Artemisia abrotanum

Synonym: Abrotanum

Deutsche Stoffbezeichnung: Eberraute

Verwendet werden die frischen, jungen Triebe und Blätter der in Südeuropa und Kleinasien einheimischen, in Deutschland kultivierten Stammpflanze: Artemisia abrotanum L./Compositae.

Die aus der Eberraute oder Hofraute, Eberreis, auch Stabwurz bezeichneten Pflanze Artemisia abrotanum L. hergestellte Tinktur enthält ätherisches Öl, Bitterstoffe und Abrotanin.

Abrotanum wirkt auf die vegetative Sphäre, besonders auf das Entoderm, wenn Abmagerung trotz guten Appetites, besonders bei Kindern, vorliegt, wobei die Abmagerung von unten nach oben, an den Beinen zuerst erfolgt. Auch finden sich Wachstumsstörungen mit Schwäche der Muskeln und Gelenke, altes Aussehen und eventuell Hämorrhoiden mit Blutabgang beim Stuhl.

Typisch ist eine Vikariation zwischen rheumatischen Schmerzen und Durchfällen. Bei Hemmung des Durchfalls treten wieder Rheumaschmerzen auf. Auch finden sich Gichtknoten an Händen und Füßen sowie Schmerzen und Schwäche im Nacken und Rücken, zum Beispiel bei der Scheuermann-Krankheit. Auch bei tuberkulöser Peritonitis, exsudativer Pleuritis und sonstigen exsudativen Prozessen kann Abrotanum hilfreich sein, unter anderem auch nach Brustoperationen wegen Hydrothorax oder Empyem, wenn Beschwerden zurückbleiben. Hydrozele bei Knaben soll eine Indikation sein.

Charakteristisch ist das faltige, trockene und blasse Gesicht mit blauen Ringen um trübe blickende Augen (Boericke), die „Halonierung“ der Augen, welche sich nach retoxischer Behandlung von akuten Erkrankungen wie Grippe usw. findet. Auch fettige Gesichtshaut mit Komedonen und eventuell Angiomen im Gesicht kann beeinflusst werden. Bei Knaben findet sich auch oft Nasenbluten.

Magenschmerzen sind in der Nacht schlimmer mit der Empfindung, als ob der Magen in Wasser schwimmt. Durchfall wechselt mit Verstopfung ab, eventuell mit unverdauten Stühlen. Auch findet sich Erbrechen mit großen Mengen übelriechender Flüssigkeit und Auftreibung des Bauches.

Atembeschwerden und quälender, trockener Husten mit einem Gefühl wie roh sowie mit Empfindlichkeit gegen kalte Luft, die ein raues Gefühl in den Atmungswegen verursacht und Schmerzen in den Rippen nach Pleuritis sind charakteristisch.

Der Patient ist so schwach, dass er kaum den Kopf hochhalten kann. Abrotanum eignet sich allgemein bei Marasmus und bei retoxischen Phasen nach Unterdrückung von Krankheitserscheinungen, bei Gicht und Rheumatismus, exsudativer Pleuritis, Osteochondrose und Abmagerung, besonders wenn die aktuellen Erscheinungen abgeklungen sind (nach Bryonia, Acidum benzoicum und Aconitum).

Wenn die Symptome zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes charakteristische Arzneimittelbild:

  • Abmagerung von unten nach oben fortschreitend. Marasmus trotz guten Appetites. Halonierung der Augen. Retoxische Phasen allgemein.
  • Magenschmerzen. Heißhunger nachts. Unverdaute Stühle. Durchfall mit Verstopfung wechselnd.
  • Pleuritis sicca aut exsudativa. Skrofulose. Mesenterialdrüsen-Tuberkulose, Hilus-drüsen-Tuberkulose. Quälender nächtlicher Husten. Durch kalte Luft raues Gefühl in den Atemwegen.
  • Polyarthritis rheumatica. Osteochondrose. Gichtknoten an Händen und Füßen. Vikariation zwischen Rheumatismus und Diarrhö.
  • Haut fettig, eventuell purpurfarben (nach unterdrückten Hautausschlägen), juckende Frostbeulen. Komedonen.
  • Hydrozele der Knaben.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Artemisia abrotanum die folgenden Hauptindikationen für Abrotanum im Bundesanzeiger veröffentlicht: Abmagerung und Entwicklungsstörungen bei Kindern sowie durch chronische Entzündungen. Hauterkrankungen. Rheumatismus. Gicht.