Magnesium phosphoricum

Deutsche Stoffbezeichnung: Magnesiumphosphat

Verwendet wird Magnesiumhydrogenphosphat 3 H2O, MgHPO4 · 3 H2O, MG 174,3. Der Gehalt entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Die aus Magnesiumphosphat hergestellten Verreibungen bzw. flüssigen Potenzen sind nach Heinigke „eines unserer wichtigsten Schmerzmittel, keines hat eine größere Mannigfaltigkeit von Schmerzen, sie sind stechend, schneidend, bohrend, blitzartig kommend und vergehend, krampfartig, oft die Stelle wechselnd, in Anfällen, die fast unerträglich sind“.

Dabei können Sinnestäuschungen bestehen und Unfähigkeit klar zu denken mit Schlaflosigkeit, auch bei Verdauungsstörungen sowie Abneigung. Neuralgische oder rheumatische Kopfschmerzen treten besonders auch nach geistiger Arbeit auf und sind mit Frösteln verbunden. Dabei besteht die Empfindung „von Flüssigkeit im Kopf“, „als ob das Gehirn wackle“ (Heinigke), oder als wenn der Patient „eine Kappe auf dem Kopf“ hätte.

Auch Schwindel bei Bewegungen jeder Art wird durch Magnesium phosphoricum beeinflusst. Das bei Tabes dorsalis vorkommende Romberg-Phänomen, nämlich Unsicherheit und Fallen bei geschlossenen Augen kann durch Magnesium phosphoricum dann günstig beeinflusst werden, wenn der Patient nach vorn fällt.

Bei den Kopfschmerzen, die häufig supraorbital und schlimmer rechtsseitig sind, besteht eventuell auch Doppelsehen mit dunklen Flecken vor den Augen und Regenbogenfarbensehen sowie ein Zucken der Augenlider mit Lichtscheu, möglicherweise Schielen und Herabfallen der Lider. Auch sind nervöse Ohrenschmerzen, besonders hinter dem rechten Ohr (Mastoiditis) eine Indikation für Magnesium phosphoricum, besonders wenn sie an der frischen Luft sowie beim Waschen des Gesichtes und Halses mit kaltem Wasser verschlimmert werden. Auch die Gesichtsschmerzen sowie alle Schmerzen verschlimmern sich beim Kaltwerden des Körpers, auch der Zahnschmerz wird durch kaltes Trinken oder Essen verschlimmert und durch Wärme gebessert. Bei Parulis finden sich oft Drüsenanschwellungen am Hals und Nacken, besonders auch bei Zahnungsbeschwerden der Kinder mit Krampferscheinungen und Fieber, ebenfalls eine Indikation für Magnesium phosphoricum.

Krampfhafte Schmerzen, Zusammenschnüren im Hals bei Schluckversuchen, auch bei Tortikollis, besonders rechtsseitig, erfordern Magnesium phosphoricum, das auch bei Krampfbeschwerden im Bereich des Magens mit Singultus und Brechwürgen günstig wirken kann, besonders wenn Durst nach kalten Getränken besteht.

Auch bei asthmatischer Brustbeklemmung mit trockenem Kitzelhusten, der krampfhafte Natur annehmen kann, wirkt Magnesium phosphoricum günstig, selbst bei nervösem krampfhaftem Herzklopfen und Zusammenschnürungsgefühl am Herzen (Cactus grandiflorus) ebenso wie bei Blähungskoliken, Leibkrämpfen und Nabelkoliken, besonders wenn die Beschwerden nach dem Rücken ausstrahlen (Belladonna), auch wenn chronische Verstopfung bei rheumatischen Personen vorliegt sowie bei Obstipation der Kinder mit krampfhaften Schmerzen bei jedem Versuch, Stuhl zu entleeren.

Ein wichtiges Mittel ist Magnesium phosphoricum auch bei Dysmenorrhö und verfrühter Menses, besonders wenn eine Anschwellung und Empfindlichkeit der Vagina besteht und bei sogenannten „Eierstocksneuralgien“.

Bei rheumatischen Schmerzen in den Gliedern, verbunden mit Schwäche in Armen und Händen sowie Steifheit und eventuell Taubheitsgefühl in den Fingern und allgemeiner Muskelschwäche, wobei diese Beschwerden durch Kälte verschlimmert und durch Wärme, Druck und Reiben gebessert werden, sind eine Indikation für Magnesium phosphoricum.

Auch bei Chorea minor mit Verdrehung der Glieder, bei Ischias mit lebhaft schießenden, bohrenden Schmerzen, die oftmals die Stelle wechseln und durch Wärme und Druck gebessert, durch leichte Berührung verschlimmert werden, ist Magnesium phosphoricum das Mittel der Wahl, ebenso wie es günstige Wirkungen bei Schreib- und Klavierspielkrampf, auch bei Wadenkrämpfen hat.

Boericke hebt noch die Wirkung bei Keuchhusten, bei Heiserkeit, Laryngitis mit Wundheits- und Rauheitsgefühl sowie bei Interkostalneuralgien und bei pektanginösen Beschwerden hervor. Bei krampfhaften Oberbauchbeschwerden wirkt das begleitende Gasaufstoßen (im Gegensatz zu Argentum nitricum) nicht erleichternd.

Boericke verabreicht das Präparat gern in heißem Wasser, da es dann besser wirken soll, wobei die Wirkung eventuell durch Zugabe von Colocynthis, Silicea, Zincum, Dioscorea und Kalium phosphoricum unterstützt wird.

Nash weist besonders darauf hin, dass brennende Schmerzen nicht durch Magnesium phosphoricum beeinflusst werden, sondern Arsenicum album erfordern. Beide Mittel aber zeigen Besserung durch Anwendung von Wärme.

Nash gibt noch folgende Charakterisierung verschiedener Schmerzzustände:

„Nun zu den so charakteristischen krampfhaften Schmerzen von Magnesium phosphoricum. Wenn ein derartiges Symptom so bedeutend hervorragt, so ist es ein wichtiges Leitsymptom und begrenzt die Wahl auf eine Klasse von Mitteln, die dasselbe haben. Dies lässt sich wie folgt darstellen:

Krampfhafte Schmerzen: Cuprum, Colocynthis, Magnesium phosphoricum.

Brennend: Arsenicum, Cantharis, Capsicum, Phosphorus, Acidum sulfuricum, Sulfur, Carbo vegetabilis.

Kältegefühl: Calcium carbonicum, Arsenicum, Cistus.

Kälte (objektiv): Camphora, Secale. Veratrum album.

Vollheitsgefühl: Aesculus hippocastanum, China, Lycopodium.

Leerheitsgefühl: Cocculus, Phosphorus, Sepia.

Herabdrängen: Belladonna, Lilium tigrinum, Sepia usw.

Zerschlagenheitsgefühl: Arnica, Baptisia, Eupatorium perfoliatum, Pyrogenium, Ruta.

Zusammenschnüren: Cactus grandiflorus, Colocynthis, Anacardium.

Erschöpfung oder Abgespanntheit: Gelsemium, Acidum picrinicum, Acidum phosphoricum, alle Säuren und Silicea.

Betäubung: Aconitum, Chamomilla, Platinum, Rhus toxicodendron.

Wandernde Schmerzen: Lac caninum, Pulsatilla, Tuberculinum.

Schmerzempfindlichkeit: Aconitum, Chamomilla, Coffea.

Empfindlich gegen Berührung: China, Hepar sulfuris, Lachesis, Silicea.

Knochenschmerzen: Aurum, Asa foetida, Eupatorium perfoliatum, Mercurius, Silicea.

Stechende Schmerzen: Bryonia, Kalium carbonicum, Scilla, Apis.

Pulsieren oder Klopfen: Belladonna, Glonoinum, Melilotus.

Blutungen (passive): Hamamelis, Secale, Crotalus, Elaps.

Blutungen (aktive): Ferrum phosphoricum, Ipecacuanha, Phosphorus.

Abmagerung: Jodum, Natrium muriaticum, Lycopodium, Sarsaparilla usw.

Leukophlegmasie (wassersüchtige Schwellungen): Calcium carbonicum, Graphites, Capsicum.

Psorische Konstitution: Sulfur, Psorinum usw.

Sykotische Konstitution: Thuja, Acidum nitricum, Medorrhinum usw.

Syphilitische Konstitution: Mercurius, Kalium jodatum, Syphilinum usw.

Blaue Geschwülste: Lachesis, Pulsatilla, Tarantula.

Auf diese Weise könnten wir fortfahren und auf ein bis drei oder mehr Mittel hinweisen, die eine charakteristische Wirkung bei gewissen Symptomen oder Zuständen haben; es ist gut, diese im Gedächtnis zu haben, denn mit einer solchen Anfangsgrundlage sind wir befähigt, den diagnostischen Unterschied zwischen ihnen zu erkennen oder herauszufinden. Solches Wissen wappnet, bereitet auf alle Fälle vor und setzt den Arzt oft in den Stand, jene verblüffenden Kuren zu machen, die den Kranken und alle Beobachter in Erstaunen setzen.“

Hieraus geht die ganzheitliche Betrachtungsweise der Homöopathie klar hervor; denn bei allen diesen Syndromen kann Magnesium phosphoricum als zusätzliches Therapeutikum sowohl die krampfhaften Beschwerden beseitigen wie auch dem sonst erwähnten Therapeutikum die Wirkung ebnen.

Wenn die Gesamtsymptome von Magnesium phosphoricum zusammengefasst werden, ergibt sich folgendes typische Arzneimittelbild:

  • Krampfartige schießende Schmerzen längs dem Verlauf der Nerven und bei Krämpfen in den verschiedensten Körperteilen, die durch Druck und Wärme gebessert werden.
  • Gesichtsneuralgien mit Zucken der Augenlider.
  • Krampfbeschwerden im Gebiet des Magens. Darmkoliken mit Luftaufstoßen, welches nicht bessert. Nabelkoliken der Kinder mit Anziehen der Beine ohne Durchfallerscheinungen.
  • Menstrualkoliken und Dysmenorrhö mit neuralgischen Beschwerden, besser bei Einsetzen der Blutung (Lachesis).
  • Gallensteinkoliken. Nierensteinkoliken. Schmerzen bei chronischem Gelenkrheumatismus.
  • Pertussis besonders nachts und beim Liegen.
  • Chorea minor mit Verdrehung der Glieder.
  • Ischias mit bohrenden schießenden Schmerzen, die Stelle wechselnd, durch leichte Berührung verschlimmert. Schreibkrampf. Wadenkrampf.
  • Alle Beschwerden verschlimmert durch Kälte, nachts im Bett und durch leise Berührung. Besserung: durch heiße Umschläge, Bewegung, Druck, Zusammenkrümmen, langsames Umhergehen und durch feuchte Wärme.
  • Schwindel bei Bewegung mit Nachvornfallen. Wie „Flüssigkeit im Kopf“. Unfähigkeit zum Denken. Supraorbitalschmerzen. Verschwommenes Sehen. Mastoiditis rechts. Zahnschmerzen. Torticollis spasticus.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Magnesium phosphoricum (Magnesiumphosphat) die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Nervenschmerzen. Schmerzhafte Krämpfe des Magen-Darm-Kanals. Regelschmerzen.