Podophyllum peltatum

Deutsche Stoffbezeichnung: Maiapfel

Verwendet wird der frische, nach völliger Reife der Früchte gesammelte Wurzelstock mit den dranhängenden Wurzeln, der in feuchten Wäldern des östlichen Nordamerika wachsenden Stammpflanze: Podophyllum peltatum L./Berberidaceae.

Die Amerikanische Podophyllwurzel, auch Fußblattwurzel genannt, enthält ein Harz, das als Laxans Verwendung findet. In der Homöopathie ist es angezeigt hauptsächlich bei Durchfällen der Kinder sowie bei Kongestivzuständen im Abdomen und im Kopfe sowie bei Leberleiden. Podophyllum hat in den letzten Jahren besonders auch dadurch Bedeutung gewonnen, dass sich die scheinbar auf Leberleiden beruhenden Durchfälle in vielen Fällen als pankreasbedingt herausgestellt haben. Podophyllum kann daher in den verschiedensten Potenzen zur Behandlung von Pankreasleiden herangezogen werden und hat in den letzten Jahren auch eine besondere Bedeutung durch eine gewisse Wirksamkeit bei Krebserkrankungen gezeigt, speziell bei der nach Bestrahlung auftretenden Kolitis.

Die als „vegetabilisches Quecksilber“ bezeichnete Podophyllum hat unter anderem auch eine Wirkungsrichtung auf Leber, Duodenum und Mastdarm, was sich besonders in überreichen, schmerzlosen und spritzenden Frühdurchfällen zeigt, die aus dem Bett treiben (ähnlich Sulfur). Während die Verschlimmerung nach Essen, bei heißem Wetter, bei der Zahnung (Säuglingsdurchfälle) sowie morgens beobachtet wird, ist demgegenüber eine Besserung abends festzustellen.

Außer der Wirksamkeit bei chronischen Durchfällen sind besonders tiefe Potenzen bei chronischer Stuhlverstopfung (im Sinne einer Gegentaktwirkung) indiziert, besonders wenn Kopfschmerzen und Meteorismus vorhanden sind. Dabei ist der Stuhl trocken, schwer zu entleeren und geht eventuell mit krampfhaften Leibschmerzen und Mastdarmvorfall einher. Auch Ikterus kann vorliegen mit Reizbarkeit und galligem Temperament.

Außer charakteristischen Gallenbeschwerden mit Auftreibung und Stauungen im Pfortaderkreislauf mit Verlangen, die Lebergegend zu reiben, sind, wie erwähnt, besonders auch Bauchspeicheldrüsenerkrankungen typisch für Podophyllum, obwohl diese meistens nur schwierig zu diagnostizieren sind und meist auch kombiniert mit Leber-Gallenerkrankungen einhergehen. Dabei können auch Hämorrhoiden (besonders in der Schwangerschaft) sowie auch Vorfall der Gebärmutter mit Herabdrängen in den Därmen vorliegen.

Charakteristisch ist auch ein Ziehen und Reißen im rechten Eierstock, was den rechten Oberschenkel entlang bis zum Knie ausstrahlt.

Die für Podophyllum charakteristischen Affektionen können vom Mund (Zahnfäule) bis zum Anus den gesamten Magen-Darm-Kanal befallen, wobei stinkende Stühle typisch sind und das Gefühl der Schwäche im Leib, als wolle alles herausfallen, verbunden mit Rumpeln und Kollern im Dickdarm und größter Schwäche nach dem Durchfall.

Bei chronischen Diarrhöen ist außer an Mercurius sublimatus corrosivus besonders an Podophyllum zu denken, bei extremer Chronizität alter Leute auch an Acidum phosphoricum. Aber auch die Zahnungsdurchfälle mit grün-schleimigen Entleerungen, Krämpfen und Aufeinanderbeißen des Zahnfleisches, Aufschreien und Wimmern im Schlaf sind eine Indikation für Podophyllum.

Die Zunge ist meist schlaff, weißgelb, mit Zahneindrücken (ähnlich wie Mercurius).

Auch Nierenschmerz mit Harndrang und Anurie kann vorliegen sowie Pyelitis mit Nierengries und Enuresis.

Typisch für Podophyllum sind auch Herzklopfen und Stiche in der Herzgegend mit dem Gefühl, als steige das Herz zum Halse hinauf (ähnlich wie Glonoinum). Dabei können Pulsationen der Schläfenarterien vorliegen und ein betäubender Kopfschmerz mit Schwindel.

Nash macht auf das Überreiche des Stuhls und das Stinken der Entleerungen aufmerksam als Hauptsymptome sowie auf die Verschlimmerung morgens, bei heißem Wetter und während der Zahnung.

Boericke charakterisiert die Symptome von Podophyllum peltatum vornehmlich als eine Gastroenteritis mit kolikartigem Schmerz und galligem Erbrechen, kopiöse, reichliche, schmerzlose Stühle mit gallertartigem Schleim, die gussartig sind und übel riechen. Besonders auch finden sich zahlreiche Schwangerschaftsbeschwerden im Arzneimittelbild von Podophyllum sowie die Erschlaffung des Bauches post partum.

Charakteristisch für Podophyllum soll auch ein Rollen des Kopfes von Seite zu Seite sein, verbunden mit Stühlen und Erbrechen bei halbgeschlossenen Augenlidern, wobei das Kind beim Schlaf auf dem Kopf schwitzt.

Podophyllum ist ein Mittel mit nicht zu großem Heilumfang, hat aber große Bedeutung bei Magen-Darm- und Galleerkrankungen sowie insbesondere bei Affektionen des Pankreas und bei Krebs.

Da das Pankreas eine bisher noch nicht geklärte, aber sehr wahrscheinliche Rolle bei der Genese von Neoplasien spielt, ergeben sich hier Beziehungen von Podophyllum zur Krebstherapie, die in Homöopathischen Antihomotoxika genutzt werden. Dieses kann zum Beispiel darin seinen Ausdruck finden, dass die nach Uterusexstirpation (wegen Carcinoma portionis) fortgefallene germinodermale Exkretionsphase der Menstruation nun nach eventuell erfolgter Röntgen-Bestrahlung (dadurch bedingter Locus minoris resistentiae der unteren Darmabschnitte) vikariierend sich eine Kolitis mit Tendenz zur Ausscheidung blutiger, schleimiger, unter Umständen membranöser Massen ausprägt. Ein solcher Zustand erfordert dann Podophyllum oder ein Podophyllum-enthaltendes Kombinationspräparat.

Wenn die Hauptsymptome von Podophyllum zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes typische Arzneimittelbild:

  • Dyspepsie. Zahnungsbeschwerden, Zungenbrennen, Gastritis mit saurem Aufstoßen, Übelkeit und Erbrechen oder leeres Würgen. Meteorismus, Kollern mit wandernden Blähungen.
  • Leber-Gallebeteiligung. Muss Lebergegend reiben.
  • Akute und chronische Pankreatitis mit reichlichen, übelriechenden und spritzenden Durchfällen, besonders morgens aus dem Bett treibend.
  • Verstopfung wechselnd mit Durchfall. Äußere und innere Hämorrhoiden. Rektum-Prolaps vor dem oder bei dem Stuhl.
  • Schmerzen im rechten Ovar und Uterus mit Abstrahlen in den rechten Oberschenkel. Uterusprolaps post partum, besonders nach Anstrengungen. Eventuell Kopfschmerz, Nierenaffektionen, Herzklopfen.
  • Verschlimmerung frühmorgens, bei heißem Wetter und beim Zahnen.
  • Antineoplastischer Umkehreffekt bei Krebs und Colitis mucosa et ulcerosa.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Podophyllum peltatum die folgenden Hauptindikationen für Podophyllum im Bundesanzeiger veröffentlicht: Störungen des Leber-Galle-Systems. Nach Gallenblasenoperation. Brechdurchfall. Mastdarmvorfall. Gebärmuttersenkung. Zahnungsbeschwerden.