Calcium carbonicum Hahnemanni

Deutsche Stoffbezeichnung: Austernschalenkalk

Verwendet werden die inneren Teile zerbrochener Schalen der Auster Ostrea edulis L./Ostreidae. Der Gehalt an Calciumcarbonat entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Verwendet werden die inneren Teile zerbrochener Schalen der Auster Ostrea edulis L./Ostreidae. Der Gehalt an Calciumcarbonat entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Calcium carbonicum oder kohlensaurer Kalk ist ein wichtiges Mineral, welches der Organismus zum Aufbau verschiedener Gewebe dringend benötigt. Speziell am Knochensystem wird Kalk in größeren Mengen benötigt und gespeichert. Man kann das Knochensystem auch als ein großes Kalkreservedepot des Organismus definieren. Kalk hat weiter Beziehungen zum Drüsengeschehen, speziell zur Glandula parathyreoidea, durch welche der Kalkstoffwechsel reguliert wird. Daraus resultieren die umfangreichen Anwendungsmöglichkeiten des homöopathisch zubereiteten Kalkes. Calcium carbonicum wird nicht nur bei Drüsenschwellungen, Hauterkrankungen und solchen des Skelettsystems, sondern auch bei Steinbildungen (Gallensteine, Nierensteine), bei Koxitis, ebenso bei Nabelkoliken und Schleimhautkatarrhen, zum Beispiel bei Fluor kleiner Mädchen (neben Mercurius jodatus flavus) und bei schmerzloser Heiserkeit angewandt.

Konstitutionell gesehen ist der Calcium carbonicum-Typ gedunsen, pastös, wasserreich, Zustände wie man sie vielfach bei der exsudativen Diathese findet. Speziell für diese letztere Erkrankung ist Calcium carbonicum eines der wichtigsten Heilmittel. Kinder in den ersten Lebensjahren neigen zu solchen Exsudationen, sei es, dass es sich um Milchschorf handelt, oder um Hyperhidrosis, wobei letztere eines der wichtigsten Symptome im Calcium carbonicum-Bild ist. Der Calcium carbonicum-Patient ist dabei meistens phlegmatisch und neigt zu konstitutioneller Fettsucht. Die Hautfarbe ist weiß, durch ödematöse Schwellung verändert oder sogar kreidebleich. Die Kinder fallen besonders durch ihre Schwerfälligkeit und Langsamkeit sowie Trägheit bei allen ihren Bewegungen auf. Sie zahnen spät und lernen spät laufen. In dem Temperament, das von dem des Sulfur-Temperamentes grundlegend verschieden ist, bestehen andernteils doch gewisse Ähnlichkeiten mit Sulfur, nämlich in der Neigung zu ekzematösen Hautaffektionen, ebenso wie man sie auch bei Graphites findet, bei welchem ebenfalls ein phlegmatisches Temperament mit Neigung zu Adipositas vorherrscht.

Die für Calcium carbonicum typischen Knochenveränderungen äußern sich besonders am Rückgrat und an den langen Röhrenknochen im Sinne der Rachitis, jedoch ist Calcium carbonicum auch angezeigt bei Osteomalazie und ebenso eines der wertvollsten Heilmittel bei persistierenden Fontanellen, wobei auch eine Neigung zu hydrozephalisch vergrößertem Schädel vorliegen kann.

Die Funktion des lymphatischen Apparates ist bei Calcium carbonicum-Patienten allgemein gestört. Man findet auch adenoide Vegetationen und Polypen in der Nase, in den Ohren, ebenso in Blase und Uterus.

Wenn schon auf die für Calcium carbonicum allgemein typische Hyperhidrosis hingewiesen wurde, so kann die Art der Schweißabsonderung noch genauer definiert werden. Der Patient leidet unter kalten, feuchten Füßen mit dem Gefühl, als wenn er kalte, feuchte Strümpfe trüge. Ebenso leidet er unter kalten Beinen mit Nachtschweißen. Dabei besteht ein innerliches und äußerliches Kältegefühl, zum Beispiel an den verschiedensten Teilen des Kopfes, als wenn ein Stück Eis daran läge. Typisch ist oft das blasse, gedunsene Gesicht. Dabei herrscht ein Gefühl der innerlichen Kälte vor, mit Empfindlichkeit gegen frische Luft, indem der leichteste kühle Luftzug durch und durch geht, ähnlich wie bei Silicea. Bei Säuglingen und Kleinkindern finden sich typische Kopfschweiße, wobei das Kopfkissen von Schweiß durchtränkt wird und die Haare am Hinterkopf abbrechen. Man findet dabei gelegentlich Hydrocephalus, Rachitis, daneben auch Cholera infantum und marantische Symptome. Schweiße der männlichen Geschlechtsteile, am Genick, an der Brust, an Achsel, Händen, Knien und Füßen, aber auch partielle Schweiße, auch Nachtschweiße ebenfalls bei Tuberkulose sind eine Indikation für Calcium carbonicum, besonders dann, wenn die Haut dabei kalt ist, speziell an den unteren Extremitäten.

Ein weiteres Symptom von Calcium carbonicum ist eine Übersäuerung entlang dem Verdauungskanal, charakterisiert durch saures Aufstoßen, saures Erbrechen geronnener Milch, wie man es bei Aethusa cynapium findet, auch saure Diarrhö, so dass das ganze Kind sauer riecht. Charakteristisch ist für Calcium carbonicum auch ein Verlangen nach Eiern, das sowohl während der Erkrankung als auch während der Genesung auftreten kann. Dabei finden sich typische Schwellungen des Magens, der nach außen vorgewölbt ist und wie eine umgekehrte Untertasse hervorsteht. Die Auftreibung mag durch die Schwellung der Mesenterialdrüsen zustande gekommen sein, für die Calcium carbonicum ebenfalls das Hauptmittel darstellt, ähnlich wie für chronisch vergrößerte Tonsillen. Durch Diarrhö, welche sich nachmittags verschlimmert, versucht sich der Organismus der Toxine vikariierend zu entledigen, wobei die Diarrhö verhältnismäßig schwächt. Die Wirkung von Calcium carbonicum auf die Schleimhäute zeigt sich auch an den Lungen und speziell am Kehlkopf, wo schmerzlose Heiserkeit besteht, die morgens schlimmer ist, während an der Lunge eine konstitutionelle Schwäche vorliegt, die sich häufig als Grundlage der Tuberkulose findet. Dabei ist meist der mittlere und obere Teil der rechten Lunge befallen (demgegenüber bei Sulfur mehr der obere linke). Im Calcium carbonicum-Bild findet sich auch eine Kurzatmigkeit beim Gehen und besonders beim Steigen.

Wenn Calcium carbonicum bei Frauen indiziert ist, so besteht meistens eine zu frühe und profuse Menstruation, wobei die Patientinnen über kalte Füße bis zu den Knien klagen. Im Gegensatz zu der pastösen Gedunsenheit kann im Kalziumbild bei weiter fortschreitender Erkrankung der Appetit völlig fehlen und eine fortschreitende Abmagerung die Folge sein.

Dabei findet man als Leitsymptom meistens kalte Hände und Füße, allgemeine Frostlosigkeit und Kälteempfindung, Neigung zum Schwitzen, eventuell auch Nachtschweiße (Klimax).

Der für Calcium carbonicum typische Fluor albus ist milchig, wie er sich häufig bei kleinen Mädchen findet, ohne Blutbeimengungen. Auch die für Calcium carbonicum typischen Polypen bluten nicht, sondern neigen mehr zu schleimigen Absonderungen.

Wenn die wichtigsten Symptome von Calcium carbonicum kurz zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes charakteristisches Arzneiwirkungsbild:

  • Leukophlegmatisches Temperament mit Entwicklungsstörungen des Skelettsystems. Neigung zu Rachitis und Osteomalazie. Verlangsamte Schließung der Fontanellen. Ausbildung eines großen Kopfes. Neigung zu Hydrozephalus. Späte Zahnung, spätes Laufenlernen der Kinder.
  • Schwellungen der Lymphknoten (Tonsillen, Hilusdrüsen, Mesenterialdrüsen). Skrofulose.
  • Auftreibung des Bauches. Mesenterialdrüsenkoliken.
  • Kältegefühl an Händen und Füßen mit der Empfindung wie nasse Strümpfe.
  • Frostigkeit, Abneigung gegen Kälte und frische Luft. Allgemeine Kälteempfindung, aber auch umschrieben an Kopf, an Knien, Füßen.
  • Partielle und allgemeine Schweiße, tags und nachts, besonders Schwitzen am Hinterkopf sowie Schwitzen bei der geringsten Anstrengung, umschriebene Schweiße zwischen den Schenkeln oder an den Füßen und Händen oder an den Genitalien. Klimakterische Schweiße.
  • Milchschorf und Neigung zu Grind. Exsudative Diathese. Geschwollene, gedunsene Haut, die weiß, blass und pastös wie gedunsen ist. Milchiger Fluor albus.
  • Polypenbildungen, speziell in der Nase, im Ohr und im Uterus. Schleimpolypen nicht blutend.
  • Frühe und starke, zu lange Menstruation, speziell während des Klimakteriums.
  • Saure Durchfälle, Erbrechen saurer und geronnener Milch. Das ganze Kind riecht sauer.
  • Starkes Verlangen nach Eiern, speziell bei Erkrankungen oder in der Rekonvaleszenz.
  • Schmerzlose Heiserkeit, schlimmer am Morgen.
  • Koxitis, Arthritis mit Veränderungen der Gelenke. Ohrgeräusche.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Calcium carbonicum Hahnemanni die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Kalkstoffwechselstörungen. Chronische Haut- und Schleimhauterkrankungen. Proliferative Schleimhautprozesse.