Veronica officinalis

Deutsche Stoffbezeichnung: Ehrenpreis

Verwendet werden die frischen oberirdischen Teile blühender Pflanzen von Veronica officinalis L./Scrophulariaceae.

Veronica enthält ein Glykosid Aucubin sowie ätherisches Öl, Gerbstoffe und Bitterstoffe und wird hauptsächlich als mildes Expektorans angewandt bei chronischen und akuten Bronchialkatarrhen mit Husten, besonders auch bei Katarrhen auf skrofulöser Basis, wie sie bei Vergrößerung der Hilusdrüsen in Erscheinung treten.

Des Öfteren finden sich bei Kindern mit Skrofulose auch Hautaffektionen, chronische Ekzeme und Dermatosen, für welche Veronica ebenfalls ein Heilmittel ist. Derartige Kinder leiden häufig auch an zwischendurch auftretendem Schnupfen (laufende Nase), der als Homotoxin-Exkretion aufzufassen ist und keineswegs unterdrückt werden darf. Diese seröse Rhinitis spricht auch auf Veronica an.

Veronica findet sich daher meist in Kombinationspräparaten, die auf die Symptome der Skrofulose und Drüsenschwellungen sowie auf katarrhalische Affektionen ausgerichtet sind.

Das Arzneimittelbild von Veronica officinalis wurde im Februar 1995 von Dr. med. David Riley, Santa Fé (New Mexico), USA erstellt.

Übereinstimmende Symptome mit der Materia Medica Antihomotoxica von Dr. H.-H. Reckeweg: beständiger Bronchialhusten, Coryza.

Die wichtigsten Symptome aus der Arzneimittelprüfung von Dr. Riley waren:

  • Gemütslage: GROSSE MENTALE ANGST. Klarheit der mentalen Gedankenvorgänge im Wechsel mit mentaler Verwirrung und einem Gefühl von Überwältigtsein. Ein Gefühl von Nebelhaftigkeit und Schwindel. WAHNVORSTELLUNGEN, Leute seien fern, der Körper vibriere, und sie habe Marihuana geraucht, auch wenn das nicht zutraf. REIZBARKEIT, besonders zusammen mit wechselnden Stimmungen.
  • Allgemeines: DRASTISCHE ENERGIESTEIGERUNG, häufig in Verbindung mit gesteigerter Klarheit der mentalen Gedankenvorgänge. Die Energiezunahme wechselte manchmal ab mit einem Gefühl von vermehrter Müdigkeit, Lethargie und Reizbarkeit. Allgemein neigten die Symptome dazu, sich auf der rechten Körperseite zu häufen. Unruhe. Große Schwäche, besonders durch das Auslassen einer Mahlzeit. Trockenheit im Allgemeinen.
  • Schwindel: Schwindeligkeit, Wirrheit.
  • Kopf: Kopfschmerzen, dumpfes Stechen. Häufig auf der rechten Seite schlimmer.
  • Auge: Schwere der Augenlider. Schmerzen in den Augen, schlimmer auf der rechten Seite und schlimmer bei Berührung.
  • Ohr: OHRENSCHMERZEN, ohne Anzeichen für eine Infektion. Die Schmerzen waren ihrer Art nach scharf und rechts schlimmer. Töne und Geräusche im Ohr, insbesondere ein Klingeln und ein knallender bzw. knisternder Ton.
  • Nase: Freie Nasengänge, was angesichts des Gefühls von Blutandrang seltsam erscheint, Husten und Halsentzündung. Reizung der Nasenschleimhäute. Heftiges Niesen. Prickeln in den Nebenhöhlen.
  • Gesicht: Akne in der rechten Gesichtshälfte oberhalb der rechten Lippenseite. Gesichtsblässe.
  • Mund: Gefühl von Trockenheit im Mund, als sei dieser voll Watte. Gefühllosigkeit im Mund, besonders im Zahnfleisch, als hätte er eine Anästhesie bekommen. Bläschenartiger Ausschlag („Beule“) im Mund, auf der linken Seite der Zunge.
  • Zähne: Flüchtige Schmerzen in den Zähnen.
  • Hals (innerer): HALSENTZÜNDUNG. Gefühl von vier Nadelstichen im Hals, die sich zu einem Gefühl von Halsentzündung auswuchsen. Wundes Gefühl. Prickelndes Gefühl im Hals.
  • Hals (äußerer): Haut am äußeren Hals war rund um die Schilddrüse druckempfindlich.
  • Magen: Gesteigerter Appetit im Wechsel mit Appetitabnahme. Brennende Schmerzen wie Sodbrennen im Magen, schlimmer zu Beginn des Essens und durch Aufstoßen gebessert. Übelkeit. Gesteigerter Durst. Verlangen nach Süßigkeiten.
  • Leib: Aufblähung. Krampfartige, scharfe Leibschmerzen. Leibschmerzen durch Reiben gebessert.
  • Rektum: Verstopfung. Diarrhö.
  • Stuhlgang: DRANG, GEFOLGT VON DÜNNEM STUHLGANG. Übler Geruch, besonders Geruch nach faulen Eiern oder Schwefel.
  • Blase: Harnstrom gegabelt.
  • Genitalien, weibliche: Menstruationsfluss war anfänglich hell, dann folgte ein plötzlicher Erguss von hellrotem Blut. Braune schleimartige Absonderung in der Zeit des Eisprungs. Sexuelles Verlangen gesteigert und vermindert.
  • Kehlkopf/Speiseröhre: Kribbelndes Gefühl in der Speiseröhre.
  • Husten: Hartnäckiger Bronchialhusten. Wenig oder keine Schleimproduktion.
  • Brust: Brennendes Gefühl in der Brust. Herzstoßen. Herzklopfen.
  • Rücken: STEIFHEIT IM RÜCKEN, besonders im Kreuz, schlimmer durch Stehen. Nackenschmerzen, verschlimmert durch Kälte.
  • Extremitäten: Stechende Schmerzen in der Hüfte. Schlimmer in der linken Hüfte. Schlimmer in der rechten Hüfte.
  • Schlaf: INTENSIVE UND LEBHAFTE TRÄUME. Träume vom Zigarettenrauchen, Pferdereiten und von Schlangen. Angenehme, nicht erinnerte Träume. Schlaflosigkeit nachts und Verlangen nach Nickerchen während des Tages. Erfrischender Schlaf. Verlangen, auf der rechten Seite zu schlafen.
  • Schwitzen: Schwitzen nachts schlimmer. Auf Schwitzen folgten Schüttelfröste und kalte Schweißausbrüche nach dem Sichaufdecken.
  • Haut: Trockene Haut. HAUTAUSSCHLAG. HAUTAUSSCHLAG, DER ROT WAR UND HEFTIG JUCKTE. Erhabener Hautausschlag. Hautausschlag, der abends schlimmer war und durch Einwirkung von Feuchtigkeit schlimmer wurde. Schlimmer in den oberen Extremitäten. Schlimmer in den unteren Extremitäten.