Acidum nitricum

Deutsche Stoffbezeichnung: Salpetersäure

Verwendet wird verdünnte Salpetersäure, HNO3, MG 63,0. Der Gehalt entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Die homöopathisch potenzierte Salpetersäure ist eines der wichtigsten „antidyskratischen Mittel“ mit typischen Symptomen und großem Heilumfang, besonders bei zum Beispiel chronischen, durch Ausschläge, Feigwarzen, Vitaminmangel oder Rückvergiftungen bei Tuberkulose, Lues hervorgerufenen Imprägnationsphasen, bei zahlreichen Affektionen der Haut, der Schleimhäute, des Blutes, der Drüsen, der Verdauungs- und Atmungsorgane sowie des Knochensystems.

Es besteht eine große Neigung zu Schnupfen und Schleimausflüssen, nach Quecksilbermissbrauch, wobei alle Absonderungen durch Stinken charakterisiert sind und stechende Schmerzen (Splitterschmerz) vorherrschen.

Besonders an den Grenzen der Schleimhäute, wo Haut und Schleimhäute sich treffen (Mundwinkel, Nase, After) finden sich Risse, Ulzerationen und Schorfe. Auch Aphthen, Stomatitis mit Speichelfluss, Gingivitis mit üblem Geruch sind eine Indikation für Acidum nitricum, besonders wenn Mercurius bereits angewandt

wurde. Auch bei Afterfissuren (Ratanhia) und bei blutenden und sehr schmerzhaften Hämorrhoidalknoten ist Acidum nitricum indiziert, speziell wenn „heftiger Schmerz nach dem Stuhlgang, selbst nach weichem Stuhl“ besteht (Nash). Im Gegensatz zu Nux vomica tritt nach dem Stuhl keine Linderung ein, sondern der Patient muss aufgrund heftiger Schmerzen ein oder zwei Stunden post defaecationem umherwandern. Ähnlich wie bei Collinsonia besteht auch bei Acidum nitricum ein stechender Schmerz wie von Splittern, wobei auch Blutungen aus allen Körperöffnungen mit ungewöhnlich hellrotem Blut vorliegen können, besonders bei Typhus und Hämorrhoiden.

Typisch ist auch stinkender Harn, der ebenfalls Eiweiß enthalten kann und vom Patienten bei Drang nicht angehalten werden kann.

An der Haut finden sich Feigwarzen, auch Furunkel und leicht blutende Geschwüre, besonders am Gesäß (neben Sulfur), welche sich tief einfressen und an den Rändern unregelmäßig sind und stinkende Sekrete absondern. Auch können sich Augenentzündungen mit Hornhautflecken finden.

Besonders gut reagierten früher die nach übermäßiger Quecksilberbehandlung aufgetretenen Dyskrasien auf syphylitischer Basis wie insbesondere auch merkurielle Knochenaffektionen mit Karies und Entzündungen der Knochenhaut und nächtlichen rheumatischen Beschwerden, besonders auch bei Wetteränderung, eventuell verbunden mit stetiger Frostigkeit und stinkenden sauren Nachtschweißen, Schwellungen der Leistendrüsen sowie Vereiterungen.

Auch Schwerhörigkeit nach Quecksilbermissbrauch (Petroleum), chronischer Schnupfen mit wässrigem, wundmachendem und übelriechendem Ausfluss, besonders auch bei Scharlach und Diphtherie, Lockerheit der Zähne und Bluten des Zahnfleisches, heftige Zahnschmerzen bei weit fortgeschrittener Karies und Pulpitis. Auch Lungenabszess und Lungenblutungen bei mageren älteren Personen erfordern Acidum nitricum.

Typisch ist (ähnlich wie bei Carbo animalis und bei Acidum muriaticum) ein Ekel vor Fleisch sowie ein Verlangen nach Fettem und auf Heringe, wobei bitterer oder süßlicher Geschmack vorliegen kann und auch eine Abneigung gegen Brot besteht.

Charakteristisch für die verschiedenartigsten Absonderungen von Acidum nitricum ist der üble Geruch, auch bei dünnflüssigem Weißfluss; Frostbeulen haben ein hellrotes rosaartiges Aussehen und jucken stark.

Die Verschlimmerung erfolgt abends und in der Nacht sowie beim Aufstehen vom Sitzen und bei Berührung der befallenen Teile, bei Bewegung und nach dem Essen, während eine Besserung durch Fahren im Wagen charakteristisch ist sowie durch Aufstoßen.

Meistens findet sich bei Acidum-nitricum-Symptomen auch Neigung zu Durchfällen, jedenfalls nicht zu harten Stühlen, wobei das Mittel dann gut anzusprechen pflegt.

Die geistige Stimmung ist reizbar, starrköpfig, hoffnungslos verzweifelt, eventuell boshaft und rachsüchtig mit Empfindlichkeit gegen Geräusch, gegen Schmerz, Berührung und Stoß, wobei auch Todesfurcht typisch sein kann. Auch die Kopfhaut: ist empfindlich und es besteht eventuell ein Bandgefühl um den Kopf sowie Kopfschmerz durch Hutdruck.

Charakteristisch ist die Zunge von Acidum nitricum. Sie ist sauber, rot und nass mit einer zentralen Furche, wobei oft blutiger Speichel abgesondert wird, besonders wenn sich gleichzeitig Ulzera am weichen Gaumen finden.

Wenn die Hauptsymptome von Acidum nitricum zusammengefasst werden, ergibt sich folgendes typisches Arzneimittelbild:

  • Splitterschmerz. Ulzerationen und Einrisse an Körperöffnungen, an Haut-Schleimhaut-Grenzen, besonders bei dunkelhäutigen Personen jenseits des mittleren Lebensalters. Bei sykotischer Dyskrasie und hydrogenoider Konstitution.
  • Ulzeration im Bereich des Mundes und der Zunge. Aphthen. Kondylome, Fissuren, leicht blutend. Afterfissuren mit stundenlangen Schmerzen post defaecationem.
  • Stark stinkende Absonderungen (Urin, Fäkalien und Schweiß). Neigung zu Erkältungen und Durchfällen.
  • Reizbare, starrköpfige Patienten mit hoffnungsloser Verzweiflung, Geräuschempfindlichkeit, Todesfurcht. Bandgefühl um den Kopf und Kopfschmerz von Hutdruck. Sehr geräuschempfindlich.
  • Ulcera corneae. Lichtscheu. Dauernder Tränenfluss. Ozaena. Wunde, blutige Nasenlöcher (wie Splitter in der Nase), Karies des Os mastoideum.
  • Zunge rot, nass, sauber mit Zentralfurche. Blutiger Speichel mit Ulzera am weichen Gaumen. Splitterschmerz beim Schlucken.
  • Liebt Fett und Salz. Schwangere verlangen nach Erde, Kalk usw. Dyspepsie. Prolapsus ani. Leicht blutende Hämorrhoiden. Ikterus.
  • Stinkender Urin, eventuell blutig und eiweißhaltig (Prostatahypertrophie). Ulzera unter Präputium. Balanitis. Fluor albus. Menstruationen mit heftigen Schmerzen und Stichen. Metrorrhagien.
  • Heiserkeit mit trockenem Husten. Übelriechender Fußschweiß.
  • Frostbeulen. Schwitzen der Hände. Stinkender Achselschweiß nachts. Warzen, groß, rissig, beim Waschen blutend. Auch Ulcera cruris, empfindlich und leicht blutend mit Splitterschmerzen, mit zackigen Rändern, wie rohes Fleisch. Überschießende Granulationen.
  • Verschlimmerung abends, nachts, bei Kälte und auch bei heißem Wetter, Besserung beim Fahren.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Acidum nitricum die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Entzündung der Haut und Schleimhäute mit Neigung zu Hautrissen. Geschwüre. Gut- und bösartige Gewebewucherungen. Krankheiten mit Abmagerung. Verstimmungszustände.