Kreosotum

Deutsche Stoffbezeichnung: Buchenholzteer-Kreosot

Verwendet wird das durch Destillation aus Buchenholzteer gewonnene Gemisch aus Guajacol, Kreosol und Kresolen.

Früher wurde Kreosot in der Allopathie als Antituberkulosum, Antiseptikum und Styptikum verwendet, insbesondere bei Phthisis und Dyspepsie. In der Zahnheilkunde diente Kreosot als Zusatz zur Arsenikpaste zur Devitalisierung der Zahnpulpa.

Kreosot ist ein Karzinogen und hat ähnliche Wirkungen wie reines Phenol (Acidum carbolicum). Es wirkt auf die Haut ätzend und erzeugt auf der Mundschleimhaut sowie auf der Zunge weiße Flecken, daraufhin tiefere Zerstörung der Gewebe. In Anbetracht der hochtoxischen und karzinogenen Eigenschaften sind im Umkehreffekt bedeutende Heilwirkungen zu erwarten.

Charakteristisch sind ätzende, übelriechende und brennende Absonderungen sowie Blutungen und Geschwüre, wobei eine rasche Zersetzung von Flüssigkeiten und Sekreten erfolgt, auch Gewebsbrand. Weitere Indikationen sind postklimakterische Beschwerden, Schmerzen in gangränösen (stark kariösen) Zähnen und entzündliches Zahnfleisch. Stauffer hebt als Leitsymptome besonders auch ein Jucken und Brennen der Teile hervor, sowie passive und reichliche Blutungen und Erbrechen von unverdauten und sauren Speisen, 3 bis 4 Stunden nach dem Essen.

Es besteht Neigung zu Hautausschlägen an den Streckseiten und Verschlimmerung in der Ruhe und durch Kälte. Die Stimmung ist verzweifelt, niedergeschlagen mit Sehnsucht nach dem Tode. Häufig besteht Marasmus, besonders bei Kindern mit Durchfällen, Erbrechen und Harndrang, krankes Aussehen, Abmagerung des Gesichtes mit gelblicher Hautfarbe, Neigung zu Geschwürsbildungen mit übelriechenden Sekreten. Typisch ist das starke Bluten kleiner Wunden, wobei Blutungen aus allen Organen erfolgen können, häufig starker Foetor ex ore.

Auch Neuralgien, besonders des Ischias finden sich, vornehmlich wenn Diabetes oder Albuminurie vorliegen. Von kariösen Zähnen können Trigeminusneuralgien ausgehen. Auch die Augenlider sind entzündet mit Konjunktivitis und heftiger Rötung und Schwellung. Pustulöse Ekzeme mit Schorfen an den Streckseiten, eventuell auch Chalazion und Hordeolum, brennende, juckende und nässende Ekzeme der Ohren, eventuell auch chronische Otitis media und Ohrgeräusche können vorhanden sein.

Durch das ganze Arzneimittelbild von Kreosotum zieht sich ein Befallensein der verschiedensten Schleimhäute, wobei profuse und abstoßende Absonderungen mit Geschwürsbildungen und stark herabgesetzter Lebenskraft typisch sind, besonders auch bei den weiblichen Geschlechtsorganen, wo sich modrig riechender, scharfer, ätzender und die Wäsche gelb färbender Ausfluss findet. Das Jucken und Brennen der Vulva wird durch Kratzen nicht gelindert, sondern lässt Entzündungen folgen, wobei eine heftige Neigung zu Blutungen besteht, auch bei Wochenfluss. Nash weist auf heftiges Brennen im Becken hin, wie von glühenden Kohlen, mit Abgang von Klumpen modrig riechenden Blutes, zum Beispiel bei Puerperalsepsis.

Die Menses sind zu früh und zu lang sowie dunkel und (besonders im Klimakterium) von foetidem Geruch, intermittierend, eventuell post menstruationem mit Jucken und Brennen verbunden, wobei Kratzen nicht lindert. Typisch ist das Symptom von Blutungen post coitum, was häufig auf Ulzerationen und Karzinome der Portio und des Uterus hinweist.

Auch Tumoren der Mamma können sich finden, die blaurot und schorfig sind.

Bei Hyperemesis gravidarum kann Kreosot eventuell nützlich sein wie allgemein bei unstillbarem Erbrechen, besonders wenn dabei Durchfälle mit aashaft riechenden Stühlen vorhanden sind. Dieses findet sich häufig bei zahnenden Kindern, wobei das Zahnfleisch schmerzhaft, geschwollen, dunkelrot und blau ist und die Zähne vielfach zerstört werden, sobald sie bei Kindern durchgebrochen sind.

Nash weist auf die zuverlässigen Harnsymptome von Kreosotum hin:

  • Reichlicher, blasser Harn.
  • Plötzlicher, heftiger Harndrang (Petroselinum).
  • Das Kind nässt das Bett während des ersten Schlafes, der sehr tief ist, so dass es kaum munter wird (Sepia).
  • Kann nur im Liegen harnen (Zincum metallicum nur, wenn es zurückgebeugt sitzt).

Nash sieht als wichtigste Symptome: Schlechte Zähne und krankes Zahnfleisch; unangenehm riechende, scharfe Ausflüsse; große Schwächung und Neigung zu Blutungen.

Abgerundet wird das Bild von Kreosot noch durch chronische Nasenaffektionen mit scharfen Sekreten, Geschwüren und Nasenbluten sowie verschleppte Katarrhe der Lungen, auch Tuberkulose mit Kachexie, Schwäche, ferner Bronchiektasien und Lungengangrän, durch chronische Magen-Darmaffektionen, eventuell mit Bluterbrechen und Meteorismus, wobei sich auch Entzündungen um den After mit brennenden Schmerzen finden sowie stark blutende Hämorrhoiden mit innerlichem Brennen und Jucken.

Boericke erwähnte als Ergänzungsmittel bei bösartigen Krankheiten Arsenicum album, Phosphorus und Sulfur, während Carbo vegetabilis und Carbo animalis unverträglich mit Kreosot sein sollen, zumindest in gleicher Verdünnungsstufe.

Wenn die Symptome von Kreosotum zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes typische Arzneimittelbild:

  • Schleimhautaffektionen verschiedenster Art mit übelriechenden, scharfen, ätzenden und die Wäsche gelb färbenden Absonderungen (Fluor albus, Konjunktivitis). Chronische Bronchitis. Lungentuberkulose, Bronchiektasen. Brennschmerzen im Kehlkopf mit Krampfhusten. Chronische Gastritis mit Magenblutungen. Erbrechen brauner Massen. Cholera infantum.
  • Schwammiges Zahnfleisch und kariöse Zähne, davon ausgehende Neuralgien. Brennende Zahnschmerzen bei tiefer Karies mit schwarzfleckigen Zähnen und unangenehm riechenden Absonderungen.
  • Pruritus und Ekzem an den Streckseiten mit heftigem Brennschmerz und kleinen Pusteln, die Krusten bilden; Nässen, mit dauerndem Zwang zum Kratzen und nächtlicher Verschlimmerung in der Bettwärme.
  • Hyperemesis gravidarum und Puerperal-Fieber mit übelriechenden, schwarzen Lochien und zurückgebliebenen Plazentaresten.
  • Diabetes mellitus (und evtl. Albuminurie) mit plötzlichem heftigem Harndrang, Enuresis nocturna (im ersten Schlaf), übelriechender Urin. Prostatahypertrophie.
  • Neigung zu Blutungen und allgemein an Haut und Schleimhäuten. Blutiger Ausfluss und Blutungen post coitum. Carcinoma uteri.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Kresosotum die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Entzündungen der Haut, der Schleimhäute, der Atemwege, des Magen-Darm-Traktes, der Harn- und Geschlechtsorgane. Blutungsneigung. Verhaltensstörungen bei Kindern. Altersbedingte Erkrankungen.