotus officinalis die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Kopfschmerzen. Krampfaderleiden.