Anamirta cocculus

Synonym: Cocculus

Deutsche Stoffbezeichnung: Kokkelskörner

Verwendet werden die reifen, getrockneten Früchte der in Indien, auf Ceylon und in den indomalayischen Gebieten vorkommenden Stammpflanze: Anamirta cocculus W. et Arn./Menispermaceae. Der Gehalt an Picrotoxin (C30H34O13, MG 603) entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Die aus den Kokkelskörnern hergestellte Tinktur enthält einen giftigen Bitterstoff Pikrotoxin, ferner Fett, Wachse, Harz, Gummi sowie Menispermin und Paramenispermin. Die Hauptwirkung von Cocculus erstreckt sich auf das Zentralnervensystem und trifft vor allem vagotone Zustände sowie Erschöpfungserscheinungen, die bis zur Lähmung oder Ohnmacht gehen können. Es besteht Schwäche der Halsmuskeln mit Schwere des Kopfes, als wenn die Muskeln den Kopf nicht tragen könnten. Auch im Kreuz wird über ein Gefühl der Schwäche geklagt, wie gelähmt, ebenso über große Schwäche und Schwere in den Beinen, Versagen der Knie beim Gehen. Dabei können auch Parästhesien in den Fußsohlen sowie in den Händen (abwechselnd mal rechts mal links) bestehen. Die Oberschenkel können wie zerschlagen schmerzen. Auch die Paraesthesia nocturna mit dem Gefühl, als wenn die Hand wie geschwollen wäre, ist für Cocculus charakteristisch.

Diese parasympathisch bedingte Erschöpfung kann sich auch als Kopfschmerz zeigen, der den Nacken herunterzieht, etwa wie bei Zervikalmigräne. Auch das Gefühl, als ob sich der Kopf öffnet und schließt, ist eine Indikation für Cocculus.

Eine weitere sehr wichtige Indikation für Cocculus ist Seekrankheit, Übelkeit und Erbrechen beim Fahren, auch nach Tabakrauch, eventuell verbunden mit Schlundkrämpfen und Konvulsionen, besonders auch nervösen Erscheinungen und Stimmungsschwankungen beim Eintritt und während der Menstruation sowie während der Gravidität und wenn die Menstruation durch irgendwelche Maßnahmen unterdrückt wurde.

Cocculus kann immer dann hilfreich sein, wenn Nux vomica nicht wirkt, zum Beispiel auch bei drückenden, klemmenden Magenbeschwerden. Dabei besteht häufig ein Widerwille gegen alles Saure.

Die unter dem Namen Kokkelskörner (Cocculus indicus) von den ostindischen Inseln importierten Cocculus-Früchte wurden früher auch als Hopfensurrogat und zum Betäuben der Fische benutzt, woher auch ihr Name Fischkörner rührt.

Die vagotonisch bedingte Erschöpfung, welche sich bis zu einem betäubungsähnlichen Zustand steigern kann, findet sich auch nach Überforderung und Überanstrengungen, besonders nach Nachtwachen. Cocculus ist daher auch ein gutes Mittel bei beruflicher Überlastung, kurz gesagt auch nach Stress.

Schließlich ist auch der für Cocculus charakteristische Schwindel, der beim Fahren in der Eisenbahn, im Auto, beim Fliegen usw. auftritt, parasympathisch bedingt. Auch das Menière-Syndrom mit migräneartigen Erscheinungen und Übelkeit sowie mit Erbrechen einhergehend, reagiert günstig auf Cocculus.

Zu erwähnen ist noch das Gefühl einer Leere im Kopf, wobei sich dieses Gefühl der Leere auch im Bauch, in den Därmen, in der Brust, in sonstigen Organen und allen inneren Teilen finden kann und einen strikten Hinweis auf Cocculus gibt.

Zu erwähnen ist noch, dass Cocculus auch hilfreich sein kann bei rheumatischen und gichtigen Gelenkaffektionen, die ohne erhebliche Entzündungsvorgänge verlaufen und mit Knacken bei Bewegungen verbunden sind, ferner bei Samenstrangneuralgien.

Wenn die Hauptsymptome von Cocculus zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes typische Arzneimittelbild:

  • Schwindel mit Ohnmachtsgefühl und Übelkeit. Seekrankheit, Auto-, Luft- und Fahrkrankheiten (Eisenbahnkrankheit). Menière-Syndrom mit Erbrechen und Übelkeit.
  • Große Schwäche und Erschöpfung mit Ohnmachtsgefühl und Leereempfindung in verschiedensten Körperteilen und Organen. Folgen von Übernächtigung und Nachtwachen sowie zu wenig Schlaf (Krankenpflegepersonal, Nachtdienst-Beschäftigung).
  • Kopfschmerzen im Hinterkopf und Nacken sowie Schwäche und Schmerzen im Kreuz, den Hüften und Knien, als wenn die Glieder den Dienst versagen.
  • Vagotonie. Parästhesien. Von der Wirbelsäule ausgehend Beschwerden bei Osteochondrose.
  • Neigung zu krampfartigen Erscheinungen, Magenkrämpfen, Erbrechen und Widerwillen gegen alles Saure.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Anamirta cocculus die folgenden Hauptindikationen für Cocculus im Bundesanzeiger veröffentlicht: Schwindelgefühl unterschiedlicher Ursache. Reise-Krankheit, -Übelkeit. Verkalkung der Hirngefäße. Hinterhauptkopfschmerz. Krämpfe und Lähmungen. Regelstörungen. Nervöse Störungen und Verstimmungszustände auch nach Schlafmangel.