Hepar sulfuris

Synonyme: Hepar sulphuris calcareum, Calcium sulfuratum Hahnemanni

Deutsche Stoffbezeichnung: Kalkschwefelleber (= ein Gemisch aus Austernschalenschalenkalk und Schwefelblumen)

Hepar sulfuris nach Hahnemann besteht im Wesentlichen aus Calciumsulfid und weiteren Calciumsalzen verschiedener Wertigkeitsstufen des Schwefels wie Polysulfiden, Sulfaten u.a.

Hepar sulfuris steht wirkungsmäßig zwischen den beiden wichtigen Antipsorika Calcium carbonicum und Sulfur und hat als charakteristisches Symptom eine Überempfindlichkeit gegen Berührung, gegen Schmerz und kalte Luft, wobei die Patienten so empfindlich sind, dass sie bei geringstem Schmerz in Ohnmacht fallen können. Die Patienten können es zum Beispiel auch nicht vertragen, dass kalter Luftzug über die erkrankten Körperpartien streicht. Ausgenommen davon ist der Kopfschmerz. Besserung wird sonst empfunden durch Wärme und durch warmes Einhüllen. Dabei besteht eine allgemeine Reizbarkeit, Überempfindlichkeit und Hastigkeit. Abends sind alle Zustände verschlimmert, auch die Traurigkeit, Mutlosigkeit und Weinerlichkeit. Auf der Kopfhaut finden sich Pickel und kahle Stellen mit Haarausfall.

Ein weiterer wichtiger Hinweis auf Hepar sulfuris ist die Neigung zu Eiterungen beziehungsweise zu Entzündungen, die rasch in Suppurationen übergehen. Dabei kann die Darreichung von Hepar sulfuris in tiefer Potenz (D4) die Eiterung möglicherweise beschleunigen, während hohe Potenzen im Allgemeinen die Eiterung noch zurückzubringen pflegen. Hiervon gibt es aber auch Ausnahmen.

Auch auf der Haut besteht eine Neigung zu Eiterungen (unheilsame Haut), wobei die Wunden meist flach sind mit Gefühl von Pulsieren. Die Ränder sind empfindlich bei Berührung und oft von Pickeln umgeben. Die Absonderungen sind im Allgemeinen dick-eitrig, wobei ein Geruch wie nach altem Käse bezeichnend ist. Einen solchen Fall von schwerer Akne pustulosa mit dem typischen Käsegeruch des ganzen Körpers, der trotz gründlichen täglichen Badens nicht verschwinden wollte, sah der Verfasser bei einer Medizinstudentin auf Hepar sulfuris D6 rasch und dauerhaft verschwinden.

Furunkel und Karbunkel erfordern neben Mercurius ebenfalls Hepar sulfuris. Auch bei Empyemen ist Hepar sulfuris indiziert, falls man nicht, um Perforationen vorzubeugen, zum Beispiel bei Gallenblasenempyemen, zunächst Calcium carbonicum einsetzt. Bei allen Affektionen, die mit Suppurationen einhergehen, zum Beispiel auch bei Chalazion, Hordeolum, Akne vulgaris, suppurierendem Ekzem usw., auch bei Bartflechte und anderen denkt man neben Mercurius solubilis zunächst an Hepar sulfuris.

Chronische Katarrhe der Atmungsorgane mit Auswurf eitrigen Sputums und Verschlimmerung in der frischen Luft finden in Hepar sulfuris ebenfalls ihr Heilmittel, ebenso der früher sehr häufige Krupp-Husten, wobei der Patient trotz Schleimrasseln den Schleim nicht expektorieren kann. Hierbei ist Hepar sulfuris häufiger nach Aconitum oder nach Spongia angezeigt. Husten, der bei Entblößung irgendeines Körperteils auftritt, wird durch Hepar sulfuris geheilt.

Infolge seiner Wirkung bei Suppurationen ist Hepar sulfuris das Hauptmittel bei Lungenabszess, ferner bei Tonsillarabszess, wobei die Empfindung bestehen kann, als wenn ein Splitter oder eine Fischgräte im Schlund stecke. Auch Eiterausfluss aus den Ohren, der übelriechend ist, erfordert Hepar sulfuris (evtl. neben Graphites und anderen).

Hepar sulfuris hat ferner ein elendes und leeres Gefühl im Magen und ein Verlangen nach sauren Sachen sowie nach Alkohol und Gewürzen. Durch Essen wird das Allgemeinbefinden gebessert, die Schwere und der Druck im Magen aber verschlimmert. Auch die mildeste Kost macht bei Hepar sulfuris-Patienten Beschwerden. Dabei besteht meistens Obstipation, wobei auch weiche Fäzes schwer abgehen.

Auch bei Prostatahypertrophie ist Hepar sulfuris indiziert. Der Strahl fällt fast senkrecht. Der Urinfluss ist träge und braucht Zeit zur Entleerung.

Hepar sulfuris ist auch ein wichtiges Schweißmittel, wenn der Kranke Tag und Nacht schwitzt ohne Linderung. Hier ist Hepar sulfuris häufig im Wechsel mit Mercurius solubilis indiziert, zum Beispiel bei Tonsillarabszess, bei Rheumatismus usw.

Bei Kindern ist Hepar sulfuris indiziert, wenn saure Diarrhö besteht, wobei das ganze Kind sauer riechen kann (ähnlich wie bei Calcium carbonicum und Magnesium carbonicum).

Im Gegensatz zu Natrium sulfuricum erfordert Asthma, welches bei feuchtem Wetter besser ist, Hepar sulfuris als Heilmittel. Chronische Erkältungsneigung kann ebenfalls durch Hepar sulfuris gut beeinflusst werden (Thuja), ferner auch Nierenerkrankungen, die in progressiver Vikariation nach retoxisch behandeltem Scharlach oder Anginen auftreten.

Die vornehmlichen Symptome und Indikationen von Hepar sulfuris lassen sich wie folgt kategorisieren:

  • Überempfindlichkeit gegen Berührung, gegen Schmerz und gegen kalte Luft. Besserung von Wärme, warm Einhüllen.
  • Reizbar, überempfindlich, hastig, dabei traurig, mutlos, weinerlich. Verschlimmerung abends.
  • Grindige, schlecht heilende Haut mit flachen Ulzerierungen und Neigung zur Pustelbildung. Haarausfall. Geruch nach altem Käse.
  • Neigung zu Suppurationen und Abszessen. Furunkel, Karbunkel, Akne vulgaris. Eiterausfluss aus den Ohren. Tonsillarabszess. Pyodermien. Empyeme.
  • Magenbeschwerden mit elendem, leeren Gefühl und Obstipation. Schwierige Entleerung auch weichen Stuhles. Bei Kindern saure Diarrhö.
  • Prostatahypertrophie mit Miktionsbeschwerden.
  • Trockener, harter Husten oder lockerer Krupp-Husten. Schwächegefühl auf der Brust. Heiserkeit. Husten schlimmer bei kühlem Luftzug. Entblößung eines Gliedes. Kaltwassertrinken. Asthma, besser bei feuchtwarmem Wetter.
  • Typische Empfindung eines Pflockes, eines Splitters in Wunden, Ausschlägen auf Schleimhäuten.
  • Retoxisch behandelte Erkrankungen, zum Beispiel Scharlach nach Angina. Verschleppte Pneumonien mit Gefahr der Abszedierung.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Hepar sulfuris die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Entzündungen und Eiterungen der Haut und Schleimhäute wie Furunkel, chronische Mittelohrvereiterung und Mandelabszess. Zur Behandlung der lymphatischen Veranlagung. Nervöse Überempfindlichkeit.