Zincum metallicum

Deutsche Stoffbezeichnung: Zink

Verwendet wird metallisches Zink, Zn, AG 65,4. Der Gehalt entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Zincum metallicum ist ein großes Nervenmittel, welches sowohl auf das Gehirn wie auf die vegetativen Zentren, Sympathikus und Parasympathikus eine grundlegende Wirkung ausübt.

Zink ist ebenfalls ein Antipsorikum und geeignet für kachektische Patienten mit großer Schwäche, die das gesamte Prüfungsbild beherrscht. Besonders wenn Ausschläge unterdrückt wurden oder nicht richtig herauskommen wollen, zum Beispiel bei Masern, oder wenn nach der Pockenimpfung Gehirnreizerscheinungen auftreten und die Gefahr einer Virusenzephalitis droht, vermag Zincum metallicum in Gemeinschaft mit anderen, die regressive Vikariation provozierenden Therapeutika, die Homotoxine vom Nervensystem zu lösen und über die abermals in Entzündung geratenen Impfpusteln abzubauen. Von Sulfur und Cuprum ist ähnliches bekannt. Diese Wirkungen einer Wiederingangsetzung blockierter Fermentsysteme sind speziell von Sulfur oft beschrieben.

Bei den chronischen Zinksymptomen finden sich Nervenschmerzen und Muskelzucken sowie eine allgemeine Nervosität und Überempfindlichkeit. Die Patienten regen sich beim leisesten Anlass auf und weisen dabei Abmagerung, Erschöpfung und lähmungsartige Schwäche auf, indem alle Funktionen herabgesetzt sind, auch die Hautausschläge und die Exkretionen (z.B. die Menarche).

Man findet ferner Chorea minor und Tics sowie eine Überempfindlichkeit gegen Geräusche, so dass die Patienten das Sprechen oder sogar das Rascheln von Papier nicht ertragen können. Die schwächlichen Kinder sind häufig geistig unterentwickelt, besonders wenn Masern oder Scharlach retoxisch behandelt wurden. Sie neigen zu Krämpfen. Auch die Ausscheidungsfunktionen können darniederliegen mit Erschwerung des Urinierens und der Darmentleerung.

Dabei bestehen Fernsymptome von Seiten des Nervensystems mit Taubheit der Fußsohlen und schneidenden Schmerzen in der Ferse oder auch dolchartige, stechende Schmerzen wie bei Tabes dorsalis. Diese Zustände können zu völliger Lähmung und Paralyse oder halbseitigen Paresen übergehen mit Zucken, Zittern und Schwäche. Häufig finden sich Folgen von Schreck und von erotischen Ausschweifungen sowie von retoxischen Imprägnierungen, woraus ein allgemeiner Marasmus resultiert.

Besserung wird während des Essens erzielt, während der Menstruation und durch wieder in Gang kommende oder vermehrte Ausscheidungen, während Verschlimmerungen nach dem Mittagessen und nach Weingenuss charakteristisch sind. Ein besonders hervorstechendes Symptom ist eine große Unruhe in den Beinen, welche unaufhörlich bewegt werden müssen. Überhaupt sind für Zincum Zuckungen charakteristisch, ähnlich wie für Agaricus (Tics).

Dabei sind auch Magen-Darm-Störungen mit bitterem und süßlichem Geschmack und Speichelfluss vorhanden sowie Ekel und Widerwillen gegen Zucker (umgekehrt Argentum nitricum). Obstipation ist vorherrschend, obwohl auch vorübergehend Durchfälle auftreten können. Die Stühle sind dick und knollig und gehen schwer ab, wobei es eventuell zu Blutungen aus Hämorrhoiden kommt.

Die allgemeine Empfindlichkeit gegen Berührung zeigt sich auch an den Genitalien, ähnlich wie bei Platina. Die Menstruation ist stark und klumpig. Bei Einsetzen der Menstruation verschwinden sonstige Beschwerden infolge der dadurch bedingten Giftentlastung.

Auch Migräne kann vorhanden sein, verbunden mit Sehstörungen, Gesichtsblässe und Erbrechen, ebenso werden Hornhautgeschwüre mit pannusartigen Wucherungen über der Hornhaut günstig durch Zincum beeinflusst. Die Haut selbst zeigt bläschenförmige Eruptionen, auch Herpes zoster sowie Neigung zu Erfrieren.

Nash führt außer dem krampfhaften Zucken und Rucken verschiedener Muskeln als wichtiges Leitsymptom auch ein allgemeines Zittern an und hält besonders die Unverträglichkeit von Wein für eine wichtige Indikation für die Anwendung des Zinks.

Ähnlichkeiten mit der Indikation von Cobaltum hat Zincum betreffs der übersteigerten Libido und der Schwäche, besonders wenn Rückenschmerzen während des Sitzens schlimmer sind, die ebenfalls durch Pulsatilla gebessert werden können, wenn sie in Verbindung mit Regelstörungen auftreten und sonst durch Ammonium muriaticum günstig beeinflusst werden.

Wenn die Hauptsymptome von Zincum zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes wesentliche Arzneimittelbild:

  • Nervenaffektionen mit Schwäche und Erschöpfung, Schwindel und Benommenheit.
  • Hartnäckiger Hinterkopfschmerz, Stirnkopfschmerz und Druck auf die Nasenwurzel.
  • Große Unruhe in den Beinen, die immer hin und her bewegt werden müssen.
  • Zittern vor Schwäche und Zuckungen. Tic convulsiv. Chorea minor. Rückenschmerzen, besonders beim Sitzen.
  • Unterdrückte Hautausschläge und Erytheme (Masern, Scharlach, zu wenig entwickelte Impfpusteln bei Pockenimpfung). Zincum bringt in regressiver Vikariation die Ausschläge wieder heraus.
  • Hochgradige Überempfindlichkeit gegen Geräusche.
  • Benommenheit, Schwindel und Zittrigkeit. Aufschrecken aus dem Schlaf. Migräne mit Gesichtsverdunkelung. Lachkrämpfe.
  • Verschlimmerung durch Genuss von Wein und nach Schreck.
  • Periphere Neuralgien. Empfindlichkeit gegen Berührung (weibliche Genitalien). Dysmenorrhö, besser bei einsetzender Blutung. Ovariitis links.
  • Ulcera der Kornea. Pannusbildung.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Zincum metallicum die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Krämpfe und Nervenschmerzen. Erkrankungen der Wirbelsäule, des Gehirns und des Rückenmarks. Erschöpfungs- und Verstimmungszustände. Schlafstörungen.