Conium maculatum

Synonym: Conium

Deutsche Stoffbezeichnung: Schierling

Verwendet wird das frische, blühende, jedoch noch nicht fruchtende Kraut der in Europa und Asien an feuchten, schattigen Orten, an Wegen, Hecken und auf Feldern vorkommenden Stammpflanze: Conium maculatum L./Umbelliferae.

Conium maculatum, der gefleckte Schierling, ein großes Polychrest, weist in konzentrierter Form massive Giftwirkungen auf, die aus der Vergiftung des Sokrates allgemein bekannt sind. Danach verursacht Conium eine von unten nach oben aufsteigende Lähmung. Dieses Symptom tritt in der homöopathischen Symptomatologie ebenfalls in Erscheinung. Außerdem ist der Drehschwindel eines der Hauptsymptome von Conium.

Nash beschreibt als weiteres wichtiges Symptom von Conium eine typische Augenentzündung bei Patienten, die an Struma leiden, bei welchen Conium vor allen Dingen wegen einer ungewöhnlich intensiven Lichtscheu angezeigt ist, die in gar keinem Verhältnis zu dem Grade der tatsächlichen Augenentzündung steht und die nur im Dunkeln und durch Druck gebessert wird, wobei andernteils auch Hornhautgeschwüre vorhanden sein können.

Ein anderes wichtiges Symptom von Conium, wobei man in diesem Falle der höheren Potenz den Vorzug geben sollte, ist eine steinhart sich anfühlende Drüsenschwellung und Verhärtung mit Prickeln und Stechen, die speziell nach Kontusionen und Quetschungen, in vielen Fällen als anfangs scheinbar harmloser Mammaknoten auftritt. Diese können sich durch Conium häufig überraschend zurückbilden, besonders wenn ein Stoß gegen die Brust oder eine Verletzung die Ursache war.

Der Verfasser hat kurz nach dem Kriege eine Patientin (die Ehefrau eines Fleischers) behandelt, die an steinharten Metastasenknoten in den Bauchdecken litt, die wahrscheinlich als ein in die Bauchdecke hineingewuchertes Gallenblasenkarzinom anzusehen waren. Den Hinweis auf die Medikation von Conium ergab das Symptom der steinharten Knoten, die keinesfalls mit Tuberkuloiden, Mykosis fungoides oder anderen Hauterkrankungen hätten verwechselt werden können. Auf die Conium-Gaben kam es nach etwa 10 Tagen zu einem plötzlichen Erweichen der Metastasen und Aufbrechen mit nachfolgender langwieriger Fisteleiterung, durch die sich über 90 Gallensteine entleerten, so dass damit die wahrscheinlich vorliegende Dedifferenzierungsphase regressiv vikariierend in toto in eine Inflammationsphase, nämlich in die suppurierende Fistel umgesetzt war. Die Patientin ist auch nicht an diesem Leiden verstorben, sondern erst 10 Jahre später einem Herzinfarkt erlegen. Man gibt Conium also auch bei krebsartigen Erkrankungen der Brüste, der Gebärmutter oder anderer Organe, wobei die Schmerzen, welche für Conium sprechen, brennend, stechend oder schießend sind, so dass man auch an Apis mellifica denken könnte.

Conium hat auch eine erhebliche Wirkung auf die Sexualorgane, indem bei den Männern meistens eine große Schwäche besteht mit heftigem Verlangen und Liebesgedanken, denen die Patienten nachzukommen aber unfähig sind. Diese Zustände finden sich häufig im fortgeschrittenen Lebensalter, ebenso wie unwillkürliche

Unterbrechungen des Harnstrahls, die auch unter Clematis auftritt, speziell bei Prostatahypertrophie. Begleitend kann Zystitis mit eitrigem Urin bestehen.

Auch Nacht- oder Tagschweiße, die sofort beim Einschlafen auftreten, sind ein Hinweis für Conium. Hierzu kommen noch sonstige Alterserscheinungen verschiedenster Art, Arteriosklerose und fortschreitende Kachexie. Auch Koordinationsstörungen bei Tabes und sensible Reizerscheinungen sprechen auf Conium an (ähnlich Argentum nitricum).

Seitens der Gehirnfunktionen finden sich Gedächtnisschwäche, verminderte Denkfähigkeit, Aphasie, eventuell auch Tremor, Ohrensausen und Schlaflosigkeit, die auf Conium ansprechen. An den Schleimhäuten werden Reizungen mit Trockenheit und Geschwüre mit übelriechender Absonderung beobachtet.

Typisch für Conium ist ferner ein heftiger Kitzelhusten, der besonders nachts beim Liegen auftritt und wie von einem trockenen Fleck ausgeht. Häufig tritt dieser Husten bei Lungentumoren auf, aber auch bei akuter Erkältung und bei Tuberkulose mit Schwierigkeit der Expektoration (wobei auch Lachesis nebenher nützlich sein kann). Die Schleimhäute weisen auch sonst Reizzustände auf, zum Beispiel im Sinne einer Glossitis ulcerosa, von Zungenrhagaden, Magenschmerzen mit Erbrechen, Durst und Verlangen nach Saurem, wie es sich häufig bei Magenkarzinom findet. Auch blutig schleimige Durchfälle oder auch Obstipation mit Ohnmacht nach dem Stuhlgang, ähnlich wie bei Nux vomica sprechen für Conium.

Alle Beschwerden werden durch Kälte und Ruhe und speziell nachts verschlimmert.

Es ergeben sich in übersichtlicher Darstellung folgende Hauptsymptome:

  • Von unten nach oben aufsteigende Lähmung.
  • Drehschwindel.
  • Allgemeine Alterserscheinungen. Arteriosklerose. Fortschreitende Kachexie. Koordinationsstörungen. Gedächtnisschwäche. Aphasie. Tremor. Ohrensausen. Schlaflosigkeit.
  • Prostatahypertrophie mit Blasenreizung. Unterbrechung des Harnstrahles. Zystitis.
  • Steinhart sich anfühlende Drüsenschwellungen mit Verdacht auf Dedifferenzierungsphasen. Mammaknoten.
  • Bei Dedifferenzierungsphasen zur Konstitutionsbehandlung.
  • Heftiger Kitzelhusten, wie von einem trockenen Fleck ausgehend.
  • Ulzerationen an Schleimhäuten. Zungenrhagaden.
  • Blutig-schleimige Durchfälle oder Obstipation mit Ohnmacht nach dem Stuhlgang.
  • Verlangen nach Saurem.
  • Verschlimmerung durch Kälte, Ruhe und speziell nachts.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Conium maculatum die folgenden Hauptindikationen für Conium im Bundesanzeiger veröffentlicht: Verkalkungen der Hirngefäße. Lähmung und Lähmigkeit. Drüsenschwellungen. Neubildungen in verschiedenen Organen. Verstimmungszustände.