Acidum phosphoricum

Deutsche Stoffbezeichnung: Phosphorsäure

Verwendet wird verdünnte Phosphorsäure, H3PO4, MG 98,0. Der Gehalt entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Das Hauptcharakteristikum der Phosphorsäure ist Schwäche und Hinfälligkeit, auch Gleichgültigkeit, Apathie und Trägheit des Geistes und des Körpers. Dabei sind die Beschwerden schlimmer in der Kälte und werden durch Wärme gebessert. Der Patient kann in einem Zustand von Bewusstlosigkeit oder Betäubungsschlaf liegen, ohne zu wissen, was um ihn herum vorgeht. Jedoch beim Erwachen ist er bei vollem Bewusstsein (Nash).

Dabei ist Acidum phosphoricum nicht nur bei typhösen Zuständen indiziert, sondern die Depression des Sensoriums kann auch durch Kummer und exogene psychische Belastungen bedingt sein, etwa wie es bei Ignatia gefunden wird, jedoch wesentlich tiefergehend, indem der Patient vor Kummer gelähmt scheint. Oft findet sich dabei ein zermalmender Druck auf dem Scheitel mit Hinterkopf- oder Nackenschmerz.

Während die Calcium-carbonicum-Patienten meist Pykniker sind, wachsen die Acidum-phosphoricum-Patienten zu schnell. Dann finden sich Kopfschmerzen, besonders bei Schülern, wenn diese zu rasch gewachsen sind.

Als Bauchsymptome findet sich neben meteoristischer Auftreibung Rumpeln und Gurgeln und Wassergeräuschen eine farblose, schmerzlose Diarrhö ohne bemerkenswerte Schwäche oder Erschöpfung, ganz im Gegensatz zu China, das ebenfalls infrage kommt bei Folgen von Onanie, gegen welche auch Acidum phosphoricum ein gutes Mittel ist.

Charakteristisch sind auch die nächtliche Schlaflosigkeit und die schwächenden Schweiße sowie Erwachen mit Heißhunger, wobei ein Verlangen nach kalter Milch oder Bier besteht. Nach dem Essen klagt der Patient über große Abgespanntheit und eventuell saures Aufstoßen oder über einen Geschmack wie faule Eier. Nach Wassertrinken wird Sodbrennen beobachtet oder auch saurer Schleim erbrochen, der die Zähne stumpf macht.

Die durch das ganze Mittel ziehende Schwäche äußert sich auch an den Atmungsorganen. Hier findet sich Kurzatmigkeit, so dass der Patient infolge von Schwäche auf der Brust nicht lange sprechen kann. Auch krampfhafte Brustbeklemmung mit Schmerzzuständen kann vorliegen, ferner Husten mit Kitzel im Kehlkopf sowie chronischer Kehlkopf- und Bronchialkatarrh mit Neigung zu Blutungen und Trockenheit und Rauheit im Hals. Charakteristisch ist eine näselnde Stimme.

An den Harn- und Geschlechtsorganen ist ein typisches Symptom festzustellen: Ausfluss von Prostatasaft (Prostatorrhoe) vor dem Urinieren und häufiges Urinieren nachts sowie ein roter Absatz des Harns mit einem darauf schwimmenden Fetthäutchen. Der Urin ist meistens sehr profus und hell oder auch wässrig oder milchig. Dabei wird Kopfschmerz (ähnlich wie bei Gelsemium) durch reichlichen Urinabgang gebessert.

Männliche Impotenz und Nachlassen der Erektion während des Koitus ohne Samenerguss, häufig eine Folge von Coitus interruptus, Onanie. Dabei findet sich Jucken am Hodensack oder auch am After und an der Scheide.

Die Menses treten verspätet ein und sind spärlich. Es besteht Fluor albus mit großen Klumpen und unerträglichem Geruch.

Wenn die Hauptsymptome von Acidum phosphoricum zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes typische Arzneimittelbild:

  • Geistige Erschöpfung. Gedächtnisschwäche. Folgen von Kummer, Überarbeit, sexuellen Exzessen. Redeunlust. Schläfrigkeit.
  • Beschwerden schlechter von Kälte, besser von Warmhalten.
  • Tagesschläfrigkeit, nachts Schlaflosigkeit mit schwächenden Schweißen. Während des Schlafes Zucken und Bewegen der Glieder. Beängstigende oder wollüstige Träume mit Pollutionen. Kurzer Schlaf erquickt. Erwachen mit Heißhunger.
  • Leicht blutendes Zahnfleisch. Skorbut. Trockene Mundschleimhäute. Weiße oder gelb belegte Zunge. Ekel vor Schwarzbrot, Verlangen nach Milch oder Bier. Geschmack wie faule Eier. Erbrechen von süßem oder saurem Schleim. Chronische schmerzlose Durchfälle, die nicht erschöpfen.
  • Blasenreizzustände. Prostatorrhoe vor dem Urinieren. Häufiges Urinieren nachts. Brennen und Schneiden beim Urinieren. Harnverhaltung. Roter Absatz und Fetthäutchen im Urin.
  • Impotenz. Pollutionen. Nachlassen der Erektion während des Coitus ohne Samenerguss. Verspätete und spärliche Menes. Weißfluss mit großen Klumpen (Geruch).
  • Jucken in After, Scheide und am Hodensack.
  • Chronische Kehlkopf- und Luftröhrenkatarrhe.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Acidum phosphoricum die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Geistige und körperliche Erschöpfungszustände. Kalkstoffwechselstörungen. Durchfälle.