Semecarpus anacardium

Synonym: Anacardium

Deutsche Stoffbezeichnung: Ostindische Elefantenlaus

Verwendet werden die reifen getrockneten Früchte der in Ostindien heimischen Stammpflanze: Semecarpus anacardium L./Anacardiaceae.

Die aus den Früchten des Tintenbaumes, der zur Pflanzenfamilie der Anacardiaceen gehört, aus Semecarpus anacardium zubereitete Tinktur, die für die homöopathischen Verdünnungen verwandt wird, ist nach Nash ein wertvolles Mittel, das im Allgemeinen nicht richtig gewürdigt wird. In vielen Fällen von Dyspepsie, bei denen sonst Nux vomica unterschiedslos verordnet wird, ist Anacardium stärker angezeigt, da Anacardium einen typischen Magenschmerz charakterisiert, der jeweils bei leerem Magen auftritt und durch Essen gebessert wird, während sich der der Nux vomica eigentümliche Magenschmerz bessert, wenn der Verdauungsprozess vorüber ist. Dieses Prüfungssymptom hat zur Verordnung von Anacardium bei Fällen von Ulcus duodeni und Duodenalkatarrh geführt, wobei ja derartige Sensationen von Hungerschmerz charakteristisch sind.

Auch hat Anacardium ähnlich wie Nux vomica das Symptom des häufig erfolglosen Stuhldranges, wobei zusätzlich bei Anacardium noch das Gefühl eines Pflockes oder eines Knollens im After vorliegt, der nicht herausgepresst werden kann. Nux vomica hat dieses Symptom nicht in seinem Arzneimittelbild.

A. v. Fellenberg-Ziegler charakterisiert die Wirkung von Anacardium mit spezieller Wirkungsausrichtung auf Haut und Gehirn und weist auf die Periodizität der Beschwerden hin, die ja bei Ulcus-duodeni-sive-ventriculi-Beschwerden typisch in Erscheinung treten. Dabei ist dieses Drücken wie von einem Pflocke nicht nur auf den Mastdarm beschränkt, sondern kann in verschiedenen Körperteilen auftreten, verbunden mit Schwäche in den Gliedern, besonders in den Knien.

Auch können Wadenkrämpfe beim Gehen oder beim Aufstehen vom Sitzen auftreten. Dabei kann auch eine Unempfindlichkeit der Haut gegen Reize bestehen oder auch eine große Empfindlichkeit gegen Zugluft und Kälte, verbunden mit brennendem Jucken in der Haut, urtikariellen Blasen und warzenähnlichen Effloreszenzen. Auch sind für Anacardium eventuell retoxische Imprägnierungen nach unterdrückten oder zurückgetretenen Hautausschlägen charakteristisch, speziell Gehirn- und Gemütssymptome mit hypochondrischer Reizbarkeit, Verzagtheit und Befürchtung von Unglück und Gefahr.

Derartige Reizzustände von Seiten des zentralen Nervensystems können sich auch nach anstrengender Geistesarbeit finden mit Ermüdung des Kopfes und reißenden Kopfschmerzen in Stirn, Schläfen und Hinterhaupt, wobei wiederum das Symptom eines Pflockes im Haupt in Erscheinung treten kann oder als wenn ein Band um die Stirn gelegt ist.

Vielfach besteht auch außerordentliche Gedächtnisschwäche, wie sie auch nach Überstehen schwerer Krankheiten vorliegen kann, eventuell in Verbindung mit Druckgefühl und Benommenheit im Kopf. Dabei kann Menschenscheu bestehen und ausgesprochene Agoraphobie, verbunden mit Hartherzigkeit, Unmenschlichkeit und einer Neigung zum Schimpfen. Gerade dieses letzte Symptom kann für Anarcadium einen charakteristischen Hinweis bieten. Wenn Patienten ununterbrochen über alles zu schimpfen pflegen (auch über die politischen Zustände usw.) soll man nach Anacardium-Symptomen fahnden und wird häufig auch derartige Symptome feststellen können. In solchen Fällen kann Anacardium den gesamten Zustand beseitigen.

Nash weist noch auf das Symptom hin: Der Kranke hat das Gefühl, als habe er zwei Willen, von denen jeder ihn treibt, entgegengesetzte Dinge zu tun. Es handelt sich hier also um ein Symptom, wie es bei Schizophrenie gefunden wird.

Wenn die wesentlichsten Symptome von Anacardium zusammengefasst werden, so ergibt sich folgende Aufstellung:

  • Periodizität der Beschwerden und Schmerzen, Frühjahrsverschlimmerung von Magengeschwüren.
  • Jucken, Brennen und Hitzegefühl in der Haut. Bildung von Bläschen, Pusteln und Warzen. Urtikaria mit Absonderung gelblicher Flüssigkeit.
  • Ängstliche und bekümmerte Gemütsstimmung. Verzagtheit, Empfindlichkeit. Neigung zum Schwören, Schimpfen und Fluchen.
  • Gefühl eines Pflockes an verschiedenen Stellen im Körper, zum Beispiel im Kopf, Unterleib, Mastdarm, After, verbunden mit Stuhlverstopfung (selbst weicher Stuhl kann nur schwer entleert werden).
  • Typischer Hungerschmerz bei leerem Magen, Besserung durch Essen.
  • Starke Gedächtnisschwäche bei alten Leuten, verbunden mit Nervenzerrüttung, Schwäche in den Gliedern (besonders der Knie) und eventuell Kopfschmerzen (Pflockgefühl). Wadenkrämpfe beim Gehen.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Semecarpus anacardium die folgenden Hauptindikationen für Anacardium im Bundesanzeiger veröffentlicht: Hautausschläge, Verdauungsschwäche. Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Geistige Erschöpfung. Verstimmungszustände. Wahnvorstellungen.