Kalium stibyltartaricum

Synonyme: Tartarus stibiatus, Tartarus emeticus

Deutsche Stoffbezeichnung: Brechweinstein

Verwendet wird Brechweinstein, Dikaliumdi-d-tartrato(4)-bis-antimonat(III) trihydrat, C8H4K2O12Sb2 ·3 H2O, MG 668. Der Gehalt entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Tartarus stibiatus, Brechweinstein, ist, wie schon der Name sagt, eine Substanz, die Erbrechen erzeugt. In dem Vergiftungsbild findet sich daher auch ein entzündlicher Zustand der Magenschleimhaut mit Kollaps und großer Kälte der äußeren Haut der Glieder, großer Hinfälligkeit, Schwäche und Muskelzittern. Bei großen Gaben erfolgt der Tod nach Krampfanfällen durch Lähmung des Hirns und der Herztätigkeit.

Charakteristisch ist eine gesteigerte Sekretion der drüsigen Organe nach Einwirkung kleiner Gaben. Dabei findet sich eine gedrückte und unruhige Gemütsstimmung, die auch schreckhaft, verdrießlich und ängstlich sein kann.

Besonders charakteristisch für Tartarus stibiatus sind pustulöse Ausschläge auf der Haut, die nicht nur nach örtlicher Einwirkung des Mittels auf das Gewebe entstehen, sondern auch als Allgemeineinwirkung einsetzen, wobei auch juckende Friesel- oder Bläschenausschläge neben hämorrhagischen Ulzera vorhanden sein können. Die Pusteln entwickeln sich nur langsam und schmerzhaft und bilden Geschwüre, so dass man Tartarus stibiatus in Anbetracht der Ähnlichkeit des Bildes auch zur Behandlung der Pocken herangezogen hat.

Als weitere Gifteinwirkungen finden sich bei der Arzneimittelprüfung Flimmern vor den Augen, Konjunktivitis, undeutliches Sehen, Ohrensausen, Zittern und Zuckungen, rheumatisches Ziehen und Schmerzen im Rücken, an den oberen und unteren Extremitäten, ähnlich wie es auch nach der Einwirkung von Antimonium crudum beobachtet wird.

Am Herzen zeigt sich Arrhythmie mit Absinken der Blutdruckspannung, kühler Haut und Frostempfindung bis zum Schüttelfrost, wobei die Haut mit kühlem, klebrigem Schweiß bedeckt sein kann, aber anschließend auch warme (Nacht-)Schweiße auftreten können.

Tartarus stibiatus beziehungsweise emeticus hat in seinem Arzneimittelbild weiterhin Katarrhe des Kehlkopfes und der Bronchien mit Stimmlosigkeit, Schleimrasseln und Husten, wobei der Schleim schlecht entleert werden kann, so dass es zu Atemnot und Beklemmungsgefühl mit Schmerzen und Stichen auf der Brust kommen kann. Tartarus stibiatus vermag die Schleimentleerung herbeizuführen.

Es kann auch vermehrte Speichelabsonderung vorliegen, wobei die Papillen auf der hochroten Zunge hervorragen, eventuell auch Geschwürchen in der Mundschleimhaut mit Ansammlung von Schleimmassen im Schlunde vorhanden sind. Überhaupt sind für Tartarus stibiatus Ulzerationen charakteristisch, die eventuell entlang der Speiseröhre herunterwandern und sich bis in den Magen fortsetzen können.

Heftige Magenschmerzen und ununterbrochene wässrige Durchfälle, auch mit Blut durchmischt und mit Schmerzen im Mastdarm und After treten bei Tartarus stibiatus-Vergiftungen auf.

Auch an den Harn- und Geschlechtsorganen findet sich starkes Drängen zum Urinieren mit Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen mit tropfenweisem Abgang, wie man es bei Zystitis, Prostatitis und eventuell bei Nierenkoliken findet, besonders wenn Ziegelmehlsediment vorliegt und sich zusätzliche Pusteln am Skrotum finden.

Bei der Frau zeigt sich auf die Tartarus-stibiatus-Wirkung hin blutig seröser Ausfluss aus dem Uterus.

Nash erwähnt noch die häufig beim Tartarus-stibiatus-Bild vorhandene Schläfrigkeit, welche zum Beispiel bei Pneumonie Tartarus stibiatus erfordert, und besonders das Hauptsymptom des starken Schleimrasselns mit dem Unvermögen, das Sputum auszuwerfen, was für alle Altersstufen und Konstitutionen zutrifft, hauptsächlich aber bei Kindern und alten Leuten. Damit tritt Tartarus stibiatus in Konkurrenz zu Sulfur, wenn nämlich Kurzatmigkeit infolge Hepatisation der Lungen bei Pneumonie vorliegt und der Kranke zu schwach und schläfrig ist, um den Auswurf nach außen zu befördern, ebenso wie zu Ipecacuanha, bei welchem Präparat eine Besserung der Beschwerden durch Erbrechen oder durch Ingangkommen von Auswurf erfolgt, eventuell auch zu Phosphorus.

Nach Dewey erstrecken sich die Hauptwirkungen von Tartarus stibiatus auf Schleimanhäufungen auf der Brust mit keuchendem Atem und Brustbeklemmungen sowie auf Pustelausschläge, ähnlich denen bei Pocken, so dass Tartarus stibiatus auch für die Pocken als Heilmittel eingesetzt werden kann, zumal Lungensymptome auch bei Pocken regelmäßig vorliegen.

Wenn die Hauptsymptome von Tartarus stibiatus zusammengefasst werden, ergibt sich das folgende typische Arzneimittelbild:

  • Schleimanhäufung auf der Brust mit Schleimrasseln und Unvermögen, den Schleim auszuwerfen, besonders bei Pneumonie und Katarrhen der Lunge mit blassem Gesicht und Unfähigkeit, den Auswurf herauszubringen.
  • Hautaffektionen mit Pustelbildung, ähnlich den Pocken, versuchsweise bei Variola.
  • Pustelbildung auf den Schleimhäuten, besonders Stomatitis, Pharyngitis, Gastritis, Kolitis, jedoch auch Fluor albus und Erosio portionis.
  • Schläfrigkeit bei Krankheiten der Atmungsorgane oder auch bei Cholera infantum.
  • Persistierende Hepatisation der Lungen nach Anwendung von Antibiotika.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Kalium stibyltartaricum die folgenden Hauptindikationen für Tartarus stibiatus im Bundesanzeiger veröffentlicht: Entzündungen der unteren Atemwege mit Kreislaufschwäche. Brechdurchfälle. Entzündungen der Harnorgane. Eitrige Hauterkrankungen. Rheumatische Erkrankungen der unteren Wirbelsäule.