Agaricus

Synonym: Amanita muscaria

Deutsche Stoffbezeichnung: Fliegenpilz

Verwendet wird der frische, oberirdische Fruchtkörper der auf der ganzen nördlichen Halbkugel in Wäldern vorkommenden Stammpflanze: Amanita muscaria CL. Hook./Amanitaceae.

Empfindlichkeit gegen kühle Luft. Motorische Unruhe. Klumpengefühl im Oberbauch. Chorea minor, Tics. Erregungszustände, epileptiforme Anfälle, Jucken, Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühl, wie erfroren. Perniones. Kupfernase bei Potatoren.

Vorherrschend ist eine Überempfindlichkeit des gesamten Körpers, wobei der leiseste Druck Schmerzen erregt. Allgemeine Schmerzhaftigkeit aller Glieder, besonders der unteren Extremitäten, ausgeprägt beim Sitzen oder Stehen, sich allmählich verlierend beim Gehen. Dabei besteht Kältegefühl mit Parästhesien (Taubheit und Kribbeln) und eine Empfindlichkeit gegen kühle Luft. Die Gliederschmerzen können kreuzweise auftreten (rechter Arm, linkes Bein usw.) wobei die allgemeine Muskelunruhe mit Trieb zu ungewöhnlichen Bewegungen (Stramonium) in einen Zustand von Starrsucht und Betäubung übergehen kann. Auch ekstatische Zustände wie bei Trunkenheit, Singen, Schreien, Deklamieren, allgemeine Steigerung der geistigen Erregung bis zur Tobsucht und Vernichtungswut können sich bis zur Korsakow-Psychose steigern (Veratrum).

In Gegenwirkung kann Niedergeschlagenheit, Verdrießlichkeit, Verzagtheit mit Unlust zu jeder Tätigkeit und Arbeit, Mangel an Initiative vorhanden sein mit verzweifelter Stimmung.

An der Haut zeigen sich periphere Kreislaufstörungen wie bei Perniones mit kühlen Händen und Füßen und bläulicher Verfärbung.

An den Augen finden sich Lichtscheu, Doppeltsehen, Flecken- und Mückensehen.

Der Kreislauf zeigt auch zentrale Depressionen mit schwachen Herzkontraktionen, später mit kleinen, aussetzenden und unregelmäßigen Schlägen.

Lebersymptome zeigen sich durch Auftreibung der Bauchdecken und Abgang großer Mengen, nach Knoblauch riechender Gase.

Auch Mundhöhle und Magen sind befallen mit weißlichem und gelblichem Zungenbelag, Schlundkrämpfen, Magenschmerzen, Übelkeit.

Agaricus kommt weniger bei akuten, heftigen Fiebern zur Verwendung, sondern eher bei typhösen Fiebern mit Neigung zu Kollaps, brandigem Zerfall und Krampfzuständen, wobei speziell die Unterglieder eine große Schwäche zeigen.

In Kamschatka wird ein Absud vom Fliegenpilz getrunken, um Rausch und Ekstase zu erzeugen. Zu versuchen ist Agaricus daher auch bei ekstatischer Nervenerregung und bei epileptiformen Anfällen, besonders auch bei Erregung des Sexualtriebes mit geringer Potenz und großer Erschöpfung postkoital.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Amanita muscaria die folgenden Hauptindikationen für Agaricus im Bundesanzeiger veröffentlicht: Erregungszustände, auch Verminderung der Erregbarkeit des Nervensystems. Folgen von Drogen- und Medikamentenmissbrauch. Verwirrtheitszustände. Zerebrales Anfallsleiden. Blasen- und Darmentleerungsstörungen.