Lachesis

Synonym: Lachesis mutus

Deutsche Stoffbezeichnung: Buschmeister (Schlange)

Verwendet wird das schonend getrocknete Gift der in Mittel- und Südamerika vorkommenden Schlange: Lachesis mutus L./Crotalidae.

Das von Lachesis mutus gewonnene Schlangengift wird in großen Mengen beim Biss ausgeschieden, bis zu 3 ccm, getrocknet 1 Gramm. Ein Teil der von dem homöopathischen Arzt Dr. Constantin Hering, welcher das Schlangengift der „Lachesis muta“ 1829 in Südamerika erforschte, angegebenen Symptome stammt aus der Toxikologie. Andernteils sind ausgedehnte Arzneimittelprüfungen mit Lachesis durchgeführt worden, die zu einer typischen Symptomatologie geführt haben, so dass heute ein charakteristisches Arzneimittelbild von Lachesis vorliegt.

Wenn sich auch zahlreiche Symptome finden, die Lachesis als geeignet bei den verschiedensten Erkrankungen erkennen lassen, sowohl solchen nervöser Art wie auch bei organischen Veränderungen und vor allen Dingen auch bei septischen Erkrankungen sowie bei Zersetzungen des Blutes, Purpura haemorrhagica beziehungsweise hämorrhagischer Diathese, sowie bei Angina pectoris, Asthma, Grippe, Laryngitis, Angina, Apoplexie, Ophthalmia scrofulosa, Nasenkatarrh, Ozaena, Otitis media, Karbunkeln, Furunkeln und Ulcus varicosum, auch bei Diphtherie, ferner bei Hämorrhoiden, Appendizitis, Paraproktitis, Dysmenorrhö, Scharlach, Gangrän, Malaria sowie auch bei Nierenerkrankungen mit ödematösen Schwellungen, hat sich doch ein spezielles Arzneimittelbild im Sinne einer gesichteten Symptomatologie herausgeschält, das wir vor allem dem amerikanischen Arzt Dr. E. B. Nash verdanken. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um sogenannte Leitsymptome, deren charakteristisches Hervortreten bei einem Krankheitsfall auf Lachesis hinweist. Wenn man dann das gesamte Arzneimittelbild von Lachesis noch einmal durchsieht und bei dem Patienten nach etwa vorhandenen Symptomen forscht, so wird man vielfach auch andersartige Erscheinungen beziehungsweise auch noch andere, in dem Lachesis-Bild niedergelegte Symptome feststellen können.

In der Tat weisen speziell die Leitsymptome auf die Lachesis-Indikationen hin, wobei eines der wichtigsten Symptome die Linksseitigkeit der Beschwerden ist sowie die von der linken Seite ausgehende Weiterentwicklung der Beschwerden nach der rechten Seite hinüber, zum Beispiel bei Angina, bei Neuralgien im linken Bein (Ischias), bei Ovariitis links, linksseitiger Migräne und Kopfschmerzen, die vom Nacken links bis in die Nase ziehen (ähnlich wie bei Cimicifuga).

Ein weiteres wichtiges Symptom ist die außerordentliche Geschwätzigkeit und Redseligkeit, wobei der Patient von einem Gedanken zum andern springt. Dabei pflegt häufig Gedächtnisschwäche vorhanden zu sein, wobei der Patient auch Fehler beim Schreiben macht. Auch kann Delirium bestehen mit Verwechslung des Zeitgefühls und mit rotem Gesicht, bei schwierigem Sprechen und herabgesunkenem Unterkiefer, vornehmlich mit Depression verbunden.

Ein weiteres charakteristisches Symptom von Lachesis ist die Verschlimmerung nach Schlaf beziehungsweise das typische Hineinschlafen in die Verschlimmerung. Dieses gilt nicht nur für Asthma und Kopfschmerzen, sondern auch für Erstickungsanfälle nervöser Art oder Globusgefühl im Hals, aber auch für Anfälle pektanginöser Natur, Eierstockbeschwerden, sowie Anschwellungen jeder Art.

Auch die Hitzewallungen, welche aus dem Schlaf heraus auftreten und sich nicht nur im Klimakterium, sondern auch bei reduziertem Allgemeinzustand zum Beispiel bei Alkoholikern finden können, sind für Lachesis charakteristisch, wobei man eventuell an eine Kombination mit Sulfur, Sepia und in schweren Fällen mit Acidum sulfuricum denken kann.

Typisch für Lachesis sind auch abgesperrte, entweder therapeutisch gehemmte oder von sich aus zurückgetretene Ausscheidungsvorgänge, zum Beispiel Katarrhe der Nase, nach deren Abstoppen dann Kopfschmerzen auftreten, aber auch Heufieber mit Blockierung der Sekretion, Asthma, welches sich nicht zur Lösung führen lässt und Beschwerden bei der Menstruation beziehungsweise Dysmenorrhö, die nach Eintritt der Blutungen sich bessert oder Beschwerden seitens des Klimakteriums, die durch Widereintreten von Blutungen ebenfalls gebessert werden.

Ein weiteres wichtiges Leitsymptom von Lachesis ist die Empfindlichkeit gegen Einengung, gegen Berührung oder äußeren Druck, was sich nicht nur besonders stark am Hals ausprägt, so dass der oder die Patientin keinerlei Enges um den Hals vertragen kann, keine Kette, keinen geschlossenen Kragen usw., sondern dass auch jeder Druck im Hypochondrium, ähnlich wie bei Lycopodium, nicht vertragen wird. Auch der Kehlkopf ist dabei häufig gegen die leichteste Berührung empfindlich, wobei dann Erstickungsgefühl auftritt oder Globusgefühl in der Kehle.

Ein wichtiges Leitsymptom für Lachesis ist ferner die bläuliche Verfärbung von Hautpartien, von Schleimhäuten oder entzündeten Stellen, zum Beispiel von Karbunkeln, Furunkeln, von Ulcus cruris, wobei die Ulzerationen leicht die Tendenz haben, gangränös zu werden. Deshalb ist Lachesis auch ein wichtiges Mittel bei akuter Angina tonsillaris mit septischem Einschlag, wobei das Leerschlucken oder das Schlucken von Speichel und Flüssigkeit viel mehr verschlimmert als das Schlucken von festen Speisen. Dabei strahlen die Beschwerden, speziell die Halsschmerzen, häufig in die Ohren aus (ähnlich wie bei Hepar sulfuris).

Alle Absonderungen von Lachesis-Patienten riechen übel, einerlei ob es sich um Eiterabsonderungen von Karbunkeln oder Furunkeln, um Darmblutungen, um Stühle oder um Absonderungen bei Halserkrankungen handelt.

Die Zunge bei Lachesispatienten ist nur sehr schwer hervorzustrecken und sehr trocken. Meistens zittert sie und bleibt an den Unterzähnen hängen. Man ersieht auch schon hieraus, dass Lachesis bei schwerwiegenden septischen Erkrankungen indiziert sein muss, bei welchen sich ein derartiger Zungenbefund findet, der häufig ebenfalls günstig auf Natrium muriaticum in höherer Potenz anspricht.

Auch das Zittern von Lachesis ist charakteristisch, ähnlich wie man es bei Gelsemium findet, jedoch zeigt sich bei Lachesis eine enorme Schwäche.

Die Empfindlichkeit gegen Sonnenhitze und die dabei vorliegende Erschöpfung ist ähnlich wie bei Glonoinum vorhanden.

Typisch für Lachesis ist ein Krampfgefühl im linken Oberbauch, eventuell bis nach unten entlang dem Sigmoid strahlend, mit oft nicht unberechtigter Kanzerophobie.

Lachesis ist nicht nur bei schweren dyskrasischen Bluterkrankungen, bei Störungen der Hormonfunktionen, wie besonders im Klimakterium, sondern auch bei Schleimhautkatarrhen, bei Hämorrhoiden, bei Suppurationen und Entzündungen mit septischer Entwicklung, zum Beispiel bei Angina sowie bei anderen Entzündungszuständen der geschilderten Art indiziert und pflegt, was besonders hervorgehoben werden mag, besonders günstig in der Injektionsform zu wirken, da diese der natürlichen Giftwirkung von Schlangengiften am nächsten kommt. Man sei aber bezüglich der dabei verwandten Potenzen recht zurückhaltend, insbesondere sollten nicht zu tiefe Potenzen verabreicht werden, da die Lachesis-Patienten oft mit anfänglichen erheblichen Verschlimmerungen hierauf reagieren. Demgegenüber erfordern septische Zustände bei Grippe, Furunkeln, Karbunkeln, Ovariitis usw. oft zunächst die stärkere Dosierung. Man versuche aber nach länger durchgeführten Kuren dann, wenn der Erfolg nicht besonders günstig sein sollte, eventuell hohe und höchste Potenzen nachfolgend einzusetzen und wird dann möglicherweise erstaunliche Ergebnisse erzielen.

Wenn man die Lachesis-Symptome kurz zusammenfasst, so ergeben sich folgende wichtige Leitsymptome, die das Mittel charakterisieren und deren Auftreten auf die Verordnung dieses so wichtigen Polychrestes hinweisen kann.

  • Linksseitiges Mittel, wobei die Erkrankungen die Tendenz haben, auf die rechte Seite überzuwechseln, wie Angina tonsillaris, Ovariitis, Kopfschmerz, Tracheitis, Laryngitis, pektanginöse Beschwerden u.a.
  • Der Patient schläft sich in seine Beschwerden hinein. Verschlimmerung nach Schlaf.
  • Unverträglichkeit jeglicher Kleidung und von Druck sowie von Zusammenschnüren, besonders am Hals sowie am Leib, aber auch am Mund und an der Nase. Erstickungsgefühl. Globusgefühl. Asthma bronchiale. Pektanginöse Beschwerden.
  • Entzündungserscheinungen mit blau-roter Verfärbung und Tendenz zum Gangränöswerden. Dabei ödematöse Schwellungen und übelriechende Absonderungen.
  • Zunge trocken, nur schwer herauszustrecken, zittert und bleibt an den Unterzähnen hängen.
  • Neigung zu Blutungen. Purpura haemorrhagica. Hämorrhagische Diathese. Bösartige Infektionskrankheiten beziehungsweise Bösartigwerden akuter Infektionen (Scharlach, Masern, Erysipel, Pocken, Furunkel, Karbunkel, Ulcera cruris usw.).
  • Verschlimmerung durch Sonnenhitze. Große Erschöpfung.
  • Eierstockmittel. Ovariitis. Salpingitis. Parametritis. Metritis mit besonders linksseitigen Beschwerden. Klimakterium. Eierstocksdysfunktion, speziell Hitzewallungen.
  • Psychisch außerordentlich schneller Wechsel der Stimmung. Ekstase, eine Art von Trance und ungewöhnliche Redseligkeit. Gedankenspringen von einem zum andern. Gedächtnisschwäche. Psychische Depression.
  • Nierenaffektionen mit Albuminurie und Tenesmen.
  • Hauterkrankungen mit Schorfen und Neigung zu Blutungen.
  • Lachesis ist ein außerordentlich wichtiges Polychrest, das bei zahlreichen in der Praxis vorkommenden Erkrankungen indiziert ist und nicht zu Unrecht in der Homöopathie breiteste Anwendung findet.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Lachesis mutus die folgenden Hauptindikationen für Lachesis im Bundesanzeiger veröffentlicht: Entzündungen und Blutungen der Haut und der Schleimhäute. Wechseljahrsbeschwerden. Drüsenerkrankungen, Infektionskrankheiten und allgemeine Blutvergiftung. Venenentzündungen. Angina pectoris. Herz- und Kreislaufschwäche. Nervenschmerzen. Rheumatismus. Krämpfe. Lähmungen. Verhaltensstörungen und Verstimmungszustände.