Acidum silicicum

Synonym: Silicea

Deutsche Stoffbezeichnung: Kieselsäure

Verwendet wird reines, gefälltes, wasserhaltiges Kieselsäureanhydrid (SiO2 · x H2O). Der Gehalt an Siliciumdioxid (SiO2, MG 60,1) entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Verwendet wird reines, gefälltes, wasserhaltiges Kieselsäureanhydrid (SiO2 · x H2O). Der Gehalt an Siliciumdioxid (SiO2, MG 60,1) entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Silicea ist ein bedeutendes Bindegewebsmittel und charakteristisch indiziert bei Schwäche des Bindegewebes mit Einknicken, Halt und Kraftlosigkeit, Zittern der Glieder, besonders der Arme, Steifigkeit des Rückens und der Glieder, aber auch bei zahlreichen sonstigen Symptomen von Erschöpfung und Schwäche angezeigt, wenn der Patient vielfach einen Mangel an Lebenswärme aufweist, sogar wenn er sich Bewegung macht, gegen kalte Luft empfindlich ist, besonders bei bloßem Kopf, wohingegen Linderung durch Umhüllen des Kopfes eintritt, besonders bei Neuralgien (des linken Trigeminus, vielfach typisch). Dabei scheint das gesamte Nervensystem von einer gewissen Schwäche erfasst zu sein mit nervöser, gereizter und verzagter, unentschlossener Stimmung.

Silicea ist ferner häufig bei unterernährten Kindern indiziert, die infolge Erkrankung der Mesenterialdrüsen bei Abmagerung der Extremitäten einen Dickbauch aufweisen mit eingesunkenen Augen und einem typischen Gesicht, das hager ist und den Kindern den Ausdruck eines alten Menschen verleiht. Die Schwäche ist oft so groß, dass Kinder den Stuhl kaum entleeren können, indem er zwar heraustritt, aber dann wieder zurückschlüpft. Andernteils aber können hartnäckige Durchfälle, besonders bei der Zahnung oder in der Sommerhitze bestehen, wobei sonstige Mittel wie Veratrum, Pulsatilla, Mercurius und andere nicht wirken, sondern in solchen Fällen einer typischen Pädatrophie das einzige beziehungsweise das vornehmliche Heilmittel Silicea ist. Dabei hat Silicea gewisse Beziehungen zu Calcium carbonicum, indem es ähnlich wie dieses bei schweißköpfigen Kindern mit mangelhafter Assimilation eingesetzt werden kann, andernteils gewisse Beziehungen zu Hepar sulfuris und Calcium sulfuricum hat, nämlich bei Eiterungen dann vor allen Dingen zum Einsatz kommt, wenn der Durchbruch des Eiters bereits erfolgt ist, nunmehr aber aus der Tiefe heraus die Heilung erfolgen soll. So ist Silicea ein wichtiges Mittel bei Fisteleiterungen.

Auch Drüsenschwellungen, besonders der Unterkiefer- und Gaumenbogendrüsen sowie in der Achselhöhle, im Nacken, am Halse und am Ohr und in der Leistengegend erfordern Silicea, wenn Calcium carbonicum nicht zum Ziele führte.

Dabei kann auch eine allgemeine Überempfindlichkeit der Haut vorhanden sein, verbunden mit heftigem Jucken, das durch Kratzen kaum zu lindern ist, auch Jucken auf der behaarten Kopfhaut mit Haarausfall, Pustelausschlägen, auch an der Stirn, am Rücken, auf der Brust, an den Armen. Ähnlich wie bei Hepar sulfuris heilen kleine Hautverletzungen schwer und eitern. Auch sind Überbeine (Ganglion) auf dem Handrücken eine Indikation für Silicea.

Überempfindliches Geruchsvermögen, verbunden mit Jucken in der Nase und entzündlichen Affektionen der Nasenschleimhaut, Ausschnauben blutigen Schleimes, auch Polysinusitis können für Silicea eine Heilanzeige bilden, speziell wenn vorher Calcium carbonicum oder Hepar sulfuris zur Anwendung gekommen sind.

Silicea eignet sich vorzüglich bei der sogenannten Dyskrasie, wie man sie als Skrofulose, Gicht, Rachitis und auch bei Präkanzerose findet, wobei aber auch Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Neuralgien mit nächtlicher Verschlimmerung, Zucken und Zittern der Glieder mit großer Schwäche, chronische Fisteleiterungen der Ohren sowie chronische Augenaffektionen mit Lichtscheu sowie Stomatitis und geschwüriges Zahnfleisch, Mesenterialdrüsentuberkulose und Hilusdrüsenanschwellungen, ferner aber auch Mastdarmfisteln und Fluor albus eine Heilanzeige bilden können. Also Imprägnationsphasen, die sich regressiv in Reaktionsphasen umzusetzen versuchen, weisen auf Silicea hin.

Besonders hervorzuheben ist noch die Wirkung von Silicea auf Fußschweiß, der übel riecht, wobei vielfach allgemein starke Körperschweiße bestehen (die nachts sauer riechen).

Ein wichtiges Symptom ist ferner Blutausfluss aus der Mamma (auch beim Stillen).

Es ergibt sich folgendes Symptombild mit typischen Heilanzeigen:

  • Bindegewebsschwäche, Rachitis. Hilusdrüsen- und Mesenterialdrüsentuberkulose.
  • Ernährungsstörungen mit Durchfällen und Pädatrophie. Drüsenschwellungen ohne Schmerzen, am Nacken, hinter den Ohren, in den Achseln, in den Leistenbeugen.
  • Scharfe, dünne Absonderungen. Fisteleiterungen bei Otitis media, Analfisteln, bei Operationswunden usw., schlechte Heilungstendenzen.
  • Allgemeine Frostigkeit und Empfindlichkeit gegen kalte Luft, besonders gegen Zugluft, muss den Kopf warm einhüllen, vor allen Dingen bei Neigung zu Neuralgien und Kopfschmerzen (linker Trigeminus vielfach befallen).
  • Saure Schweiße am Kopf sowie an den Füßen mit Wundheit zwischen den Zehen (an den Füßen übelriechend). Silicea kann die Beschwerden nach Schweißunterdrückung heilen oder auch den Schweiß wieder hervorbringen.
  • Nervöse Gereiztheit und Verzagtheit. Unentschlossenheit, Nachgiebigkeit, Mutlosigkeit.
  • Beim Stillen Blutausfluss aus der Mamma (wichtiges Symptom, das sonst durch kein anderes Mittel gebessert werden kann).
  • Hauteruptionen pustulöser Art und Urtikaria. Akne vulgaris. Pruritus, durch Kratzen kaum zu lindern. Überempfindlichkeit der Haut gegen Berührung.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Acidum silicicum die folgenden Hauptindikationen für Silicea im Bundesanzeiger veröffentlicht: Chronische Entzündungen, Eiterungen und Fistelbildung der Haut, der Lymphdrüsen, der Schleimhäute, der Knochen und Gelenke. Gewebsschwäche im Bandapparat der Knochen und Gelenke. Gewebewucherungen. Geistige Erschöpfung.