Berberis vulgaris

Deutsche Stoffbezeichnung: Sauerdorn

Verwendet wird die getrocknete Rinde ober- und unterirdischer Teile der Stammpflanze: Berberis vulgaris L./Berberidaceae. Der Gehalt an Alkaloiden, berechnet als Berberin (C20H19NO5, MG 353,4), entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Die Tinktur wird aus der getrockneten Wurzelrinde des Sauerdorns, Berberis vulgaris L., gewonnen und enthält als wirksame Bestandteile die Alkaloide Berberin, Oxyacanthin und Berbamin.

Für Berberis existieren einige charakteristische Indikationen, nämlich Reiz- und Entzündungszustände im Harnleitungssystem und ausgesprochene Nierenschmerzen, die nach allen Richtungen hin ausstrahlen, besonders längs den Harnleitern verlaufen, reißend und stechend, brennend oder auch schneidend sind und eventuell mit Blasenschmerzen und Harntenesmen einhergehen, sogar bis in die Harnröhre und gegen die Hoden ausstrahlen können, welche Zustände häufig bei Nierenkoliken und Harngries gefunden werden. Berberis ist daher eines der Hauptmittel gegen Nephrolithiasis und hat sich auch allgemein bei sonstigen Affektionen des Nieren-Harnleitersystems bewährt, zum Beispiel bei Zystopyelitis, wobei allerdings noch andere Präparate zusätzlich indiziert sind.

Dabei besteht auch ohne Kolik- und Schmerzzustände ein Steifigkeits- und Taubheitsgefühl in der Nierengegend und eventuell im ganzen Rücken, verbunden mit großer Schwäche.

Besonders die Schwäche und Erschöpfung ist ein weiteres Symptom von Berberis, eventuell verbunden mit Zerschlagenheitsgefühl und Prostration sowie Steifigkeit der Glieder und Lähmigkeit.

Auch Hyperhidrosis kann vorhanden sein, wobei man den Eindruck hat, dass diese Schweiße besonders bei Schwäche und geistiger Erschöpfung sowie bei jeder Anstrengung auftreten. Bekannt sind die Vikariationen zwischen Haut und Niere. Bei darniederliegender Nierenfunktion erfolgt vikariierend eine Ausscheidung über die Haut.

Zu der allgemeinen Arbeitsunlust, Erschöpfung und Schwäche kommt noch eine apathische, weinerliche und wehmütige Stimmung, ebenso geistige Müdigkeit mit benommenem Kopf, Konzentrationsstörungen, Denkunfähigkeit, die bis zur Arbeitsunfähigkeit gehen kann.

Nach jahrelangen Beobachtungen hat der Verfasser den Eindruck gewonnen, dass Berberis nicht nur auf das Nierensystem, sondern insbesondere auch auf die Nebennieren eine ausgesprochene Wirkung ausübt. Die bei Erschöpfungszuständen auftretenden blauen Ringe unter den Augen werden ebenfalls durch Berberis günstig beeinflusst, ebenso wie sonstige Erscheinungen einer darniederliegenden Nebennierenfunktion, die sich in einer Disposition zu Rheuma und Gicht äußern, verbunden mit Gelenkschmerzen, Zerschlagenheit und Schwere der Glieder, Ziehen und Spannen in den Muskeln sowie auch Hauterscheinungen, die sich durch Gesichtsröte mit roten, brennenden Flecken im Gesicht und Aufschießen von juckenden, roten Knötchen, Bläschen, Quaddeln äußern können mit nachfolgender Abschilferung.

Auch Leber-Galle-Erscheinungen sind Berberis zu eigen. So bilden Cholangitiden mit Schmerzen im rechten Hypochondrium und Druck unter dem rechten Rippenbogen, eventuell auch links in der Flexura linealis, ebenso galliges Aufstoßen mit Meteorismus und eventuell Ikterus eine Indikation für Berberis.

Gelegentlich findet sich auf der Zungenspitze eine schmerzhafte Blase. Im Magen kann ein Kältegefühl mit Druck und Aufstoßen vorhanden sein. Auch chronische Verdauungsstörungen mit Neigung zu Durchfällen werden durch Berberis gegebenenfalls günstig beeinflusst, wenn das allgemeine Bild von Berberis vorliegt. Der Urin pflegt dabei häufig dunkelrot, trübe und dickschleimig zu sein.

Bei Frauen kann nebenher auch noch Fluor albus mit Dysmenorrhö sowie venöser Stase im Becken und Unterleib gefunden werden, eventuell auch Metritis und Ovariitis.

Auch Hämorrhoiden mit Jucken und Brennen im Anus und dem für Berberis charakteristischen Wundheitsgefühl sowie mit pulsierenden Stichen im Os sacrum können vorliegen, ebenso wie Analfissuren.

Wenn Berberisextrakte auch generell als schwachgiftig gelten, so konnte experimentell von Berberin (mit der Summenformel C20H19NO5), bei intravenösen Injektionen von ein bis drei Gramm bei Hunden und Kaninchen als Versuchstieren dennoch eine toxische Wirkung nachgewiesen werden, indem diese unter Speichelfluss, Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen, Atmungsbeschwerden sowie Zittern und schließlicher Lähmung ad exitum kamen. Bei innerlicher Darreichung werden Durchfälle beobachtet.

Wenn die Hauptsymptome von Berberis zusammengefasst werden, so ergibt sich das folgende typische Arzneimittelbild:

  • Nierensteinleiden, besonders auch Nierensteinkoliken, sowie sonstige Erkrankungen des Urogenitalsystems, Zystopyelitis, Urintenesmen mit trübem, mehligem, rotem und flockigem Urin.
  • Leberaffektionen, Cholangitis, Cholezystitis, Gallensteinkoliken, Ikterus.
  • Hämorrhoiden mit Jucken und Brennen im After und hartem, blutbezogenem Stuhl sowie Stuhltenesmen und pulsierenden Stichen im Os sacrum.
  • Durchfälle, Gastritis mit Druck im Magen. Bläschen an der Zungenspitze. Präkanzerose.
  • Nebennierenerschöpfung. Stress. Allgemeine Erschöpfung und depressive Stimmungslage. Blaue Ringe um und unter den Augen.
  • Gicht- und rheumatische Erkrankungen als Ausdruck einer mangelnden Nierenexkretion und darniederliegender Nebennierenfunktion (Steuerung der Bindegewebsfunktion). Im Zusammenhang damit
  • Hautaffektionen mit juckenden Bläschen, Pusteln u.a.
  • Neuropathische Anlage. Geistige Müdigkeit. Denkunfähigkeit. Erschöpfung mit Lähmigkeit und Steifigkeit in allen Gelenken.

Berberis ist stets dann indiziert, wenn eine allgemeine Homotoxinüberlastung vorliegt, die sich speziell durch eine Überlastung der Ausscheidungsorgane, wie Nieren und Leber, eventuell auch der Haut, zu erkennen gibt und die durch depositionsphasengebundene Homotoxine zu den verschiedensten Erscheinungen führen kann, wobei durch die toxisch bedingte Schwäche der Nebennierenfunktion auch Rückwirkungen auf das Mesenchym und das vegetative Nervensystem möglich sind.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Berberis vulgaris die folgenden Hauptindikationen für Berberis im Bundesanzeiger veröffentlicht: Nierenerkrankungen und Harnwegserkrankungen, insbesondere Nierensteinleiden. Gicht. Rheumatismus. Erkrankungen der Leber und Gallenblase. Trockene Hauterkrankungen. Fisteln.