Cimicifuga racemosa

Deutsche Stoffbezeichnung: Wanzenkraut

Verwendet wird der frische Wurzelstock mit den anhängenden Wurzeln der ziemlich häufig an Hecken und in lichten Hainen in den östlichen Staaten von Nordamerika und Kanada wachsenden Stammpflanze: Cimicifuga racemosa [L.] Nutt./Ranunculaceae.

Die homöopathischen Indikationen für Cimicifuga betreffen hauptsächlich nervöse Leiden, wobei neuralgische Schmerzen und ein veränderter Gemütszustand mit starkem Stimmungswechsel und Launen das Bild beherrschen. Offensichtlich spielt bei vielen Cimicifuga-Symptomen die Wirbelsäule als Ausgangspunkt der Beschwerden eine erhebliche Rolle. Im Arzneimittelbild finden sich blitzartig schießende Schmerzen, Neuralgien, heftige Schmerzen im Kopf, die nach außen drücken, als ob die Schädeldecke abheben wollte, welche auch in die Augen strahlen, eventuell bis in den Nasenflügel herein. Die Schmerzen können auch im Hinterkopf lokalisiert sein und den Nacken herunterschießen oder über den Augen als Supraorbitalneuralgie besonders links lokalisiert sein. Ebenso finden sich Neuralgien, die scheinbar reflektorisch vom Uterus ausgehen, ferner Pleuraschmerzen sowie Nerven- und Muskelschmerzen bei Influenza, Ischiasschmerzen, Herzstiche, Schweregefühl im linken Arm, so dass man an Angina pectoris denken könnte, ebenso das Gefühl, als ob von hinten unten ein Keil in den Kopf eingetrieben würde mit rasenden Hinterkopfschmerzen und Migräne, speziell auf der linken Seite. Augenschmerzen treten speziell beim Drehen auf. Auch finden sich Empfindlichkeit der Wirbelsäule, speziell im Halsteil gegen Druck, ferner Steifigkeit und Schmerzen entlang der gesamten Wirbelsäule mit Schwäche und Zerschlagenheitsgefühl im Kreuz, wobei die Rückenlage unmöglich ist.

In der Uterusgegend äußern sich die Cimicifuga-Symptome als schmerzhafte Kontraktionen und Krampfwehen sowie Abortus imminens. Dabei schießen die Schmerzen quer herüber von Hüfte zu Hüfte. Häufig findet sich auch chronischer Fluor und das Gefühl des Herabdrängens im Uterus (wie Sepia und Lilium tigrinum). Die Ovarien weisen besonders linksseitig, ähnlich wie Lachesis, neuralgische Schmerzen auf. Ferner kann Amenorrhö bestehen, wobei die Beschwerden bei Eintritt und nach Ablauf der Menstruation gebessert werden. Das Vorhandensein von endokriner Adipositas oder auch endokriner Magersucht lässt die Störungen in der Hypophyse vermuten, woraus man schließen könnte, dass Cimicifuga speziell auf die Hypophyse wirkt. Die Muskelschmerzen von Cimicifuga sind charakteristisch, da sie speziell in den Muskelbäuchen auftreten.

Typisch für Cimicifuga sind auch gewisse hysteriforme Zeichen, die sich speziell am weiblichen Organismus äußern. Zuckungen, Krämpfe, Konvulsionen, Neuralgien sowie Geistes- und Gemütssymptome in großer Vielseitigkeit tragen einen neurotischen Charakter. Es kann Zittern mit nervösem Frost ohne Kälte bestehen, wobei Verzagtheit und unaufhörlicher Redefluss hervorstechend ist mit häufigem Springen des Themas. Die Patientinnen sind bekümmert und verwirrt, seufzen viel (ähnlich bei Ignatia) oder weisen eine tiefe Depression mit Schlaflosigkeit auf, so dass die Patientinnen fürchten, sie würden geisteskrank werden (ähnlich Calcium carbonicum). Psychische Erscheinungen können auch als Chorea minor, Delirium tremens, Melancholie und als Puerperalpsychose auftreten. Auch Otosklerose und Ohrensausen sollen auf Tiefpotenzen von Cimicifuga gelegentlich ansprechen.

Kälte und Nässe verschlimmern alle Beschwerden, ebenso findet sich eine Verschlimmerung vor und während der Periode.

Es ergeben sich, zusammengefasst, folgende Hauptsymptome von Cimicifuga:

  • Neuralgische Schmerzen, vornehmlich von der Wirbelsäule ausgehend, blitzartig, schießend.
  • Supraorbitalneuralgie links. Zervikalmigräne mit Schmerzen, die nach außen drücken, als ob die Schädeldecke abheben wollte, eventuell bis in die Nasenflügel hereinstrahlend.
  • Pleuraschmerzen, Nerven- und Muskelschmerzen bei Grippe.
  • Uterusschmerzen, Krampfwehen von Hüfte zu Hüfte herüberschießend, Herabdrängen im Uterus.
  • Ovarialneuralgie links.
  • Amenorrhö, Menorrhagie und Dysmenorrhö.
  • Besserung der Beschwerden beim Eintritt und nach Ablauf der Menstruation.
  • Muskelschmerzen in den Muskelbäuchen.
  • Allgemeine nervös-neurotische Stimmungslage mit Zuckungen, Krämpfen, Konvulsionen, Geistes- und Gemütssymptomen von großer Vielseitigkeit.
  • Verzagtheit und unaufhörlicher Redefluss. Seufzen. Puerperalpsychose.
  • Verschlimmerung aller Beschwerden durch Kälte und Nässe, vor und während der Periode.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Cimicifuga racemosa die folgenden Hauptindikationen für Cimicifuga im Bundesanzeiger veröffentlicht: Rheumatischer und wirbelsäulenbedingter Muskelschmerz. Krampfschmerz des Herzens, des Magen-Darm-Kanals, der Gallenblase und im Bereich der weiblichen Geschlechtsorgane. Regel-, Schwangerschafts- und Wechseljahrbeschwerden. Nervöse Erregungs- und depressive Verstimmungszustände.