Colchicum autumnale

Synonym: Colchicum

Deutsche Stoffbezeichnung: Herbstzeitlose

Verwendet werden die frischen, im Frühjahr gesammelten Zwiebelknollen von Colchicum autumnale L./Liliaceae.

Die Hauptwirkung erstreckt sich nach Heinigke auf einzelne Gebiete der Schleimhaut (Magen und Dünndarm), der seriösen Häute (Brustfell, Bauchfell und Herzbeutel), der fibrösen Gewebe (Gelenkbänder und Sehnen, besonders kleinerer Gelenke) und der Muskelfasern (besonders der Thoraxmuskulatur und des Zwerchfells), wo Entzündungsvorgänge vorherrschen.

Bei Vergiftungen werden heftige Magen-Darm-Entzündungen beobachtet mit Sinken aller Kräfte und Tod bei vollem Bewusstsein.

In tabula wurde gefunden: Bluterguss am Magenpförtner zwischen Schleim- und Muskelhaut, Bluterguss im Jejunum zwischen Schleimhaut und Peritoneum, ebenso unter der Pleura und dem Perikard. Die Lungen, das rechte Herz und die Hohlvenen waren mit schwarzem, dickem Blut erfüllt.

Bei homöopathischen Prüfungen wurden weiterhin beobachtet: Muskel- und Gelenkschmerzen mit gesteigerter, allgemeiner Reizbarkeit und Verschlimmerung zur Nachtzeit sowie bei Bewegung des Körpers oder bei Berührung der schmerzenden Teile. Dabei bestand Abspannungsgefühl und Sinken der Kräfte bis zum Unvermögen, zu sprechen, ferner Streck- und Beugekrämpfe, ferner Kälte der Hände und Füße, nach großen Gaben auch Lähmungserscheinungen.

Typisch für Colchicum ist auch ein unruhiger durch Schmerzen gestörter Schlaf mit häufigem Aufschrecken. Dabei besteht erregte Gemütsstimmung und Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit, Verdrossenheit und melancholische Depression.

Charakteristisch für Colchicum ist ein leidender Gesichtsausdruck, der auf Hinfälligkeit hinweist, besonders bei gynäkologischen Affektionen (Neoplasien) mit kühler, blasser Haut und braungeränderten, tiefliegenden Augen (Halonierung bei Überlastung der Abwehrsysteme). Auch können die Mundwinkel zucken und Nervenschmerzen am Jochbein und im Unterkiefer vorliegen sowie Krämpfe der Kiefermuskeln, verbunden mit Zähneknirschen.

In Prüfungsprotokollen wird berichtet über die Bildung eines Linsenkapselstars mit Aufquellung der Linse, Hervortreiben der Iris und staphylomatöser Hervorwölbung der Kornea, darauf allmählich erfolgende Rückbildung dieser krankhaften Vorgänge (Heinigke).

Typisch sind besonders die rheumatoiden Schmerzen in der Muskulatur und in den Gelenken des Rückens, der oberen und unteren Extremitäten mit stellenweisem Ausfall der Sensibilität. Bei anfangs beschleunigter Herztätigkeit erfolgt oft ein späteres Sinken der allgemeinen Energie, bei Fiebersteigerung ein Wechsel zwischen Frost und Hitze, dabei reichliche, stark sauer riechende Schweiße, Kälte des Gesichts und der Extremitäten und Stiche am Herzbeutel.

An den Verdauungsorganen zeigen sich Brennen im Munde bei großer Trockenheit der Schleimhaut, Schmerzen im Zahnfleisch und in den Zähnen, wodurch das Kauen behindert wird. Schwere und Steifigkeit der Zunge können vorliegen sowie Zusammenschnürungsgefühl und Schluckbeschwerden bei Schleimhautkatarrhen mit vermehrter Schleimabsonderung, auch Schmerzen entlang der Speiseröhre und heftiger Durst.

Typisch ist Appetitlosigkeit, Ekel und Übelkeit besonders beim Geruch gekochter Speisen. Dabei ist der Bauch aufgetrieben (Meteorismus) mit häufigem Aufstoßen, anhaltendem Singultus; heftiges Erbrechen, Darmkoliken und diarrhöische Stühle, Kältegefühl in der Tiefe der Magengegend mit Schmerzen und Krämpfen. Dabei besteht Stuhldrang mit Obstipation oder es finden sich reichliche gallige Durchfälle mit Fetzen von krupösen Membranen, blutige und blutig-schleimige Stühle, eventuell Anusvorfall mit Kolikzuständen und ruhrartigen Erscheinungen.

Auch Blasen- und Nierenbeschwerden können vorliegen mit viel Urintenesmen und Schmerzen in der Urethra.

Nash beschreibt den Fall einer 75jährigen Frau, welche plötzlich von Übelkeit befallen wurde. Es folgten blutige profuse Stühle, die dann geringer und blutig-schleimig wurden mit heftigem Tenesmus und Darmschmerzen. Auf die üblichen Mittel wie Aconitum, Mercurius, Nux vomica, Ipecacuanha, Hamamelis und Sulfur trat keine Besserung ein. Im Gegenteil verschlimmerte sich der Zustand nach 12 Tagen so rapide, dass sie sterbenskrank schien. Sie konnte vor Schwäche den Kopf nicht vom Kopfkissen heben. Innerhalb 24 Stunden wurden 75 Stühle gezählt, die im Bett abgegangen waren. Dabei verschlimmerten sich die Schmerzen und die Zahl der Entleerungen und alle Symptome charakteristisch vom Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang, ein für Colchicum außerordentlich wichtiges charakteristisches Kennzeichen.

Bei diesem Fall war charakteristisch der Ekel vor dem Geruch kochender Speisen, wodurch Nash auf die Verordnung von Colchicum (D200) hingewiesen wurde (da er eine tiefere Potenz nicht zur Hand hatte). Durch die rasche Genesung der Patientin aufgrund der Hochpotenz Colchicum D200 wurde Nash, wie er schreibt: „Gegen meinen Willen belehrt, aber noch nicht bekehrt.“

Nash erwähnt von Colchicum noch das heftige Brennen und die eisige Kälte im Magen. Diese Gegensätze können sich auch am Unterleib finden. Besonders häufig ist Colchicum bei Herbstruhr angezeigt, bei weiß- oder blutig-schleimigen Stühlen, wie mit Schleimhautfetzen durchsetzt. Ähnliche Stühle hat Cantharis, die wie Geschabtes aussehen, wobei dann meistens auch Harntenesmen und Blasenschmerzen vorhanden sind.

Colocynthis ist ebenfalls bei solchen Stühlen indiziert, jedoch wird es durch die zusammenkrümmenden, kolikartigen Schmerzen von Cantharis und Colchicum unterschieden. Denn die starke Auftreibung des Bauches mit Blähungen ist charakteristisch für Colchicum sowie die eventuell in die Oberschenkel abstrahlenden Schmerzen und Krampfzustände.

Zu denken ist differentialdiagnostisch auch an Carbo vegetabilis, China oder Lycopodium.

Boericke weist auf die große Erschöpfung und innere Kälte hin, die Empfindlichkeit gegen Berührung und Bewegung, auf die vom Abend bis zum Morgen andauernde Verschlimmerung, die gichtigen Erscheinungen, besonders auch gichtige Entzündungen der Großzehen, Gicht in der Ferse, und auch typische Schmerzen vorn am Oberschenkel.

Colchicum hat sich auch als wirksam bei Dedifferenzierungsphasen erwiesen, speziell wenn Appetitlosigkeit vorliegt und eventuell Ekel gegen den Geruch kochender Speisen besteht.

Diese Wirkung wird gestützt durch das Ergebnis pharmakologischer Untersuchungen, da sich herausgestellt hat, dass Colchicin, der Hauptwirkstoff der Herbstzeitlose, ein typisches Mitosegift ist, indem der Spindelapparat blockiert wird und (Krebs-)Zellen an der weiteren Teilung gehindert werden.

Als nach der Währungsreform 1948 wieder Schinken und Speck zur Verfügung standen, erkrankten zahlreiche ältere Menschen an Magenkrebs. Der Verfasser konnte eine ganze Anzahl dieser Kranken seinerzeit über Monate und sogar Jahre hinweg mit Colchicum und Conium, alle ein bis zwei Tage wechselnd subkutan injiziert, stationär halten.

Wenn die Hauptsymptome von Colchicum zusammengefasst werden, ergibt sich folgendes typische Arzneimittelbild:

  • Gichtige Erkrankungen mit wandernden Beschwerden. Rheumatismus. Polyarthritis rheumatica mit Endokarditis und Hydrops (Pleura, Perikard, Peritoneum). Große Erschöpfung. Kann kaum sprechen vor Hinfälligkeit. Halonierung (Augen).
  • Ödeme bei Herz- und Nierenleiden. Nephritis nach Scharlach. Rheumatische Iritis. Schleimhautkatarrhe (Mund, Zunge).
  • Herbstdurchfälle, blutig-schleimig, wie Darmschabsel.
  • Überempfindlichkeit gegen Gerüche. Schon der Geruch kochender Speisen macht Übelkeit und Brechreiz mit Würgen.
  • Vom Unterleib und der Blase bis in die Oberschenkel ausstrahlende Schmerzen.
  • Karzinom und Dedifferenzierungsphasen der verschiedensten Art, speziell bei Appetitlosigkeit und Ekel vor dem Geruch kochender Speisen.
  • Verschlimmerung vom Abend bis zum Morgen (nachts). Gesteigerte Reizbarkeit.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Colchicum autumnale die folgenden Hauptindikationen für Colchicum im Bundesanzeiger veröffentlicht: Akute und chronische Gicht. Akuter Gelenkrheumatismus. Sehnenscheidenentzündung. Ergüsse in Körperhöhlen. Nierenentzündung. Entzündung des Magen-Darm-Kanals.