Nitroglycerinum

Synonym: Glonoinum

Deutsche Stoffbezeichnung: Nitroglyzerin

Verwendet wird die Lösung von Glyceroltrinitrat (C3H5N3O9, MG 227,1) in Ethanol 90 Prozent. Der Gehalt entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Wenn Glonoinum, Nitroglycerin, auch im Wesentlichen für Herzaffektionen eingesetzt wird, speziell bei pektanginösen Beschwerden, so weist das Arzneimittelbild dennoch auch andere Symptome auf, die Glonoin durchaus auch bei anderen Indikationen als wirksames Heilmittel kennzeichnen. Der Name Glonoinum beruht auf seiner früheren chemischen Formel: Gl = Glycerin, O = Oxygen, N = Nitrogen.

Die charakteristischen Hauptsymptome sind Herzklopfen bis zum Halse, was man an den pulsierenden Karotiden sehen kann, sowie eine Neigung zu heftigen und plötzlichen Unregelmäßigkeiten der Zirkulation, ferner aktive Hirnhyperämie mit Erscheinungen, wie sie zum Beispiel bei Sonnenstich vorliegen. Auch zerebrales Erbrechen, weiße Zunge, Leeregefühl in der Magengrube mit blassem Gesicht und vollem Puls, mühsamer Atmung, also Erscheinungen, wie sie beim Sonnenstich vorhanden sein können, weisen auf Glonoinum hin. Dabei bestehen Kopfschmerzen, die durch Unbedecktsein des Kopfes und häufig durch ruhiges Liegen gebessert werden, aber schlimmer vom Rückwärtsbiegen des Kopfes sind. Das Gesicht ist im Gegensatz zu Belladonna-Fällen vielfach nicht gerötet, auch muss der Kranke umhergehen, am besten im Freien, weil er dabei Besserung empfindet. Die Belladonna-Symptome sind im Allgemeinen genau umgekehrt.

Die wichtigsten Symptome von Glonoin sind die des Herzens, wobei ein Gefühl von Vollsein in der Herzgegend angegeben wird und Klopfen und Pulsieren durch den ganzen Körper, als wenn die Brust zersprengen wollte, verbunden mit ausstrahlenden Schmerzen in die Arme und in den Hals. Nash weist noch auf die Ähnlichkeit mit Melilotus hin, so dass die Differenzierung oft schwierig ist.

Ein Symptom von Glonoinum ist noch beachtenswert: verirrt sich in wohlbekannten Straßen, dabei besteht eventuell Unbesinnlichkeit. Sonst finden sich noch Schwäche und Zittern in den Ober- und Untergliedern sowie ein Gefühl von Schwere und Unruhe in Armen und Beinen, verbunden mit Taubheits- und Eingeschlafenheitsgefühl, auch ein krampfhaftes Ziehen und Steifigkeitsgefühl im Nacken sowie ein krampfhaftes Spannungs- und Zusammenziehungsgefühl in den Muskeln, eventuell auch Stechen in den Schulterblättern.

Dabei können die Blutgefäße überfüllt sein, auch im Auge mit geröteter Augenbindehaut, mit Funken und Blitzen im Gesichtsfeld, Schwach- und Trübsichtigkeit und zeitweiligem Unvermögen zu sehen.

Auch ein Zucken und Taubheitsgefühl in den Lippen mit pulsierenden Zahnschmerzen können vorhanden sein und besonders auch eine vermehrte Absonderung von Speichel und Schleim mit häufigem Ausspucken sowie ein Vergrößerungs- und Wundheitsgefühl der Zunge mit scharfem Geschmack, bitterer und kratzender Empfindung nach dem Gaumen zu.

Auch Diarrhö mit Würgen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungsbeschwerden und Leib schneiden sowie Polyurie und Kopfkongestionen während der Menstruation sind im Arzneimittelbild vorhanden.

Als spezifische Indikationen haben sich im Allgemeinen herausgeschält die Beschwerden nach Sonnenstich sowie Durchblutungsstörungen am Herzen und das Pulsieren und Klopfen in den Gefäßen, wobei Glonoin auch bei Apoplexie, Delirien, epileptiformen Krämpfen, Meningitis, Migräne und auch bei Dysmenorrhö eventuell gut wirksam ist, wenn die Symptomatologie einigermaßen darauf hinweist. Erwähnt werden darf ferner noch, dass die Beschwerden auch schlimmer nach hochprozentigem Alkoholika sind und die Kopfsymptome auch nach dem Haarschneiden auftreten können.

Zusammengefasst ergibt sich folgendes charakteristische Arzneimittelbild:

  • Beschwerden schlimmer von Sonnenwärme, heißem Wetter, Bewegung, Schnäpsen, Likören und Haarschneiden, besser in Ruhe und frischer Luft.
  • Pulsierende Beschwerden durch den ganzen Körper, vom Herzen ausgehend. Pulsieren der Karotiden. Blutgefäße erweitert, Blutwallungen vom Nacken über den Kopf ziehend. Schmerzgefühl in der Herzgegend. Pektanginöse Beschwerden und lanzinierende Schmerzen, vom Herzen ausgehend und nach dem Rücken und den Schultern ausstrahlend mit krampfhaftem und pressendem Gefühl im Herzen (Cactus). Heftige Herzreaktionen bis in die Fingerspitzen und beschleunigte Herztätigkeit. Voller und frequenter oder schneller und kleiner Puls. Angina pectoris.
  • Findet sich in bekannten Straßen und Städten nicht zurecht.
  • Heftige Kopfschmerzen in der Stirn und Schläfengegend, vom Nacken heraufziehend und den ganzen Hinterkopf einnehmend, schlimmer durch jede Bewegung und Erschütterung, bisweilen besser in der frischen Luft und durch ruhiges Liegen.
  • Diarrhöen mit gastrischen Symptomen, Brechen und Würgen sowie Polyurie und Dysmenorrhö mit Kopfkongestionen. Nebenmittel bei Meningitis.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Nitroglycerinum die folgenden Hauptindikationen für Glonoinum im Bundesanzeiger veröffentlicht: Kopfschmerzen. Bluthochdruck. Angina pectoris.