Lytta vesicatoria

Synonym: Cantharis

Deutsche Stoffbezeichnung: Spanische Fliege

Verwendet werden die getöteten, bei einer 40 °C nicht übersteigenden Temperatur getrockneten, möglichst wenig beschädigten Spanischen Fliegen (Lytta vesicatoria FABRICIUS/Meloidae). Der Gehalt an Cantharidin (C10H12O4) entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Cantharis zeigt einige charakteristische Symptome, die vornehmlich die Schleimhäute der Geschlechts- und Harnorgane betreffen. Hier ruft Cantharis heftige Entzündungen mit Reizzuständen hervor, ähnliche Erscheinungen auch an der Magen-Darm-Schleimhaut und der Schleimhaut der Atmungsorgane sowie an den seriösen Häuten (hämorrhagische Entzündungen). Als Folge der Giftwirkung erscheinen die Gegenstände gelb. Dabei besteht aber auch eine kräftige Wirkung auf das Nerven- und das Gefäßsystem und die Empfindung von Brennen, besonders an den Schleimhäuten, wie Brennen im Mund, Rachen und Magen, eventuell verbunden mit Koliken, heftigem Durst und Abgang von weißem oder blass rötlichem zähem Schleim, wie Darmschabsel, mit Blutstreifen. Auch brennende Schmerzen in den Ovarien und Peritonitis mit brennenden Schmerzen, aber auch Brennen und Stechen im Kehlkopf und Brennen in der Brust sowie der Haut bei Erysipel sind für Cantharis kennzeichnend. Chronische Bronchitis mit Schwierigkeit, den Schleim herauszubringen, kann durch Cantharis gut beeinflusst werden, wenn Kalium bichromicum nicht wirksam ist und eventuell Urinsymptome bestehen (Nash).

Im Halse kann das Gefühl des Zusammenkrampfens bestehen, wie man es bei Hydrophobie findet, ebenso wie die Urinsymptome häufig von krampfhaftem spastischem Zusammenziehen begleitet sind, verbunden mit anhaltendem und heftigem Drängen des Urins. Dabei wird der Urin nur tropfenweise entleert und der Kranke hat die Empfindung, als ob geschmolzenes Blei durch die Urethra liefe, verbunden mit heftigem Brennen und nachhaltig andauernden Schmerzen, die eventuell bis ins Kreuz ziehen.

Früher waren Vergiftungen durch Cantharis häufig, weil die Spanische Fliege als Aphrodisiakum benutzt wurde. Bei Gonorrhö mit heftiger Reizung und Erektionen ist im Umkehreffekt daher Cantharis indiziert, auch bei eitrigem und blutigem Fluor aus Urethra und Vagina. Dabei ist Cantharis besonders auch dann von Nutzen, wenn aufgrund unbiologischer Therapie, wie es früher allgemein üblich war, die Harnröhrenkatarrhe oder die Gonorrhö durch Injektionen in die höheren Regionen des Urogenitaltraktus zurückgetrieben wurden.

Bei weiblichen Patienten finden sich Nymphomanie mit starken Blasenreizerscheinungen, ferner dunkle, frühe und reichliche Menstruation. Dabei kann durch Cantharis die Ausstoßung von Molen usw. gefördert werden.

Die Hautsymptome lassen Cantharis auch als nützliches Heilmittel bei Bläschenausschlägen erscheinen, vor allen Dingen auch nach Verbrennungen, wenn sich Wasserblasen auf gelblicher Basis bilden, ebenso bei Herpes zoster, obwohl hier Präparate wie Ranunculus, Rhus toxicodendron, Mezereum und andere rascher und tiefgreifender wirken. Cantharis kann eventuell bei gangränösen Blasen indiziert sein.

Wichtig sind die Halsschmerzen von Cantharis, die sich in Verbindung mit Paresen und der Unmöglichkeit, feste Dinge, besonders aber Wasser zu schlucken bei Tollwut (Hydrophobie) und bei Bulbärparalyse finden. Hier kann Cantharis ein wichtiges symptomatisch wirkendes Heilmittel sein, indem zumindest diese Sensationen gemildert werden (sonst u.a. Medulla oblongata suis). Auch sind erysipelartige Entzündungen der Haut mit Blasenbildung, vor allen Dingen im Gesicht, an den Händen, an den Armen und an der Brust, die stark jucken und brennen und vermehrte Absonderungen zeigen, im Symptomenbild von Cantharis vorhanden.

Charakteristisch tritt bei Cantharis die Umkehrwirkung großer und kleiner Gaben zu Tage. Während die tieferen Potenzen bei vorliegender Reizung des Urogenitaltraktus eventuell kräftige Verschlimmerungen hervorrufen, haben die mittleren und höheren Verdünnungen im Umkehreffekt eine beruhigende und heilende Wirkung. So berichtet Dr. med Orlowski (Berlin), der ein Verfahren zur Heilung der Ejaculatio praecox entwickelt hatte, wobei der Colliculus seminalis kauterisiert und nachfolgend mit Argentum nitricum geätzt wurde und wobei stets starke Nachblutungen auftraten, dass er mit Cantharis D6 diese Blutungen rasch zum Stillen brachte, während er früher bei den operierten Fällen jeweils im Laufe des Tages und der Nacht dann schwerste Komplikationen aufgrund unstillbarer Blutungen erlebte. Cantharis ist nämlich auch speziell indiziert bei Harnbluten (auch bei Darmblutungen mit Abgang schleimiger Fetzen), so dass Cantharis auch bei Nierensteinbildung, verbunden mit blutigem Harn und Reizzuständen im Urogenitaltakt ein wichtiges Mittel ist.

Wenn man die Hauptsymptome von Cantharis zusammenfasst, so ergibt sich folgendes typische Arzneimittelbild:

  • Spezielle Wirkung auf die Schleimhäute des Urogenitaltrakts mit Drängen zum Urinieren und heftigen Tenesmen, tropfenweiser Urinentleerung und Hämaturie. Brennen beim Urinieren und Kreuzschmerzen. Starke Erregung des Geschlechtstriebes. Nymphomanie. Eitriger und brennender Flur albus. Zu frühe, dunkle und reichliche Menses.
  • Bläschenbildung auf der Haut, mit wundmachender Flüssigkeit gefüllt. Haut brennt wie Feuer. Verbrühungen. Herpes zoster. Erysipel (Nasenrücken).
  • Darmentzündungen mit Entleerung blut-streifigen Schleims, Schneiden und Brennen im After. Brennen entlang dem ganzen Verdauungskanal.
  • Schlundkrämpfe. Hydrophobie. Tollwut. Halssymptome (Schluckbeschwerden) bei Bulbärparalyse. Kehlkopf- und Luftröhrenkatarrhe mit blutigem Auswurf.
  • Allgemeine Neigung zu hämorrhagischen Entzündungen und Gangrän (Penis). Hämorrhagische Pneumonie. Dysenterie. Colitis haemorrhagica. Meningitis haemorrhagica. Hämaturie.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Lytta vesicatoria die folgenden Hauptindikationen für Cantharis im Bundesanzeiger veröffentlicht: Akute Entzündungen der Schleimhäute, des Harn- und Geschlechtsapparates, des Magen-Darm-Kanals, der Haut mit Blasenbildung. Ergüsse in Körperhöhlen.