Argentum nitricum

Deutsche Stoffbezeichnung: Silbernitrat

Verwendet wird Silbernitrat, AgNO3, MG 169,9. Der Gehalt entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Silbernitrat, auch Höllenstein genannt, ist jenes Heilmittel, mit dem früher jeder Mensch in den Industrienationen zu Beginn seines extrauterinen Lebens eindringlich Bekanntschaft machte, denn im Rahmen der Credé-Prophylaxe wurde jedem Neugeborenen post partum ein Tropfen einer 1%igen oder sogar 2%igen Höllensteinlösung in die Augenbindehaut geträufelt.

Während Argentum nitricum in der schulmäßigen Methodik hauptsächlich als Adstringens, Desinfiziens und Ätzstoff benutzt wird, ist es in der Homöopathie ein bedeutendes Polychrest und durch umfangreiche Heilwirkungen ausgezeichnet. Manche Indikationen, die unter schulmäßigen Gesichtspunkten aufgestellt wurden wie zum Beispiel Ätzungen von Caro luxurians, Adstringierungen der Schleimhaut bei Ulcus duodeni im Sinne der Rollkur, sind vielfach, wenn Wirkungen eintreten, als Homöopathia involuntaria zu deuten. Entsprechen doch die dabei vorliegenden Verdünnungen durchaus üblichen homöopathischen Tiefpotenzen. Ferner ist bei externer Anwendung auch stets ein zusätzlicher resorptiver Effekt mit einzukalkulieren. Es findet sich auch eine früher viel in Anspruch genommene orale Indikation für Argentum nitricum-Pillen bei Tabes dorsalis.

Argentum nitricum hat in homöopathischer Dynamisation offensichtliche Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem, wobei speziell vagotone Zustände günstig beeinflusst werden. Aber auch Irritationen, zum Beispiel lanzinierende Schmerzen bei Tabes werden durch Argentum nitricum gemildert oder beseitigt. Charakteristisch sind irradiierende Schmerzen, speziell Magenschmerzen, die in den Brustraum ausstrahlen und Angina pectoris vortäuschen können. Dabei besteht häufig Aufblähung des Bauches im Sinne des gastrokardialen Symptomenkomplexes mit Besserung durch lautes explosives Aufstoßen, wie es auch bei Phosphor und bei Asa foetida der Fall sein kann.

Der Argentum nitricum-Patient ist ängstlich und unruhig, weist viele Züge von Neurasthenie auf und ist um seinen Gesundheitszustand sehr besorgt. Argentum nitricum-Patienten haben ferner Verlangen nach Süßem, speziell nach Zucker. Bei Erregung treten leicht Durchfälle auf, auch verschlimmern sich alle Erscheinungen, besonders die Magenbeschwerden durch Aufregungen. Die für Argentum nitricum typischen Kopfschmerzen bessern sich durch festes Umbinden eines Tuches. Auch Schwindel besteht bei Argentum nitricum, der von allgemeiner Schwäche und Zittern sowie Ohrensausen begleitet wird, ähnlich wie man es beim Menière-Syndrom findet. Bei Heiserkeit der Sänger, Rauheit und Kratzen im Hals und dem Gefühl, als wenn ein Splitter im Hals säße, ist Argentum nitricum indiziert, ebenso bei Stimmbandpolypen. Ermüdungszustände in den Unterschenkeln, Waden und Unterarmen sind ebenfalls für Argentum nitricum typisch. Bei Epilepsie ist Argentum nitricum indiziert, wenn die Pupillen Stunden oder Tage vor dem Anfall erweitert sind. Hier werden allerdings endgültige Heilungen nur selten erwartet werden können. Jedoch lassen sich deutliche Besserungen oft erzielen, zum Beispiel bezüglich der Verminderung der Häufigkeit und Heftigkeit der Paroxysmen. Es muss erwähnt werden, dass in solchen Fällen ferner eine streng sutoxinfreie Diät unbedingt eingehalten werden muss.

Fassen wir die wichtigsten Symptome von Argentum nitricum zusammen:

  • Aufblähung im Oberbauch, gastrokardialer Symptomenkomplex, Besserung durch Aufstoßen.
  • Diarrhö mit starkem Spritzen, flockige, grüne, schleimige Stühle, wie gehackter Spinat.
  • Kopfschmerz, besser durch festes Binden.
  • Katarrhe und Heiserkeit bei Sängern, Rednern, Lehrern usw. nach Stimmüberanstrengung. Wie ein Splitter im Hals. Rachen-, Ohr- und Bindehautkatarrhe.
  • Schwäche und Erschöpfungszustände, vor allen Dingen in den Waden und Unterarmen.
  • Lanzinierende Schmerzen bei Tabikern.
  • Gastrische Krisen.
  • Epilepsie mit Mydriasis einige Tage vor dem Anfall.
  • Platzangst, Neurasthenie, Unruhe und Besorgtheit. Diarrhö bei Aufregungen, Lampenfieber, Schwindel, Romberg-Symptom ist positiv.
  • Blutende Magenulzera (Hochpotenzen!).

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Argentum nitricum die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Psychosomatische Erkrankungen der Verdauungswege. Migräne.