Chelidonium majus

Deutsche Stoffbezeichnung: Schöllkraut

Verwendet wird der frische Wurzelstock mit anhängenden Wurzeln von Chelidonium majus L./Papaveraceae.

Die zu den Papaveraceen gehörende Stammpflanze Chelidonium majus, das Schöllkraut, findet sich in Europa, Südasien und Afrika als Wildkraut an Wegrainen, Ackerrändern und auf Schutthalden. Beim Abbrechen der hellgelben Blüten, der Blätter, der Stengel oder der zylindrischen, mehrköpfigen Wurzel, die mit zahlreichen langen Fasern besetzt ist, tritt ein gelblicher Milchsaft aus, was dem Schöllkraut in der Volksmedizin den Ruf einer Heilwirkung bei Leber-Gallenleiden eingetragen hat. Der gelblich milchige Saft ist der Galle ähnlich, woraus sich ferner gewisse Beziehungen von Chelidonium zu den Erkrankungen der abführenden Gallenwege auch im Sinne der Signaturenlehre ergeben.

Eines der durch die homöopathische Arzneimittelprüfung festgestellten Hauptsymptome des Schöllkrautes ist nun tatsächlich ein Leber-Gallen-Symptom, nämlich ein heftiger, scharfer oder dumpfer, festsitzender Schmerz am unteren inneren rechten Schulterblattwinkel. Die Schmerzen strahlen eventuell bis in die Gegend des rechten Rippenbogens ab oder gehen auch von dort aus. Bei Chelidonium finden sich speziell rechtsseitige Beschwerden, die in irgendeinem Zusammenhang mit der Leber zu stehen scheinen. Auch ein rheumatischer Schmerz im rechten Schultergelenk reagiert oft günstig auf Chelidonium, ebenso wie in zahlreichen Fällen eine rechtsseitige Supraorbitalneuralgie Chelidonium als Heilmittel erfordert. Auch bei rechtsseitiger Lungenentzündung, die im Gefolge von Leberstörungen auftreten kann oder durch solche kompliziert wird, ist Chelidonium hilfreich, ebenso bei rheumatischen Beschwerden, die in die Hüften, in die Oberschenkel und Füße abstrahlen und besonders rechtsseitig auftreten. Der rechte Fuß ist dabei oft eiskalt, der linke hat demgegenüber natürliche Wärme.

Als weiteres Symptom von Chelidonium ist der bittere Geschmack zu erwähnen, ebenfalls ein leberbedingtes Symptom, wobei auch die Zunge häufig dick-gelb belegt ist und rote Ränder mit Zahneindrücken zeigt, ähnlich wie bei Mercurius.

Ikterus, verbunden mit heftigem Hautjucken und sonstigen Manifestationen der Gallenfarbstoffe (im Urin usw.), ist ebenfalls eine Indikation für Chelidonium. Auch dann, wenn die Stühle lehmfarbig oder goldgelb sind, wenn der Urin durch Gehalt an Gallenfarbstoffen zitronengelb oder dunkelbraun verfärbt ist, liegt eine Indikation von Chelidonium vor. Dabei besteht häufig Appetitsverlust, verbunden mit Ekel, Übelkeit und Erbrechen galliger Massen. Der Patient erbricht alles außer heißen Getränken.

Chelidonium ist also ein charakteristisches Leber-Gallenmittel mit typischem Heilumfang, als Basistherapeutikum indiziert bei Cholangitis, Cholezystitis, Cholelithiasis, wobei sich höhere Potenzen oftmals besser bewährt haben als die sonst üblichen Tiefpotenzen, speziell auch bei schmerzhaften Krisen und Kolikzuständen. Wenn das Symptomenbild von Chelidonium tabellarisch umrissen wird, so findet sich folgende Übersicht:

  • Leber-Gallenmittel. Cholelithiasis. Cholezystitis. Cholangitis. Icterus catarrhalis und Ikterus bei Steinverschluss.
  • Schmerzen unter dem rechten Schulterblattwinkel und unter dem rechten Rippenbogen, eventuell wandernd und durchstrahlend. Gallenkoliken. Die Schmerzen werden durch heiße Getränke gebessert.
  • Bitterer Geschmack. Erbrechen galliger, bitterer Massen. Alle Nahrungsmittel werden erbrochen, heiße Getränke bleiben beim Patienten.
  • Rheumatische Beschwerden im rechten Schulterblatt und neuralgische Schmerzen über dem rechten Auge und in der rechten Schläfe.
  • Nach Diätfehlern, Ärger usw. auftretende Migräne rechts.
  • Rechtsseitige Pneumonie und sonstige rechtsseitige Beschwerden, zum Beispiel solche rheumatischer Art in der Hüfte und im rechten Bein.
  • Der rechte Fuß ist kalt, der linke warm und normal durchblutet.

Bei Leber-Gallenleiden der geschilderten Art, welche sich fast immer auf Ernährungsfehler zurückführen lassen, ist Chelidonium, den in breitesten Schichten der Bevölkerung heute üblichen Ernährungsgewohnheiten entsprechend, eines der wichtigsten Heilmittel. Dabei kann Chelidonium zwar in der Tiefpotenz zum Beispiel bis D4, günstige Wirkungen entfalten, pflegt aber, speziell bei chronischen Fällen, die in Vielzahl anzutreffen sind, sowie bei Kolikzuständen bessere Wirkungen in höheren Potenzen zu entfalten. Gute Neben- und Folgemittel zu Chelidonium sind dabei Lycopodium und Belladonna. Beide Präparate sind hauptsächlich rechtsseitig orientierte Heilmittel, wobei Lycopodium die Leberfunktion aufbessert und Belladonna spastischen und entzündlichen Erscheinungen entgegenwirkt. Es empfiehlt sich daher in zahlreichen Fällen, diese beiden Präparate mit Chelidonium im Wechsel, eventuell auch gemischt zu verabreichen, da die Wirkung dann nach dem Bürgi-Prinzip verstärkt wird.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Chelidonium majus die folgenden Hauptindikationen für Chelidonium im Bundesanzeiger veröffentlicht: Entzündungen, Steinbildungen und chronische Störungen des Leber-Gallen-Systems. Entzündung der Atemorgane und des Rippenfelles. Rheumatismus.