Kalium phosphoricum

Deutsche Stoffbezeichnung: Kaliumphosphat

Verwendet wird Kaliumdihydrogenphosphat, KH2PO4, MG 136,1. Der Gehalt entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Kaliumdihydrogenphosphat wird auch in der Schüßler-Biochemie als eines der Hauptmittel angewandt. Die Zusammensetzung, nämlich aus den Elementen Kalium und Phosphor, lässt deutlich werden, dass Kalium phosphoricum äußerst wirksam bei Erschöpfungszuständen sein muss, da Kaliumsalze ausgesprochene Schwächemittel sind, ebenso Phosphate. Die biochemische Tatsache, dass Kalium erhöht innerhalb der Zellen gefunden wird, während sich Natrium mehr in der Interzellulärflüssigkeit außerhalb der Zellen sowie im Blut und in der Lymphe findet, macht es weiterhin deutlich, dass die Kaliumwirkung tief in Richtung auf das zelluläre Geschehen zu wirken vermag. Durch die Phosphorkomponente werden weiterhin die Beziehungen geknüpft zu den Phosphorylierungen beziehungsweise zur Bildung von Adenosintriphosphat auf den Mitochondrien.

Dahlke bezeichnet Kalium phosphoricum als ein universelles Nervenmittel, das häufig genug lediglich auf das Stichwort Nervenschwäche hin verwandt wird.

Unter dem Gesichtspunkt homotoxikologischer Beziehungen ist Kalium phosphoricum dann angezeigt, wenn Zellfermentschädigungen leichterer oder auch schwerer Art bestehen, wobei Kalium phosphoricum in seinen verschiedenen Potenzstufen besonders indiziert ist bei reversiblen Enzymblockierungen im Sinne von Imprägnationsphasen, wie sie zum Beispiel nach retoxischer Behandlung von Grippe oder Infektionskrankheiten, Angina tonsillaris usw. aufzutreten pflegen und sich durch Erscheinungen der vegetativen Dystonie mit Nervosität, niedergedrückter Gemütsstimmung, Gedächtnisschwäche, Ängstlichkeit, Schlaflosigkeit, in schweren Fällen durch Melancholie mit hysterischem und hypochondrischem Einschlag bemerkbar machen. Aber auch drückende Kopfschmerzen, die besonders im Hinterkopf lokalisiert sind und bei geistiger Überanstrengung auftreten, jedoch auch Paresen bilden Indikationen für Kalium phosphoricum, ebenso verschiedenste Krampfzustände zum Beispiel Laryngospasmus, Trismus und Schreibkrampf. Auch Wadenkrämpfe werden häufig durch Kalium phosphoricum gebessert, obwohl hier Veratrum und Cuprum durchdringender zu wirken pflegen.

Typisch für die Indikation von Kalium phosphoricum sind weiterhin chronische Entzündungen, häufig als Ausweichphasen aufzufassen, zum Beispiel Mittelohrentzündung mit unangenehm riechendem Ausfluss, auch bei Cholesteatom zu versuchen, ferner bei Ozaena, auch bei Skorbut und bei wässrigen, schmerzlosen und übelriechenden Diarrhöen, denen eine große Schwäche folgt, die durch Essen etwas gebessert wird. Auch psychische Diarrhöen bilden eine Indikation für Kalium phosphoricum und besonders das Ulcus pepticum ventriculi et duodeni. Typisch ist ein nagendes Gefühl im Magen, das an einer kleinen Stelle empfunden und durch Wassertrinken gebessert wird. Auch das gastrokardiale Syndrom mit Herzbeschwerden und Schmerzen im linken Epigastrium sprechen auf Kalium phosphoricum an (sonst auf Momordica, Lycopodium, Ceanothus und Lachesis).

Charakteristisch ist der Zungenbelag von Kalium phosphoricum. Die Zunge ist gelb belegt, wie flüssiger Mostrich (Dahlke). Derartige Zustände finden sich gelegentlich bei typhösen Erkrankungen oder auch bei fieberhaften Zuständen und Infektionen, wenn diese mit Bewusstseinstrübungen einhergehen.

Gut wirkt Kalium phosphoricum auch bei Incontinentia urinae und Reizblase, ist ebenfalls bei Albuminurie als Nebenmittel sowie bei Retinitis albuminurica indiziert. Auch bei Bettnässen kann Kalium phosphoricum günstige Wirkungen haben, ebenso bei scharfem, wundmachendem, gelblichem Fluor albus und bei Pollutionen, besonders wenn große Schwäche post coitum folgt und Impotenzerscheinungen vorhanden sind.

Stauffer weist noch auf die Indikationen bei akuten und schleichenden Psychosen mit Sinnestäuschungen und Halluzinationen hin und empfiehlt Kalium phosphoricum auch bei puerperaler Manie und alkoholischen Psychosen, ferner bei Alopecia areata und allgemeinem Haarausfall nach schweren Erkrankungen sowie bei trophischen Störungen der Gefäßnerven und bei Zirkulationsstörungen. Es wird verständlich, dass Kalium phosphoricum auch bei postdiphtherischen Lähmungen sowie bei Kinderlähmung wirksam sein kann, ebenso bei Muskeldystrophie und Neuralgien, auch wenn diese rheumatisch bedingt sind.

Dewey erwähnt unter anderem die Wirksamkeit von Kalium phosphoricum bei rheumatischer Lähmigkeit des Rückens, welche schlimmer nach Ruhe und bei Anfang der Bewegung ist, ähnlich wie bei Rhus toxicodendron.

Wenn die Hauptsymptome von Kalium phosphoricum zusammengefasst werden, ergibt sich folgendes typische Arzneimittelbild:

  • Biochemisches Nervennutritions- und Funktionsmittel nach Schüssler.
  • Neurasthenie, Hysterie, Hypochondrie, Depression und Melancholie, Nervosität, Gedächtnisschwäche, Ängstlichkeit, Vegetative Dystonie.
  • Drückende Kopfschmerzen im Hinterkopf. Neigung zu Krämpfen, Laryngospasmus.
  • Katarrh des Entoderms mit belegter Zunge (wie flüssiger Mostrich). Ulcus ventriculi et duodeni. Wässrige übelriechende Diarrhöen. Psychische Durchfälle. Spasmen und Schmerzen im linken Oberbauch.
  • Fluor albus gelblich und wundmachend. Erschöpfung post coitum. Incontinentia urinae. Enuresis. Reizblase und Albuminurie, auch Retinitis albuminurica.
  • Folgen schwerer septischer Erkrankungen, besonders nach retoxischer Behandlung, auch bei danach auftretendem Haarausfall und Erschöpfungszuständen.
  • Rheumatische Schmerzen im Kreuz, verbunden mit Muskelschwäche, schlimmer in der Ruhe, beim Aufstehen und bei beginnender Bewegung mit dem Gefühl der Lähmigkeit. Irritable Schwäche am ganzen Körper. Postdiphtherische Lähmungen und nach Poliomyelitis.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Kalium phosphoricum die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Entzündung der Mundhöhle, des Zahnfleisches, der Atemwege. Durchfälle. Verdauungsschwäche. Depressive Verstimmungs- und Erschöpfungszustände. Nach Überanstrengung und schweren Krankheiten.