Medorrhinum-Nosode

Deutsche Stoffbezeichnung: Tripper-Nosode

Verwendet wird eitriges Urethralsekret eines an Gonorrhö Erkrankten in homöopathischer Zubereitung (Nosode).

Dieses aus dem eitrigen Urethralsekret bei akuter Gonorrhö hergestellte Nosoden-Präparat hat sich bereits seit vielen Jahrzehnten in der Therapie bewährt (1891 von Hering publiziert).

Das Arzneimittelbild von Medorrhinum weist einige typische Symptome auf, die Medorrhinum als eine gut wirksame Nosode bei der hydrogenoiden Konstitution, bei sykotischen Zuständen, bei Hautkrankheiten, besonders bei Vikariation mit Asthma und bei infektiösen, chronischen, verschleppten Erkrankungen (Imprägnationsphasen) indiziert erscheinen lassen. Auch bei Impfschäden, Migräne sowie bei Krebserkrankungen (nach Julian im Wechsel mit Thuja, Natrium sulfuricum und Vaccininum) ist Medorrhinum als Konstitutionsmittel indiziert, insbesondere auch bei chronischem Rheumatismus sowie bei charakteristischen psychischen Störungen.

Der Medorrhinum-Patient ist schwächlich, reizbar und leidet unter Unruhe der Beine und Füße, kann nicht stillsitzen, ist immer in hastiger Bewegung und sehr empfindlich gegen Luftzug und Kälte, fühlt sich aber in der Umgebung des Meeres besser, auch bezüglich seiner steifen Gelenke, wobei ihn besonders nachts die große Unruhe quält, obwohl er schläfrig ist, aber erst gegen Morgen einschlafen kann.

Seine Gemütsstimmung wechselt von tiefster Traurigkeit und Todesahnungen zu Glücksseligkeit. Dabei regt sich der Patient über Kleinigkeiten auf, klagt über neuralgisch rheumatische Kopfschmerzen, besonders im Hinterkopf mit Schwere und Druck auf dem Scheitel, wobei sich der Kopfschmerz durch Husten verschlimmert; auch heftiges Jucken der Kopfhaut und starke Schuppenbildung besteht.

Dieses heftige und unaufhörliche Hautjucken ist typisch, besonders auf dem Rücken und in der Genitalgegend, wobei sich eventuell kupferrote Flecken finden, die gelb bis braun werden und eine reine Haut hinterlassen. Auch kann starke Gelbfärbung der Haut bestehen. Gestielte Warzen treten wie kleine Pilze an verschiedenen Körperstellen auf.

Chronische Sinusitis mit heftigem Jucken, auch Geruchsverlust, entzündete und geschwollene Nase mit Verstopfung der hinteren Nasenöffnung können vorhanden sein. Auch Heiserkeit, Stimmlosigkeit, Lungenstiche und unaufhörlicher trockener Nachthusten können durch Medorrhinum günstig beeinflusst werden, besonders auch bei Kitzeln unter dem Brustbein und schmerzhaftem Husten, als ob der Kehlkopf zerspringen wollte, wobei reichlicher Auswurf von Schleim vorhanden sein kann, der mit Blut gemischt ist.

Während es dem Medorrhinum-Patienten gegen Abend besser geht, so dass er nachts ausgesprochen fröhlich ist, ähnlich wie bei Nux vomica, pflegt die ganze Nervosität morgens beim Erwachen wieder einzusetzen, genau im Gegensatz zu Luesinum, dessen Beschwerden sich nachts ausgeprägt verschlimmern.

Auch am Herzen findet sich nach der geringsten Anstrengung eine typische Symptomatologie mit Herzklopfen und Herzflattern sowie ausstrahlenden Herzschmerzen, die durch die geringste Bewegung verschlimmert werden.

Auch an den Verdauungsorganen zeigt sich eine typische Symptomatologie mit metallischem Mundgeschmack, morgens schlimmer, sowie mit ulzeröser Stomatitis und Trockenheit im Mund, wie verbrannt, sowie dickbraun belegter Zunge.

Verlangen besteht nach Salz, aber auch nach Süßem und Saurem mit Wechsel der Erscheinungen. Auch können klarer Schleim, schaumige und kaffeesatzähnliche Massen erbrochen werden, Gallen- und Leberbeschwerden bestehen, auch dunkle Stühle und Diarrhö, ebenso knollige Stühle und heftiges Afterjucken.

Typisch für Medorrhinum sind auch rheumatoide Beschwerden, brennende Schmerzen entlang der Wirbelsäule, brennende Hitze in Händen und Füßen (ähnlich wie Sulfur und Sanguinaria) sowie eine schmerzhafte Empfindlichkeit der Ferse und der Fußsohle, auch Hüftschmerzen links (Koxitis), Schmerzen im Sakro-Iliakalgelenk, die von den Hüften bis zu den Schenkeln ziehen. Der akute Rheumatismus verschlimmert sich bei Bewegung, während sich der chronische Rheumatismus in der Bewegung bessert.

Dabei können Schmerzen neuralgischer Art plötzlich auftreten und ebenso plötzlich wieder verschwinden, auch bestehen Deformationen der Fingergelenke mit Steifheit sowie Gonarthrose.

Im Bereich der Harn- und Geschlechtsorgane können Nierenkoliken mit heftigen Tenesmen und eventuell nächtlichem Bettnässen vorhanden sein, auch heftige nächtliche Erektionen mit brennenden Schmerzen in der Urethra beim Urinieren, starker Geschlechtstrieb nach der Menstruation, die übelriechend und profus mit dunkelgeronnenem Blut auftritt. Auch findet sich Fluor albus mit dünnem, scharfem, wundmachendem, nach Fischlake riechendem Ausfluss, linksseitige Ovariitis, Menstrualkoliken, Metrorrhagien, schmerzhafte und empfindliche Brüste und insbesondere auch Feigwarzen.

Ein besonders typisches Symptom ist die Neigung, auf dem Bauch zu schlafen, das Gesäß in die Luft gestreckt, den Kopf im Kopfkissen vergraben, was sich besonders bei Säuglingen findet.

Ferner ist eine enorme Vergesslichkeit charakteristisch für Medorrhinum, ebenso wie für Luesinum und Psorinum, wobei die Vergesslichkeit speziell die soeben gehörten Mitteilungen betrifft, worauf besonders Julian hingewiesen hat (siehe auch Homotoxin-Journal 7, 137–139 (1968).

Wenn die wichtigsten Symptome von Medorrhinum zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes typische Arzneimittelbild:

  • Hastiges Wesen. Unruhe und Ruhelosigkeit. Exzessive Nervosität und Erschöpfung, nachts besser, am Morgen schlimmer. Empfindlichkeit gegen Luftzug. Pessimismus. Psychische Depression.
  • Frontalkopfschmerz mit Einschnürungsgefühl. Schlaflosigkeit um Mitternacht. Eventuell auch Bettnässen.
  • Enorme Vergesslichkeit (der letzten Geschehnisse). Patient verliert den Faden beim Sprechen.
  • Rhinitis und Sinusitis mit Verstopfung der Nase und Anosmie. Schmerzhafter, trockener Husten, schlimmer in der Nacht. Glottiskrampf und Asthma, besser am Meeresstrand.
  • Verlangen nach Reizmitteln und Süßigkeiten, sowie nach Eis, Bier und Salz. Krampfhafte Magenschmerzen. Obstipation mit festhängendem Stuhl.
  • Nierenkoliken. Zystitis und Urethritis. Fluor albus. Pruritus der Genitalien. Weibliche Brüste kalt wie Eis und marmoriert, berührungsempfindlich.
  • Rheumatische Beschwerden (Monarthritis). Gonarthritis. Auch Verformungen der Finger- und Handgelenke. Brennende Hitze und Schmerzen an Händen und Fußsohlen. Empfindlichkeit des Hackens. Koxitis. Plötzlich kommende und gehende neuralgische Schmerzen.
  • Feuchte, ölig glänzende Haut. Übelriechender Schweiß. Gestielte Warzen. Spitze und breite Kondylome. Chronische Ekzeme und Dermatosen.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Medorrhinum-Nosode die folgenden Hauptindikationen für Medorrhinum im Bundesanzeiger veröffentlicht: Schleimhautentzündungen der Harn- und Geschlechtsorgane, der Atemwege, des Magen-Darm-Kanals. Rheumatismus. Verhaltensauffälligkeiten. Voralterung.