Acidum arsenicosum

Synonym: Arsenicum album

Deutsche Stoffbezeichnung: Weißes Arsenik

Verwendet wird Arsen(III)-oxid, As2O3, MG 197,8. Der Gehalt entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Arsen ist eines der bekanntesten und schwersten Gifte, in Umkehrwirkung damit auch ein häufig benötigtes homöopathisches Polychrest, das speziell dann indiziert ist, wenn eine humorale Phase aufgrund retoxischer Imprägnierungen nicht zur regressiven Vikariation kommt beziehungsweise eine Tendenz zur progressiven Vikariation zeigt.

Ein symptomatisch typischer Hinweis auf Arsenicum album ist die psychische Verfassung des Patienten, einerlei um welche Phase es sich handelt. Der Arsenpatient gibt durch Worte und Gebärden eine gewisse Hoffnungslosigkeit kund, er könne nicht mehr gesund werden. Auch eine gewisse Ängstlichkeit, die ärztlichen Bemühungen seien vergebens, sind ein Hinweis auf Arsenicum album.

Dieser Zustand kann sich zum Beispiel auch bei einem Herzpatienten finden, der mit Ödem und schwerer Dyspnoe sich kaum die Treppe heraufschleppen konnte und in das Sprechzimmer tritt. Wenn er nun noch die Äußerung tut, bei seinem Leiden komme alle Hilfe zu spät, dann muss der intravenösen Injektion einer Digitalisaufschließung oder einer ähnlich wirksamen Droge unbedingt auch Arsenicum album beigefügt werden. An solchen Fällen lässt sich die Wirkung indizierter Homöopathika besonders eindrucksvoll beobachten, denn nach der Injektion von Arsenicum pflegt in solchen Fällen eine fast augenblickliche Wirkung einzutreten, die nach Digitalis allein bei Vergleichsinjektionen nicht erkennbar wird. Ein digitalisrefraktäres Herz kann in solchen Fällen durch Arsenicum album wieder ansprechbar gemacht werden.

Eine ähnliche Hoffnungslosigkeit findet sich auch bei Vergiftungen durch andere Stoffe, die dem Arsen ähnliche Erscheinungen machen. So kann zum Beispiel eine Vergiftung mit weinsteinsaurem Aluminium eine der Arsengiftwirkung ähnliche Gastoenteritis erzeugen, die durch unstillbares Erbrechen und erschöpfende Diarrhöen gekennzeichnet ist. Dann kann Arsenicum album den Patienten eventuell rasch aus seiner Lethargie und offenbar hoffnungslosen Lage wieder herauslösen. Das Similia similibus-Prinzip Hahnemanns tritt in solchen Fällen klassisch in Erscheinung, im Gegensatz zu der Isotherapie. Denn die Arsenvergiftung spricht rascher an auf einen Wirkstoff, der ähnliche Erscheinungen wie Arsen macht, zum Beispiel auf Aluminiumtartrat oder Tartarus stibiatus und umgekehrt.

Als ein weiteres Symptom von Arsen ist die Unruhe herauszustellen, die oft mit der hoffnungslosen Ängstlichkeit gekoppelt ist. Solche Unruhe findet man zum Beispiel auch bei Nierenkolik, speziell wenn sie rechts lokalisiert ist. Arsen muss bei rechtsseitiger Nierenkolik allerdings in höheren Potenzen verabfolgt werden, zum Beispiel in dreißigster oder zweihundertster Dezimal-Potenz. Auch kann man in diesen Fällen Arsenicum album sowohl i.v. als auch i.c. (Nierenlager) als auch oral verabreichen.

Ein weiteres wichtiges Symptom von Arsenicum sind brennende Sensationen, wie sie oft im Verlauf von Katarrhen, zum Beispiel bei Rachenkatarrhen auftreten, wenn Brennen im Halse oder in der Nase besteht oder bei Ekzemen Brennen der Haut und Juckreiz mit Brennen, das nach dem Kratzen auftritt oder wenn die Sekrete bei Fließschnupfen brennend sind, auch wenn Beschwerden im Magen brennenden Charakter haben oder Ausflüsse jeder Art Brennen verursachen. Wenn Arsenicum angezeigt ist, haben die Hauteruptionen und sonstigen Krankheitserscheinungen meist hartnäckigen Charakter oder stehen sogar an der Grenze der Degenerationsphase beziehungsweise zeigen eine bösartige Entwicklung.

Arsen ist auch dann indiziert, wenn körperliche Schwäche, Erschöpfung oder starker Kräftezerfall vorliegen, auch im Ablauf einer akuten Gastroenteritis oder nach Säfteverlusten beziehungsweise bei ungenügender Ernährung oder wenn Patienten durch Überarbeit oder Hunger heruntergekommen sind und das Bedürfnis zum Liegen haben. Richtig ist es in solchen Fällen, nicht zu lange mit dem Einsatz von Arsenicum zu warten, sondern es sobald wie möglich, das heißt bereits bei beginnenden Symptomen anzuwenden.

Bei fieberhaften und sonstigen Attacken ist Arsen immer dann wirksam, wenn ein Bedürfnis nach Wärme vorliegt oder wenn Schmerzen durch Wärme verbessert werden und dabei meist starker Durst vorhanden ist. Der Patient verlangt häufig zu trinken, trinkt meist aber nur kleine Schlucke, am liebsten angewärmte Getränke. Vielfach erfolgt bald nach dem Trinken Erbrechen.

Die Lippen des Arsenicum-Patienten sind meist trocken, eventuell ausgedörrt und aufgesprungen, so dass der Patient die Tendenz hat, die Lippen mit der Zunge zu befeuchten.

Die Zunge des Arsen-Patienten ist meist trocken und rot, wobei die Papillen erhaben hervortreten, eventuell mit roten Zahneindrücken an den Rändern. Sie kann aber auch kreideweiß sein, ähnlich wie die Zunge von Antimonium crudum oder sie kann in schweren Fällen von Typhus und Sepsis trocken, braun und schwarz sein, wie man sie auch bei Phosphor- und Sulfur-Patienten findet. Stomatitis ulcerosa aut aphthosa mit brandigem Zerfall spricht eventuell auch auf Arsen an und nicht nur auf Mercurius solubilis beziehungsweise Mercurius sublimatus corrosivus. Die vier Mittel: Phosphorus, Mercurius, Sulfur und Arsenicum ähneln sich in mancher Beziehung.

Typisch für Arsen sind Magenschmerzen, die durch die geringste Nahrungsaufnahme verschlimmert werden und den Patienten zu größter Unruhe und zum Sichumherwerfen zwingen. Sie können eine Folge von kalten Getränken und Eisessen sein. Stinkende Stühle, wie sie bei Typhus und septischen Affektionen gefunden werden, können ebenfalls auf Arsen hinweisen.

Auch bei Asthma ist Arsenicum gegebenenfalls ausgezeichnet wirksam. Ein besonderes Charakteristikum von Arsenicum ist das nächtliche Auftreten der Beschwerden beziehungsweise die Verschlimmerung der selbigen um Mitternacht oder gegen 1 Uhr.

Auch Furunkel und Karbunkel sind Indikationen für Arsenicum, wenn sie wie Feuer brennen. Die Haut kann beim Arsen-Patienten andernteils kalt und blau sein oder trocken wie Pergament, das sich in großen Schuppen abschält, wie man es bei Psoriasis und ähnlichen Erkrankungen sieht. Arsen passt bei Gangrän, wenn schwarze Mumifikation eintritt, die wie Feuer brennt. Allgemein gesehen muss an Arsen ähnlich wie an Sulfur bei allen retoxischen Imprägnationen gedacht werden, speziell auch nach unterdrückten Ekzemen und Exanthemen, zum Beispiel bei Asthma, das mit Hauterkrankungen vikariiert, oder bei Nierenkoliken, die nach unterdrücktem Fußschweiß auftreten. Arsenicum ist dabei an allen Geweben und Organen wirksam.

Arsen ist, ähnlich wie Sulfur, nach retoxischen Imprägnierungen indiziert, eventuell im Wechsel mit Mercurius, Hepar sulfuris und Phosphorus sowie mit sonstigen pflanzlichen, mineralischen und tierischen Polychresten (Lachesis, Baptisia, Arnica, Belladonna, Apis und anderen).

Arsenicum album wird als eines der bedeutendsten Arzneimittel der Homöopathie in den verschiedensten Zusammenstellungen und Potenzen verwandt. Wenn die psychischen Symptome im Vordergrund stehen, zieht man höhere Potenzen vor, die auch stoßtherapeutisch unbedenklich in häufigen Gaben wiederholt werden können.

Die Ansicht, dass Hochpotenzen nur in seltenen Gaben verabfolgt werden dürfen, um wochenlang nachzuwirken, ist durch die Praxis widerlegt. Arsen soll man bei Asthma oder bei rechtsseitiger Nierenkolik, auch in Hochpotenzen in gehäuften Gaben verabfolgen (alle 5–10 Minuten bis zur Besserung).

Wenn Arsenicum album auch in verdünnter Form als Karzinogen von einigen Ärzten verdächtigt und daher abgelehnt wird, so kann dieser Anschauung insofern nicht beigepflichtet werden, als die in der Homöopathie üblichen Potenzen von D4 an aufwärts im Allgemeinen für karzinotoxische Wirkungen nicht mehr ausreichen, zumal wenn man als übliche Einzeldosis 3mal täglich nur einige Tropfen verabfolgen lässt. Die in der Antihomotoxischen Homöopathie üblichen Verdünnungen von D6/12/30/200/1000 wirken als hochverdünnte Antihomotoxica im Umkehreffekt ausgesprochen antikarzinogen. Man kann diese theoretisch voraus zu berechnende kräftige antihomotoxische Wirkung des Arsens bei richtiger Indikaktionsstellung immer wieder eklatant sich durchsetzen sehen.

Arsenicum album ist damit eines unserer wichtigsten Antihomotoxischen Pharmaka, das sich unbedenklich mit zahlreichen sonstigen Polychresten und anderen homöopathischen Zubereitungen, auch in der Mischspritze gut kombinieren lässt. Gut passt Arsenicum album zu Arnica, zum Beispiel nach Überanstrengungen, bei Sportlern usw.

Es ließe sich über Arsenicum album als eines der größten homöopathischen Polychreste noch eine Fülle von Krankengeschichten anführen, möge diese kurze Darstellung lediglich dazu anregen, dieses große Polychrest noch genauer zu studieren und bei geeigneten Fällen erfolgreich anzuwenden.

Die Hauptsymptome mögen noch einmal herausgestellt werden.

  • Psychische Symptome: Verzagtheit, Hoffnungslosigkeit. Der Patient glaubt, nicht wieder gesund werden zu können.
  • Große Unruhe und Drang sich zu bewegen.
  • Verschlimmerung in den ersten Stunden kurz nach Mitternacht beziehungsweise gegen 1 Uhr. Anfälle von Asthma, Herzattacken, Nierenschmerz, Juckreiz usw.
  • Verlangen nach Wärme und warmen Getränken.
  • Brennende Schmerzen, brennendes Jucken, Besserung durch Wärmeanwendungen.
  • Typhöse Fieber.
  • Großer unstillbarer Durst auf warme oder halbwarme Getränke. Trinkt immer nur kleine Schlucke und befeuchtet damit die Lippen und Mundhöhle.
  • Zunge ist trocken, rot mit erhabenen Papillen, eventuell auch weiß, braun oder schwarz belegt.
  • Gastroenteritis heftigster Art mit unstillbarem Erbrechen und Diarrhö.
  • Stomatitis aphthosa.
  • Brennende Magenschmerzen unerträglicher Art bei der geringsten Nahrungsaufnahme. Stinkende Entleerungen.
  • Asthma bronchiale, vikariierend mit Hauterkrankungen.
  • Ätzende Absonderungen, brennender Fließschnupfen, Konjunktivitis mit brennenden Sekreten, brennender Fluor albus.
  • Seröse Exsudate. Pleuritis, Pleuraexsudat. Allgemeine blasse Anschwellungen der Gelenke sowie entzündliche Anschwellungen mit brennenden und lanzinierenden Schmerzen, allgemeine Hautwassersucht (Anasarka). Wachs- und erdfarbene Haut oder pergamentartig abschilfernde Haut oder Schuppen bei Ekzemen und Psoriasis.
  • Brennende und zerfallende Ulzerationen mit blauem, schwarzem oder speckigem Untergrund, wie bei Ulcera cruris. Karbunkel und Furunkel brennend. Gangrän mit brennenden Schmerzen.
  • Periodische Wiederkehr der Erscheinungen.
  • Vikarationseffekte zwischen Asthma und Ekzem und anderen.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Acidum arsenicosum die folgenden Hauptindikationen für Arsenicum album im Bundesanzeiger veröffentlicht: Entzündungen aller Schweregrade in allen Geweben und Organen. Schwere Infektionen. Verschleißkrankheiten. Gutartige und bösartige Gewebewucherungen. Verstimmungszustände.