Natrium pyruvicum

Deutsche Stoffbezeichnung: Natriumpyruvat

Verwendet wird das Natriumsalz der Brenztraubensäure, C3H3NaO3, MG 110,05.

Natrium pyruvicum hat im Anwendungsgebiet gewisse Ähnlichkeiten mit den Sulfur-Indikationen, da die Brenztraubensäure in einem Brennpunkt des Zitronensäurezyklus steht und bei Anhäufung von Pyruvaten sulfurähnliche Symptome auftreten, zum Beispiel bei Therapieschäden. Natrium pyruvicum kann daher mit guter Wirkung kombiniert werden mit Sulfur und eventuell Hepar sulfuris sowie mit allen Organ-Präparaten und zahlreichen Nosoden, speziell bei zellulären Phasen jeder Art, auch chronischen Dyskrasien, Imprägnationsphasen wie Asthma, Angina pectoris, Pruritus, Dermatosen und Psoriasis sowie sonstigen Degenerationsphasen, zum Beispiel organischen Nervenerkrankungen sowie bei Präkanzerose und Dedifferenzierungsphasen. Die daraufhin einsetzenden regressiven Vikariationen sind mit den entsprechenden indizierten Potenzenaccorden abzubauen.

Die Homotoxikosen, welche Natrium pyruvicum erfordern, beruhen nicht so sehr auf Störungen der direkten Energiegewinnung und -verwertung wie bei Atmungsstörungen, sondern sie betreffen ein Glied der Energiegewinnung, das vor der Einschleusung der im Abbau befindlichen Kohlenhydrate in den Zitronensäurezyklus liegt.

Außer dem Natriumsalz der Brenztraubensäure kann in solchen Fällen auch die zusätzliche Darreichung von a-Liponsäure Nutzen bringen. Die Brenztraubensäure steht am Scheideweg von Atmung und Gärung.

Wie aus der praktischen Erfahrung hervorgeht, stellen alle zellulären Phasen eine Indikation für Natrium pyruvicum dar, eventuell kombiniert mit Acidum fumaricum und Natrium oxalaceticum.

Die Wirkung kann ergänzt werden mit Embryo suis, Cerebrum suis, Corpus pineale suis, Hepar suis und Ren suis, wobei eine festgefahrene Therapie durch die zusätzliche Anwendung von Natrium pyruvicum (und Nebenmitteln) gewissermaßen wieder aktiviert werden kann.

Dieses gilt besonders für die Therapie chronischer Imprägnationsphasen wie Asthma, Dermatosen, Pruritus, insbesondere auch für Allergien, allergische Ekzeme, rheumatische und gichtige Manifestationen, Psoriasis, sowie für Angina pectoris, auch für organische Nervenkrankheiten und Psychosen und insbesondere für die Therapie der Präkanzerose.

In der Praxis sind besonders folgende Indikationen bemerkenswert:

Migräne morgens auftretend und bis Sonnenuntergang anhaltend mit Kopfschmerz, Brechreiz und Erbrechen. Erhöhung des Augendrucks und Stirnhöhlenaffektionen. Benommenheit, Kopfschmerzen nach Haarwaschen, Haarschneiden und nach kalten Speisen (Speiseeis). Asthma bronchiale und Bronchiektasen. Schäden nach retoxisch behandelten akuten Reaktionsphasen (Grippe, Otitis media u.a.).

Durchblutungsstörungen (peripher und zentral) mit Gangrän, Ulcus cruris, Frostbeulen, marmorierte Haut und Kreislaufkollaps bei akuten Reaktionsphasen. Pektanginöse Beschwerden. Entweder Tachykardie, Arrhythmie oder Bradykardie mit stark erniedrigtem Druck (zweckmäßigerweise mit Acidum DL-malicum und einer geeigneten Nosode zu verabfolgen).

Natrium pyruvicum-Patienten sollen einen langsamen, schleppenden Gang haben und jede körperliche Anstrengung zu vermeiden trachten.

Die Haut ist trocken oder auch übermäßig fett. Juckende, schuppende Ekzeme, eventuell mit Asthma abwechselnd sowie pustulöse Vereiterungen von Talgdrüsen mit Narbenbildung (auch nach Windpocken) sind eine Indikation für Natrium pyruvicum, ebenso wunde Mundwinkel mit Rhagaden und Entzündungen der Nasenflügel sowie trockenes Ekzem am Gesäß. Die Patienten knicken leicht um (Natrium carbonicum). Auch können Zahnfisteln über Jahre bestehen, ebenso Zahnkaries ohne wesentliche Schmerzen und Parodontose.

An Natrium pyruvicum ist insbesondere auch bei allen Störungen des Zuckerstoffwechsels zu denken, besonders bei Durchblutungsstörungen (diabetische Gangrän).

Natrium pyruvicum hat sich bei einem Fall von gangränösem Ulcus auf der Achillessehne (bei einer jungen Frau mit juvenilem Diabetes) bewährt (Heilung nach 8–10 s.c. Injektionen – auch bei dem nach einem Jahr auftretenden Rezidiv).

Auch nach Entbindungen und im Klimakterium einsetzende Psychosen sollen gut auf Natrium pyruvicum reagieren.

Das Arzneimittelbild von Natrium pyruvicum wurde im September 1995 von Dr. med. David Riley, Santa Fé (New Mexico), USA, erstellt.

Übereinstimmende Symptome mit der Materia Medica Antihomotoxica von Dr. H.-H. Reckeweg: Kopfschmerzen, Dermatosen; juckende Hautekzeme, pustulöse Hautvereiterungen, schmerzhafte Ulzerationen.

Die wichtigsten Symptome aus der Arzneimittelbildprüfung von Dr. Riley waren:

  • Gemütslage: Dumpfheit, besonders abends. Wahnvorstellungen, sie würde beobachtet. Lebhafte Träume davon, auf eine Reise zu gehen. Reizbar und empfindlich.
  • Allgemeines: Gesteigerte Energie, mit Verlangen nach körperlicher Belastung. Ödem und Schwellung. Verlangen nach Eiern, Schokolade, Salz und Pizza. Gewürze verursachen Verschlimmerung.
  • Schwindel: Schwindel, besonders beim Baden.
  • Kopf: KOPFSCHMERZEN, SCHLIMMER IN DER STIRN und hinter den Augen, besonders hinter dem linken Auge. Völlegefühl des Kopfes im Scheitelbereich.
  • Auge: Stechende Schmerzen in den Augenlidern. Zusammenkleben der Augenlider und Wimpern. Cremig weiße Absonderung aus den Augen. Jucken der Augen. Gelbe Flecken im Gesichtsfeld.
  • Ohr: Schmerzen in den Ohren, schlimmer beim Schlucken.
  • Nase: Schnupfen mit Absonderung, vor allem ein postnasales Tröpfeln. Klare Absonderung. Blutandrang in der Nase. Niesen. Prickeln in der Nase. Zucken der Nase.
  • Gesicht: Pusteln und Furunkel im Gesicht, vor allem rund um das Kinn. Trockenheit des Gesichts und der Lippen. Jucken der Wangen und der Nase. Schmerzen im Kiefer. Schwellung des Gesichts rund um Augen und Kiefer, vor allem morgens. Prickeln des Gesichts.
  • Mund: Schmerzhafte Geschwürsbildung auf der Zunge. Trockenheit im Mund.
  • Zähne: Allgemein empfindlich. Druckempfindlich. Empfindlich gegenüber Warmem und Kaltem.
  • Hals (innerer): Beim Schlucken das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben, vor allem auf der linken Seite. Schmerzhafte Halsentzündung, die sich zu den Ohren ausdehnt, schlimmer auf der rechten Seite.
  • Hals (äußerer): Bei der geringsten Berührung schmerzende Halslymphknoten.
  • Magen: Gesteigerter Appetit, bisweilen unersättlicher Appetit. Appetit morgens beim Aufwachen gesteigert. Aufstoßen und Magenknurren. Schmerzen nach dem Essen schlimmer. Übelkeit mit Speichelfluss.
  • Leib: Aufgeblähter Leib. Stechende Schmerzen in der Nabelgegend.
  • Rektum: FLATUS, nachts schlimmer. Bei Blähung entstehen laute Töne. Flatus kann übelriechend oder geruchlos sein. Häufiger Drang nachts. Wirkungsloser Stuhldrang. Rektales Jucken. Verstopfung.
  • Stuhlgang: Häufiger dünner Stuhlgang.
  • Blase: Häufiges Bedürfnis, die Blase zu entleeren.
  • Genitalien, weibliche : Klarer Ausfluss. Vermindertes sexuelles Verlangen.
  • Brust: Gefühl von Beklemmung in der Brust. Anhaltende Schmerzen in den Brüsten. Brennende, stechende Schmerzen in der Brust, bei tiefem Einatmen schlimmer.
  • Rücken: Rückenschmerzen nachts schlimmer, besonders um 3 Uhr. Steifheit in der Nackengegend. Gefühl von Druck auf dem Nacken.
  • Extremitäten: Knacken der Gelenke. Anschwellen der Beine, besonders des Knies und des Knöchels. Schwäche des Knies. Extremitäten. Schmerzen in den Hüften und Knien, als seien diese ausgerenkt. Ausschlag auf den Hüften.
  • Schlaf: Schläfrigkeit, besonders am Nachmittag.
  • Schwitzen: Schwitzen, besonders am Abend. Schweiß hat üblen Geruch.
  • Haut: Schuppiger roter Ausschlag auf der Haut. Haut empfindlich bei Berührung.