Acidum hydrofluorium

Synonym: Acidum fluoricum

Deutsche Stoffbezeichung: Flusssäure

Verwendet wird Flusssäure, HF, MG 20,0. Der Gehalt entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Der schweren zerstörenden Wirkung auf organische Gewebe entsprechend, ist die homöopathische Zubereitung von Acidum fluoricum bei zerstörenden Prozessen mit Wundliegen, Ulzerationen, varikösen Ulzera usw. indiziert, wobei besonders auch tieferliegende Gewebe betroffen sind. Dabei empfindet der Patient Besserung durch Bewegung (und Fahren in einem Wagen).

Eine Indikation von Flusssäure sind auch verschiedenste Altersbeschwerden, besonders bei vorzeitig gealterten Patienten mit schwachem Kreislauf, ferner Patienten mit Schrumpfleber (Alkoholiker). Auch kann Kropf eine Indikation für Flusssäure sein, ferner vorzeitiger Zahnverfall, Karies sowie Folgen von Quecksilberschäden und inveterierte Lues.

Ein typischer Hinweis auf Acidum fluoricum ist eine Verschwellung der Glabella, wobei die Nasenwurzel gebläht und verstrichen sein kann.

Durch das Mittel zieht ferner eine große Mattigkeit mit brennenden oder bohrenden Schmerzen, auch in den Knochen des Gesichtes, der Unterarme und Schenkel, wobei die Schmerzen kreuzweise auftreten können, zum Beispiel in der oberen Körperhälfte rechts und in der unteren links. Die Beschwerden verschlimmern sich im Sitzen, im Zimmer und durch geistige Anstrengung, sind besser beim Stehen und Gehen. Reizmittel (Kaffee, Alkohol) und Wärme verschlimmern ebenfalls.

Bei ungewöhnlich heiterer Gemütsstimmung können aber auch Reizzustände mit Diffamierungen gegen befreundete Personen und Indifferenz gegen die eigene Familie vorliegen.

Die eigentlichen Symptome, welche das Arzneimittelbild von Acidum fluoricum ausmachen, sind oft schwer zu eruieren, da sie auch bei anderen Mitteln gefunden werden. Zu denken an Acidum fluoricum ist in erster Linie bei der Gedunsenheit der Glabella sowie bei entzündlichen Affektionen mit Bläschenbildung und Erweiterung der Kapillaren der Haut, auch wenn Haarausfall vorliegt und eine Sprödigkeit der Nägel und Hitze und Schweiß in den Handflächen besteht.

Auch Erkrankungen der Knochen, speziell Karies der langen Knochen und nächtliche Schmerzen in den Knochen, auch wie sie bei Osteoporose gefunden werden, sind eine Indikation für Acidum fluoricum, ebenso wie nervöse Störungen mit Blutwallungen, Heißhunger, abnormer sexueller Erregung. Auch bei scharfen Ausflüssen (Fluor albus) und bei chronischem Rheumatismus sowie bei Ulzera der Zunge auf luetischer Basis ist Flusssäure indiziert.

Typische Symptome können auch hinführen zu dem Mittel, nämlich vermehrte Speichelabsonderung nachts (Mercurius solubilis Hahnemanni), ferner vermehrter Appetit und Hunger, der sich bis zur „Gefräßigkeit“ steigern kann, wobei Verlangen nach Pikantem und Kaffee besteht. Dabei kann Sodbrennen und übelriechendes Aufstoßen vorhanden sein, auch Leibschmerzen mit häufigem Kollern und Blähungsbeschwerden, wobei übelriechende Winde abgehen mit diarrhöischen Stühlen früh und abends sowie nächtlichen Durchfällen, eventuell Hämorrhoidalbeschwerden und Aftervorfall sowie Pruritus ani.

Typisch ist auch ein stechender Schmerz, eventuell mit Ziehen im rechten Hoden nach dem Leistenring zu, sowie Hauterscheinungen in Form pustulöser und blasiger Eruptionen und Jucken alter Narbengewebe, besonders auch Wundheit der Brustwarzen und der Brustdrüsen mit Rötung und Jucken der Haut.

Wenn Fieber vorliegt, berührt kalte Luft angenehm. Der Schweiß von Acidum fluoricum ist reichlich, scharf und übelriechend.

Gewisse Symptome in der Wirbelsäule, besonders in der Gegend des sechsten Brustwirbels, lassen Acidum fluoricum auch als ein eventuell wirksames Mittel bei Scheuermann-Erkrankung erkennen, besonders wenn sich krampfhafte Zusammenziehungen im Nacken und in den Halsmuskeln finden und Parästhesien einer Hand oder eines Armes sowie eventuell Zerschlagenheitsgefühl in der linken Hüfte mit Schmerzen in den Kniegelenken, leichtem Einschlafen der Beine und Schmerzen in den Fußgelenken als Irritationen von Erkrankungen der Wirbelsäule geäußert werden. Hier muss Acidum fluoricum längere Zeit beharrlich eingesetzt werden, am besten als Einzelmittel (auch in Injektionsform, siehe unter Acidum hydrofluoricum).

Die katarrhalischen Erscheinungen können sich auch mit Schnupfenanfällen und am Kehlkopf mit Hustenanfällen äußern, wobei schaumiger Schleim (Phosphorus) entleert wird.

Wenn die wichtigsten Symptome von Acidum fluoricum zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes Arzneimittelbild:

  • Meist chronische Affektionen mit Destruktion der Gewebe und Organe, besonders auch im Bereich des Skelettes (lange Röhrenknochen und Wirbelsäule). Scheuermann-Erkrankung. Nervenirritationen von der Wirbelsäule aus, besonders Halsmuskeln und 6. Brustwirbel. Parästhesien in Armen und Beinen. Nächtliche Knochenschmerzen. Steißbeinschmerzen.
  • Mattigkeit. Neigung zu Bewegung ohne Ermüdung mit brennenden oder bohrenden Schmerzen (neurale Irritationen). Kreuzweises Auftreten der Beschwerden, Besserung bei Stehen, Fahren und Gehen, Verschlimmerung im Sitzen, im Zimmer und nach geistiger Anstrengung. Atemnot, „wie innere Erstickung“.
  • Heitere Gemütsstimmung, jedoch Indifferenz gegen die Familie, eventuell Gehässigkeiten gegen Freunde. Empfindet sich selbst „wie ein armer Tropf“.
  • Pustulöse und blasige Eruptionen auf der Haut und an Narbengeweben mit Jucken. Abbrechen der Nägel. Ulcera cruris. Naevi. Dekubitus, Dekubitalgeschwüre. Haarausfall. Vesikulöse Ekzeme und Erweiterungen der Hautkapillaren.
  • Fieber ohne Frost mit reichlichem, scharfem und übelriechendem Schweiß. Erleichterung durch kühle Luft.
  • Kopfbenommenheit mit Schwanken und Schweregefühl. Jucken in den inneren Augenwinkeln, „wie Wind durch die Augen blasend“.
  • Katarrhalische Laryngitis und Bronchitis mit kurzem, trockenem Husten. Ulzera der Zunge. Karies der Zähne. Unstillbarer Appetit, „Gefräßigkeit“. Diarrhö mit übelriechenden Winden. Schmerzen vom Hoden zum Leistenring strahlend. Geschwollenes Skrotum. Fluor albus und Ulzerationen der Portio.
  • Spärlicher, starker, dunkler Urin. Wirkt diuretisch.
  • Typisches Leitsymptom ist die Verschwellung der Glabella sowie die Besserung beim Fahren und bei Bewegung.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Acidum hydrofluoricum die folgenden Hauptindikationen für Acidum fluoricum im Bundesanzeiger veröffentlicht: Eiterungen, Fisteln, Entzündungen und Entkalkungen der Knochen, Knochenhaut- und Gelenkentzündungen. Bindegewebsschwäche wie Krampfaderleiden, Krampfadergeschwüre. Magensenkung. Kropfleiden. Verschiedene Erkrankungen der Haut und Hautanhangsgebilde. Überaktivität. Verstimmungszustände.