Cinchona pubescens

Synonyme: China, Cinchona succirubra

Deutsche Stoffbezeichnung: Chinarinde

Verwendet wird die getrocknete Rinde jüngerer Stämme und älterer Zweige der in den Anden wildwachsenden, in Ostindien, namentlich auf Java angebauten Stammpflanze: Cinchona cuccirubra Pavon, ihren Varietäten oder Hybriden/Rubiaceae. Der Gehalt an Gesamtalkaloiden sowie der Alkaloide vom Chinin-Typ entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Der in Peru und Bolivien, in Indien und vor allem auf Java angebaute Chinarindenbaum Cinchona succirubra aus der Familie der Rubiaceen ist als Stammpflanze eines der wichtigsten Heilmittel, aus dem das früher als Spezifikum gegen Malaria verwandte Chinin gewonnen wird, bekannt. Als Volksmittel wurde die Chinarinde gegen Fieber, speziell gegen Wechselfieber angewandt, aber auch als Bittermittel zur Herstellung von Schnäpsen und bei Erschöpfungszuständen gebraucht. In der Homöopathie wird China weniger häufig als Fiebermittel verwandt, sondern mehr bei Schwächezuständen und Anämie nach Säfteverlusten jedweder Art eingesetzt, wobei sowohl starke Blutverluste als auch Verluste von Säften beim Stillen, bei Eiterungen, chronischen Durchfällen, Milch-, Speichelfluss, Fluor albus, Samen usw. eine Indikation bilden. Bei plötzlichen Entleerungen von Körpersäften kann als Folge Ohnmacht mit Klingen in den Ohren sowie Verlust des Sehvermögens auftreten.

Die Symptome der China sind durch blasses, gelbliches Gesicht mit eingesunkenen, dunkel umränderten Augen gekennzeichnet, durch klopfende Kopfschmerzen, ferner durch leichtes Schwitzen bei der geringsten Bewegung oder Anstrengung sowie durch Nachtschweiße. Auch anämischer Kopfschmerz mit Lufthunger ist charakteristisch, verbunden mit einer allgemeinen Labilität des Gefäßnervenapparates, mit Kongestionen zum Kopf und zur Brust, mit Pulsieren der Karotiden, eventuell mit Ödemen. Dabei besteht weiterhin eine Neigung zu profusen, dunklen Blutungen aus verschiedenen Organen, die nach der China-Medikation, wenn sie vorübergehend durch irgendwelche Hämostyptika behoben wurden, wieder in Erscheinung treten können, wenn China in zu niedriger Dosierung gegeben wird. Es hat sich daher allgemein als zweckmäßig herausgestellt, bei vorhandenen Blutungen zunächst die Blutungen selbst symptomatisch anzugehen (z.B. mit Cinnamomum-Zubereitungen), und erst anschließend China zur Behebung der sekundären Anämie einzusetzen.

Infolge der durch Säfteverluste bedingten humoralen Dystonie zeigen sich auch im Symptomenbild der Chinarinde Leberfunktionsstörungen mit Appetitlosigkeit, Abmagerung, Klumpengefühl unter dem Sternum, ähnlich wie bei Pulsatilla, ferner Meteorismus, Appetitlosigkeit nach wenigen Bissen und Aufstoßen, wodurch jedoch nur vorübergehende Erleichterung erreicht wird. Die Speisen werden meist unverdaut wieder erbrochen. Dabei besteht Durst auf kaltes Wasser und Verlangen nach Schnäpsen und nach Zucker (ähnlich wie bei Argentum nitricum). Auch Ikterus kann bestehen und es können sich Gallensteine und verminderte Harnsäureausscheidung zeigen, eventuell verbunden mit Darmspasmen und übelriechendem Flatus. Der diarrhöische Stuhl ist schmerzlos, tritt nach dem Essen und nachts, besonders nach Obstgenuss auf und zeigt unverdaute Nahrungspartikel.

Während die Fieberattacken, wie sie bei Malaria periodisch auftreten, durch die China-Tinktur in seltenen Fällen gebessert werden, kann durch Chininum sulfuricum in allopathischer Dosis eventuell eine Unterdrückung des Fiebers erzielt werden, während diese Zubereitung nach homöopathischen Gesichtspunkten bei Ohrensausen Anwendung findet, zum Beispiel beim Menière-Symptomenkomplex. Dabei sind die Fieberzustände bei denen China wirksam ist, außerordentlich charakteristisch, indem sich das Fieber einen Tag um den anderen verschlimmert. Diese von Tag zu Tag wechselnde Verschlimmerung der Symptome ist nicht nur für das Fieber charakteristisch, sondern auch für Kopfschmerzen und sonstige Affektionen irgendwelcher Art, die in täglich wechselndem Rhythmus auftreten. Nash berichtet, dass er mit China zahlreiche Enttäuschungen bei der Behandlung von Wechselfieber gehabt hat, während er mit anderen Mitteln, zum Beispiel mit Eupatorium perfoliatum, Natrium muriaticum oder Arsenicum album zu guten Behandlungsergebnissen hierbei kam.

Es darf erwähnt werden, dass Hahnemann zur Findung des homöopathischen Simile-Prinzips durch einen Eigenversuch mit der Chinarinde kam. Es zeigten sich bei ihm nach Einnehmen der Chinarinde Fiebersymptome wie bei Wechselfieber. Hahnemann war zu diesem ersten Experiment in der Geschichte der Medizin durch eine Notiz in Cullens Materia medica angeregt worden, nach welcher China sowohl Fieber erzeugen als auch (durch angebliche Beeinflussung der Magenfunktion) Fieber heilen könne.

Die den China-Patienten innewohnende Schwäche wird auch durch Empfindlichkeit gegen Luftzug und gegen Berührung charakterisiert, wobei besonders die Kopfhaut empfindlich ist, als wenn die Haare wehtäten. Demgegenüber pflegt starker Druck, ähnlich wie bei Bryonia, zu lindern. Eine Schwäche zwischen den Schulterblättern, die auf eine Scheuermann-Erkrankung hinweist, ist für China typisch. Auch bei Osteochondrose der Wirbelsäule ist China wirksam, wenn Schwächesymptome vorherrschen. Die Patienten sind matt, fühlen sich kraftlos und elend, dass sie nicht in der Lage sind, die erforderliche Haltungskorrektur durchzuführen.

Erwähnt werden muss noch eine gewisse Empfindlichkeit im linken Hypogastrium, etwa der topographischen Lage der Milz entsprechend, eventuell verbunden mit schmerzlosem Durchfall unverdauter Speisen, mit Gasbauch und Aufstoßen, welches keine oder nur vorübergehende Erleichterung bringt (im Gegensatz zu Carbo vegetabilis und Argentum nitricum), und mit Abgang übelriechender Blähungen, wie bereits erwähnt.

Wenn die Hauptsymptome von China kategorisiert werden, so ergibt sich folgendes charakteristisches Arzneimittelbild:

  • Erschöpfungszustände und Schwäche nach Säfteverlusten jedweder Art. Appetitlosigkeit. Sekundäre Anämie. Schwäche zwischen den Schulterblättern, kann nicht ohne Lehne sitzen. Scheuermann-Erkrankung. Erschöpfungszustände bei Osteochondrose.
  • Leberfunktionsstörungen und Reizzustände im Gallensystem. Cholelithiasis, Cholangitis und Cholezystitis. Leber und Milz geschwollen mit Empfindlichkeit. Ikterus. Gallen- und Milzerkrankungen.
  • Meteorismus mit Aufstoßen ohne Erleichterung. Neigung zu schmerzloser Diarrhö mit unverdauten Speisen und stinkenden Blähungen.
  • Chronische Neuralgien und sonstige Beschwerden, die sich jeden zweiten oder dritten Tag verschlimmern. Empfindlichkeit besonders der Kopfhaut gegen Berührung und Luftzug.
  • Verlangen nach Kaffee. Empfindlichkeit gegen Kälte. Neigung zu profusen Blutungen.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Cinchona succirubra die folgenden Hauptindikationen für China im Bundesanzeiger veröffentlicht: Fieberanfälle. Allgemeine Blutvergiftung. Entzündungen der Atemwege. Akute Durchfälle. Verdauungsschwäche. Gallenkoliken. Schleimhautblutungen. Blutarmut. Allgemeine Entkräftung. Hautausschlag. Nervenschmerzen.