Pilocarpus

Synonym: Jaborandi

Deutsche Stoffbezeichnung: Jaborandiblätter

Verwendet werden die getrockneten Fiederblättchen von Pilocarpus jaborandi Holmes oder Pilocarpus pennatifolius Lem. oder pilocarpus microphyllus Stapf/Rutaceae. Der Gehalt an Alkaloiden, berechnet als Pilocarpin (C11H16N2O2, MG 208,3) entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Die Hauptindikationen sind: Abnorme Schweiße, Nachtschweiße bei Lungentuberkulose, Ptyalismus und Zystitis während der Gravidität. Hyperhidrosis allgemein, Schweiße nach Hitzewallungen im Klimakterium.

Das Pilocarpin enthaltende Jaborandi ist wegen seiner diaphoretischen und miotischen (die Pupillen verengernden) Eigenschaften bekannt. Heinigke beschreibt die Wirkung von Jaborandi in Form eines Infuses, welches 6 g der Blätter enthält, wie folgt: Alsbald wird das Gesicht gerötet, die Schläfenarterien fangen an zu klopfen, es entsteht ein merkwürdiges Gefühl von Hitze im Mund und im Gesicht. Speichelfluss setzt ein, die Stirn wird feucht, Schweiß tritt im ganzen Gesicht auf, und der Speichel fängt immer mehr an zu laufen, so dass der Mund mit großen Mengen Flüssigkeit gefüllt wird, was fortwährendes Ausspucken zur Folge hat; nach und nach wird der ganze Körper mit Schweiß bedeckt, wobei ein angenehmes Gefühl von Wärme vorherrscht. Inzwischen sind noch andere Erkennungen hinzugekommen: Die Augenlider werden feucht, die Pupillen verengen sich im geringen Maße, die Nase fängt an zu laufen und die Schleimhäute des Pharynx, der Trachea und der Bronchien sondern wässrigen Schleim ab; Herzklopfen und unregelmäßiger Puls kommen hinzu. Diese Erscheinungen erreichen ihre größte Intensität nach Einnehmen des Mittels, halten dann noch etwa 30–50 Minuten an und lassen allmählich wieder nach, worauf eine gewisse Schwäche und Schläfrigkeit, von großer Trockenheit aller vorher intensiv tätig gewesenen Organe gefolgt, kürzere oder längere Zeit bestehen bleibt.

Dieses Bild der Pilocarpinwirkung, welches der Hauptwirkstoff von Jaborandi ist, kann im Umkehreffekt und im Simile-Prinzip mit gutem Erfolg ausgenutzt werden bei abnormer Schweißbildung, besonders bei Nachtschweißen von Tuberkulosekranken, bei Speichelfluss und Harnbeschwerden, auch während der Schwangerschaft, ferner bei Akkomodationskrampf und Sehstörungen verschiedener Art, bei Asthenopie und Krampf der Augenlider.

Auch ergeben sich günstige Wirkungen bei Bronchitis mit profuser Absonderung wässrigen Schleimes und bei Entzündung der Ohrspeicheldrüse sowie bei Dysmenorrhö der jungen Mädchen, welche eine extrem trockene Haut und eine spärliche Regel haben und ganz besonders auch bei Milchmangel der Wöchnerinnen.

Pilocarpin wird in der Augenheilkunde zum Verengen der Pupillen, zum Beispiel bei Irisverletzungen und beim Glaukom eingesetzt, wobei eine 1–2%ige Lösung verwendet wird. Pilocarpin hat gegenüber dem Eserin den Vorteil einer weniger kräftigen Wirkung, wodurch die Akkommodation in geringerem Grade beeinflusst wird und nicht die Neigung zu Iritis so erheblich gesteigert wird wie bei Eserin.

Auch haben sich günstige Wirkungen gezeigt bei täglichen Kopfschmerzen, die gegen Mittag auftreten und mit beschleunigtem Atem verbunden sind, auch mit Druck auf der Brust, Beängstigung, Herzklopfen und Schmerz in der Herzgegend, Schwindel, klopfendem Schmerz auf dem Scheitel. Auch bei Akkommodationsstörungen sollte ein Versuch gemacht werden, speziell auch bei Akkommodationskrampf beim Lesen, wenn die Buchstaben plötzlich verschwinden und das genaue Sehen erschwert ist und Kurzsichtigkeit besteht.

Gute Wirkung könnten auch bei Hydrops des Mittelohres (Euphorbium) erwartet werden sowie bei Leeregefühl im Unterleib, bei schmerzlosem Durchfall, bei gerötetem Gesicht und Schweißausbruch sowie bei plötzlichen heftigen Schmerzen in der Blase, die nach der Harnröhre schießen, so dass der Kranke aufschreien muss, auch bei Brennen in der Harnröhre mit Harndrang.

Eine wichtige Indikation ist auch die Anwendung bei Lungenödem mit schaumigem Auswurf und wässrig-schleimigen Absonderungen, generell bei übermäßigen Schweißen an verschiedenen Körperstellen.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Pilocarpus die folgenden Hauptindikationen für Jaborandi im Bundesanzeiger veröffentlicht: Augenbeschwerden. Vermehrte Schweißbildung.