Pulsatilla

Synonym: Pulsatilla pratensis

Deutsche Stoffbezeichnung: Küchenschelle

Verwendet wird die frische, zur Zeit der Blüte gesammelte, in Gebirgen Europas und Russlands vorkommende ganze Pflanze von Pulsatilla pratensis Miller/Ranunculaceae.

Die aus der Kuhschelle, Pulsatilla pratensis, bereitete Urtinktur enthält Protoanemonin (eine antibiotische Substanz), Gerbstoff, Harz und Saponin und weist typische Heilanzeigen auf, die sich sowohl auf psychische sowie auf somatische Symptome erstrecken. Alle Beschwerden sind schlimmer von Wärme in jeder Form und werden besser durch Kühle und Herumbewegen in frischer Luft. Dabei pflegt die Verschlimmerung der Beschwerden meist gegen Abend zu erfolgen, sowie vor und nach der Menstruation mit großer Veränderlichkeit aller Symptome. Allgemein besteht eine weinerliche Stimmung mit mildem, schüchternem Gemüt, eventuell auch Schwindel mit Brechneigung und Verschlimmerung beim Liegen. Der Kopfschmerz wechselt schnell den Sitz und ist besser durch Druck. Die Augenlider sind oft entzündet und juckend mit Augentränen. Auch der äußere Gehörgang kann geschwollen und entzündet sein, ebenso die Nasenscheimhäute mit Verlust des Geruchsvermögens. Die Unterlippe ist häufig aufgesprungen. In den Zähnen wird Ziehen und Jucken empfunden, als wenn ein Nerv gezogen und wieder losgelassen würde, besonders schlimm nachts und im warmen Zimmer mit Ausstrahlungen in Ohr, Auge und Schläfe.

Wichtige Symptome finden sich auch bezüglich des Verdauungskanals, beginnend mit Geschmacksverlust oder fauligem, schleimigem, ranzigem Geschmack oder Blutgeschmack. Hierbei ist die Zunge weißlich bzw. weißschleimig belegt, wobei der Patient zwar Durst hat, jedoch äußert: er könne sich nicht beherrschen, zu trinken. Fette Speisen und saure Speisen werden meist schlecht vertragen oder stundenlang nach dem Essen erbrochen. Dabei besteht das Gefühl von Völle, Druck und Schwere, wie wenn ein Stein im Magen läge oder als wenn ein Apfel unter dem Brustbein festsäße. Die Stühle können veränderlich sein, besonders aber dünn und schleimig, mit Diarrhö und Verstopfung wechselnd, dazu Bauchkneifen, das nach der Entleerung anhält.

Auch ist Pulsatilla bei mannigfachen Blasenbeschwerden mit Tenesmen und Brennen beim Urinieren sowie mit unfreiwilligem Harnabgang bei Husten, Schreck oder im Schlaf indiziert. Auch findet sich vermehrter Geschlechtstrieb mit morgendlichen Erektionen, eventuell Schmerzen und Brennen in den Hoden (z.B. auch nach überstandener Gonorrhö).

Die Menstruation ist meistens spärlich und kommt zu spät oder ist unregelmäßig, wobei die Patientinnen schon lange vorher das Gefühl äußern, als wenn die Menstruation einsetzen sollte. Dabei besteht Dysmenorrhö mit Drängen nach unten.

Auch Husten ist im Pulsatillabild enthalten, besonders schlimm im warmen Raum mit Heiserkeit, morgens ist er locker mit grüngelbem Auswurf, schlimmer im Liegen.

Alle Beschwerden und Schmerzen von Pulsatilla mit Stichen und Druck wechseln meist rasch den Ort. Es herrscht venöse Konstitution vor mit Schwellung der Venen und Gedunsenheits- und Schweregefühl im ganzen Körper. Dabei besteht zum Abend Besserung des Gesamtbefindens bis auf gewisse Beschwerden, während morgens eine schläfrige, verdrießliche Stimmung vorherrscht, ähnlich wie bei Nux vomica. Auch besteht trotz der Besserung in frischer Luft eine gewisse Frostigkeit, vor allen Dingen bei Schmerzen.

Typisch sind partielle, halbseitige Schweiße, wobei die Patienten trotz der Frostigkeit leicht bekleidet gehen wollen.

Die Pulsatilla-Patienten klagen oft über das Gefühl, als wenn Eiter unter gewissen schmerzenden Stellen verborgen sei. Gelb-grüne Sekretionen finden sich vor allen Dingen morgens, während abends vielfach dünnflüssige Absonderungen bestehen.

In der Herzgegend treten häufig Stiche auf, verbunden mit Engbrüstigkeit und Erstickungsanfällen sowie stechenden Empfindungen im gesamten Thorax.

Kehlkopf- und Luftröhrenkatarrhe mit heftigem Scharren und Kratzen, Husten mit schwerlöslichem Schleim finden sich speziell bei Masern für die Pulsatilla eines der wichtigsten Mittel ist.

Allgemein finden sich folgende typische Symptome und Indikationen:

  • Verschlimmerung im warmen Zimmer und bei heißem Wetter, Besserung in frischer Luft und bei leichtem Umhergehen. Will trotz der Frostigkeit leicht gekleidet sein. Besserung des Kopfschmerzes in frischer Luft. Verschlimmerung bestimmter Beschwerden abends sowie vor und nach der Menstruation.
  • Magenkatarrhe mit weiß belegter Zunge und dem Gefühl wie ein Stein im Magen sowie als wenn unter dem Brustbein ein Apfel oder eine Brotkruste festsäße. Pappiger Mundgeschmack, Blutgeschmack, besonders morgens. Masern, Bronchitis und Bronchopneumonie. Unverträglichkeit von Fettspeisen (Schweinefleisch).
  • Venöse Konstitution. Vikariierende Blutungen („Menstruations-Nase“).
  • Rheumatische Beschwerden und gichtige Diathese mit häufig wechselnden Schmerzen. Gicht im linken Großzeh.
  • Urtikaria. Folgen von unterdrückter Gonorrhö oder von unterdrücktem Fluor albus mit Orchitis oder Ovariitis. Frostbeulen.
  • Begleitende Blasenkatarrhe bei Prostatahypertrophie.
  • Ophthalmie nach Masern, vor allem wenn Granulationen vorliegen. Blepharitis und Neigung zu Gerstenkörnern. Auch Otitis media mit heftigem, stechendem, pulsierendem Schmerz.
  • Patientinnen, die alles haben und dem Arzt eine Stunde und länger über alle ihre Leiden berichten können, obwohl keinerlei objektivierbare Befunde erhoben werden können, benötigen meistens Pulsatilla.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Pulsatilla pratensis die folgenden Hauptindikationen für Pulsatilla im Bundesanzeiger veröffentlicht: Hautkrankheiten. Krampfaderleiden. Entzündungen der Atemwege und Neigung zu Erkältungen. Entzündungen und Störungen der Verdauungsorgane, Verdauungsschwäche. Entzündungen und Störungen der weiblichen Genitalorgane, Scheidenentzündung mit Ausfluss, Regelstörungen aller Art. Störungen in der Schwangerschaft und Stillzeit. Blasenentzündungen, Harnentleerungsstörungen. Rheumatische Erkrankungen. Entzündungen des Auges. Mittelohrentzündungen. Masern, Mumps. Kopfschmerzen. Schlafstörungen, seelische Störungen. Nervöse Störungen, Verstimmungszustände.