Strychnos ignatii

Synonym: Ignatia

Deutsche Stoffbezeichnung: Ignatiusbohne

Verwendet werden die getrockneten Samen der auf den Philippinen einheimischen Stammpflanze: Strychnos ignatii Berg./Loganiaceae. Der Gehalt an Gesamtalkaloiden sowie von Strychnin (C21H22N2O2, MG 334,4) entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Die aus Ignatiusbohnen hergestellte Tinktur „Ignatia“ enthält als Hauptbestandteile Strychnin und Brucin (ähnlich wie Nux vomica, das Schwestermittel).

Ignatia gilt als das Hauptmittel für theatralische Übererregung und nervliche Erschöpfungszustände und ist indiziert bei Veränderlichkeit der Stimmung, Überempfindlichkeit gegen Schmerz, Zuckungen, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Dysmenorrhö, Empfindlichkeit gegen Tabakrauch und allgemein gegen Gerüche, Mastdarmvorfall und absurden Symptomen allgemeiner Art.

Man darf jedoch bei der kritischen Wertung der Ignatia-Symptome nicht der Meinung sein, dass die durch Ignatia beeinflussbaren Krankheitserscheinungen nun als hysterisch oder nervös überlagert usw. mit einer Handbewegung leicht abzutun sind. Es handelt sich bei diesen Erscheinungen nämlich fast regelmäßig um Imprägnationsphasen, zum Beispiel solche im Sinne der vegetativen Dystonie. Bei Kindern finden wir diese Symptome oft als Vorstadien von Meningitis und Otitis media.

Auch Magen-Darm-Erscheinungen, speziell mit Schwächegefühl in der Magengrube, als wenn der Magen herunterhängt sind typisch.

Bei Ignatia-Patienten soll es sich hauptsächlich um unduldsame, streitsüchtige, ärgerliche Patienten mit großer Empfindlichkeit handeln, welche außerordentlich leicht auf Schreck reagieren (ähnlich Aconitum, Opium und Veratrum), die auch leicht zu Krämpfen und Konvulsionen neigen und bei denen auch eine typische Migräne auftritt mit dem Symptom, als wenn ein Nagel aus der Seite des Kopfes herausgetrieben würde.

Wir müssen uns darüber klar sein, dass solche Beschwerden tatsächlich vielfach sehr unangenehmer und hartnäckiger Natur sein können und auf sonst übliche Pharmaka, selbst auf Ataraktika nicht oder nur vorübergehend ansprechen, demgegenüber aber bald durch mit Ignatia beziehungsweise Ignatia enthaltenden Kombinationspräparaten zu beseitigen sind.

Ganz besonders darf ein Symptom herausgestellt werden, das im Allgemeinen als langgezogenes Seufzen oder tiefes Luftholen bezeichnet wird, womit dieses Symptom aber nicht voll erfasst wird. Man kann es besser als Dyspnoe bezeichnen, und zwar eine eventuell maligne Dyspnoe wie von innerer Erstickung. Der Patient oder die Patientin – es handelt sich bei Ignatiafällen durchaus nicht immer nur um das weibliche Geschlecht, ebenso häufig ist das männliche Geschlecht mit derartigen Symptomen behaftet, auch Männer im besten Mannesalter benötigen häufig Ignatia, zum Beispiel auch Herzpatienten bei Dyspnoe. Nash gibt an, dass die weinerliche und empfindsame Stimmung sowohl auf Schreck, aber auch auf chronischen Kummer zurückzuführen ist. Dieses ist in der Tat der Fall. Andernteils aber pflegen die Ignatia-Patienten alles sehr schwer zu nehmen und sich über verhältnismäßig einfache und harmlose Schwierigkeiten aufzuregen und diese als unüberwindlich anzusehen, woraus dann Beschwerden resultieren wie migräneartige Kopfschmerzen, die durch Wärme und Liegen auf der kranken Seite gebessert werden, krampfhafte Zusammenziehungen im Bereich des Darmes mit Stichen im Rektum, die in das Kolon hochschießen und den Verdacht auf Rektumkarzinom erwecken, die sich bei Darreichung von Ignatia dann aber eventuell über entzündliche Hämorrhoiden, ein analoder Nabelekzem regressiv vikariierend nach außen entwickeln usw.

Die der Ignatia eigenen absurden Symptome äußern sich zum Beispiel darin, dass beim Wechselfieber während des Frostes, und zwar nur in diesem Stadium, Durstgefühl, ebenso ein rotes Gesicht auftritt, was für kein anderes Mittel charakteristisch ist.

Ignatia hat ferner Druckgefühl im Hals, wie eine Kugel, als wenn es zur Erstickung kommt, etwa dem Globusgefühl entsprechend oder auch im Sinne der bereits erwähnten Dyspnoe zu deuten.

Dabei können auch Ausschläge auftreten, kleine Aknepustelchen in der Augengegend und am Kinn sowie urtikarielle Ausschläge und Haarausfall.

An den Augen kann es zu Sinnestäuschungen, zum Beispiel zu weißen, flimmernden, glänzenden Zacken in der Peripherie des Gesichtsfeldes kommen, etwa wie bei Netzhautablösung.

Gelenkschmerzen können an Händen und Fingern auftreten mit Steifigkeit und Ziehen sowie mit Schwäche in den Untergliedern, etwa wie bei beginnender primär chronischer Polyarthritis oder bei tabischen Paresen.

Es kann eine Überempfindlichkeit der Haut gegen Zugluft und frische Luft bestehen.

Die Erschöpfung und Schwäche wird schlimmer durch Kaffee, Spirituosen und Tabakrauch, der besonders unerträglich ist.

Dabei besteht eine außerordentliche Schwerfälligkeit im Denken.

Die Stimmungslage kann von einem Extrem rasch in das andere überwechseln.

Aber auch mehr oder weniger organisch fassbare Phasen wie Balanitis, Prostatorrhoe, Fluor albus, Metrorrhagien mit geronnenen Stücken schwarzen Blutes mit üblem Geruch, ferner entzündliche Erscheinungen an Augenlidern, Nase und Lippen, Kitzelhusten, Laryngospasmus, Schlundkrämpfe, Schluckbeschwerden, Prolapsus ani, Ikterus, Blasenkrampf und malariaähnliche Fieberattacken, auch echte Malaria können in Ignatia ihr Heilmittel finden.

Wenn auch bei all diesen Erscheinungen häufig keine schwerwiegenden organischen Veränderungen im Sinne von Degenerationsphasen festgestellt werden können, so handelt es sich doch offenbar um toxische Effekte, vielfach um Imprägnationsphasen, die unbedingt das richtige Antihomotoxikum, nämlich Ignatia erfordern.

An Ignatia ist auch bei zahlreichen retoxischen Phasen zu denken. Ein Hinweis hierfür mag die Irritabilität des Nervensystems sein (Strychnin-Brucin-Wirkung), welche für Ignatia ja charakteristisch ist und die bei zahlreichen Rückvergiftungen die organische Grundlage für die häufig wechselnden Symptome im Sinne der Imprägnationsphase bildet.

Zusammengefasst ergibt sich folgende wesentliche Symptomatologie:

  • Nervenmittel. Überempfindlichkeit aller Sinnesorgane, auch der Haut. Überempfindlichkeit gegen Gerüche, gegen Tabak, Rauch, Alkohol- und Kaffeegenuss.
  • Folgen von Kummer, nimmt alles schwer. Neigung zum Weinen. Verbirgt den Kummer vor der Öffentlichkeit. Schweigsamkeit. Seelische Depression (exogen). Folgen von Schreck. Verlangen nach Einsamkeit.
  • Schwerfälligkeit im Denken und Sprechen, Zerstreutheit. Verblüfftes Wesen. Gedächtnisschwäche. Gedankenlosigkeit. Benommenheit.
  • Zittern. Zuckungen. Wein-, Lach-, Schlundkrämpfe. Globusgefühl. Migräne (wie ein Nagel seitlich im Kopf, mit nachfolgendem, farblosem Urinabgang).
  • Laryngospasmus. Auch Chorea minor und epileptiforme Anfälle.
  • Angina tonsillaris mit Besserung der Halsschmerzen durch Schlucken.
  • Schwächegefühl im Magen, als ob der Magen erschlafft herunterhinge (Sepia).
  • Prolapsus ani mit zusammenziehenden heftigen Schmerzen, die auch aufwärts in Mastdarm und in das Kolon schießen.
  • Wechselfieber mit Durst und heißem Kopf während des Frostes.
  • Dysmenorrhoe. Menstruation mit schwarzem, klumpigem, übelriechendem Blut.
  • Dyspnoe wie von innerer Erstickung, auch bei Asthma. Muss dauernd tief seufzen, kann aber nicht durchatmen infolge von retoxischen Fermentschäden (passt besonders gut zu Carbo vegetabilis).

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Strychnos ignatii die folgenden Hauptindikationen für Ignatia im Bundesanzeiger veröffentlicht: Nervöse Störungen. Verstimmungszustände. Krämpfe an Hohlorganen und Muskeln.