Graphites

Deutsche Stoffbezeichnung: Graphit

Verwendet wird das natürlich vorkommende Mineral Graphit (eine natürliche Modifikation des Kohlenstoffs).

Graphit hat in seiner Wirkung eine gewisse Verwandtschaft zu Carbo vegetabilis, aber auch zu anderen Antipsorika, speziell zu Sulfur. Charakteristisch ist nach Dahlke eine durch das ganze Mittel hindurchgehende Neigung zur Rhagadenbildung und zu Hauterkrankungen verschiedener Art, einhergehend mit krustigen Ausschlägen und Absonderungen einer klebrigen, honigartigen Flüssigkeit, die zu Borken erstarrt.

Hauterkrankungen, die Graphites erfordern, sind mit Vorliebe auf den Beugeseiten lokalisiert. Das Jucken ist in der Hitze und in der Bettwärme schlimmer. Dabei besteht ein pastöses Aussehen, Obstipation und eine traurige Stimmung mit Unruhe, Ängstlichkeit und Gedankenschwäche, so dass man für Graphites-Typen die Schlagworte geprägt hat: Dick – dumm – verstopft. Dieses besteht aber durchaus insofern nicht zu Recht, als auch andere Symptome, die nicht ausgesprochen in diese Charakteristik fallen, sehr gut durch Graphites beeinflusst werden, wie zum Beispiel allgemeiner Haarausfall bei harten und brüchigen Haaren und Alopecia areata. Auch verschiedenartige Ohrgeräusche und Hörstörungen sind Indikationen für Graphites, eventuell verbunden mit chronischem Ohrausfluss, der wie Heringslake riecht. Die Ausschläge von Graphites finden sich meistens in Körperfalten (Beugeseiten) und an Körperöffnungen, so auch hinter den Ohren, an den Nasenlöchern, die aufgesprungen, wund und krustig sind, verbunden eventuell mit übelriechender Absonderung (Ozaena), wobei die Nase selbst trocken ist.

Kolikartige brennende Magenschmerzen, welche durch Essen gebessert werden und mit Meteorismus verbunden sind, werden ebenfalls durch Graphites beeinflusst, eventuell auch Zustände von Präkanzerose im Bereich des Pylorus.

Auch um den Anus herum finden sich juckende Ausschläge, eventuell Hämorrhoiden, die heraustreten und vor Schmerz nicht das Sitzen erlauben.

Bei Frauen findet sich Widerwille gegen Koitus, Kältegefühl in der Vagina und scharfer, weißer Fluor albus, gussweise hervorschießend. An den Fingern und Zehen sind die Nägel verdickt und gespalten. Auch übelriechende Fußschweiße werden durch Graphites gut beeinflusst. Dabei besteht allgemein leichte Erkältlichkeit sowie Empfindlichkeit gegen Kälte. Auch neigen die Graphites-Patienten zu Schwellung und Verhärtung der Drüsen.

Nash führt einen Fall von Ekzem an den Beinen an, bei dem zunächst Sulfur eingesetzt wurde, woraufhin sich am ganzen Körper ein Ausschlag entwickelte, der mit Absonderung einer klebrigen zähen Flüssigkeit einherging. Durch nachfolgenden Einsatz von Graphites wurde dieser Ausschlag dann geheilt. Auch bei Kopfekzemen oder, wenn nach Unterdrückung von Ekzemen braune flüssige Stühle mit unverdauten Stoffen gemengt und von einem unerträglichen Geruch eintreten, ist Graphites das Heilmittel. Ekzem der Augenlider, mit Schuppen und Schorf bedeckte Lidränder, werden durch Graphites geheilt, während für Sulfur mehr gerötete Körperöffnungen charakteristisch sind. Nash hebt noch hervor, dass die für Graphites charakteristischen knotigen und umfangreichen Stühle zuweilen durch Schleimfäden verbunden sind und dass nicht nur Afterfissuren, sondern allgemeine Fissuren an Fingerspitzen, Brustwarzen, Mundwinkeln, zwischen den Zehen usw. für Graphites charakteristisch sind. Auch Atherome werden durch Graphites beeinflusst.

Dahlke erwähnt als klinische Indikation für Graphites noch skrofulöse Augenleiden, Gerstenkörner, spärliche Menstruation mit vikariierenden Blutungen und Herunterdrängen des Uterus, chronische Gicht mit Deformierung der Finger, Anämie, Hydrozele, Atherome, rezidivierendes Erysipel, wobei die erkrankten Teile hart und geschwollen bleiben.

Graphites resorbiert und erweicht auch Narbengewebe und ist daher auch bei Ulcera cruris mit harten Rändern, dünnen, scharfen und übelriechenden Absonderungen indiziert, sowie bei Psoriasis, aber auch bei Heiserkeit und Kehlkopfleiden bei Berufsrednern.

Wenn man die Hauptsymptome von Graphites zusammenfasst, ergibt sich folgendes Übersichtsbild:

  • Geistige Stumpfheit, Gedankenschwäche. Traurige Stimmung. Ängstlichkeit.
  • Hauterkrankungen mit Neigung zu Ekzembildung in Hautfalten und an Körperöffnungen sowie an den Beugeseiten, eventuell verbunden mit krustigen und trockenen Ausschlägen und übelriechenden, scharfen Sekreten, von klebriger, honigartiger Konsistenz. Jucken in der Hitze und in der Bettwärme verschlimmert. Einrisse an allen Körperöffnungen. Intertrigo. Hordeolum et Chalazion.
  • Übelriechende Schweiße. Chronische Nasenkatarrhe mit übelriechenden, eitrigen und krustigen Absonderungen (Ozaena).
  • Ohrgeräusche. Otosklerose. Nachlassen der Hörfähigkeit. Ausfluss aus den Ohren, wie Heringslake riechend.
  • Haarausfall. Alopecia areata. Mykosen der Nägel.
  • Blepharitis ciliaris.
  • Fluor albus. Widerwille gegen Koitus. Menstruation spärlich.
  • Kolikartige Magenschmerzen mit Meteorismus. Präkanzerose. Obstipation.
  • Chronisch rezidivierendes Erysipel. Chronische Polyarthritis rheumatica mit Deformierungen.
  • Ulcus cruris mit harten Rändern. Keloidbildung. Psoriasis.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Graphites die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Regelstörung. Verdauungsschwäche. Altersbedingte Erkrankungen. Ekzeme und andere Erkrankungen der Haut. Entzündung der Schleimhäute.