Naphthochinonum

Synonym: 1,4-Naphthochinonum

Deutsche Stoffbezeichnung: Naphthochinon

Verwendet wird 1,4-Dioxo-1,4-dihydro-naphthalin, C10H6O2, MG 158,6.

Naphthochinon hat als Chinonderivat Carbonylgruppen-Funktionen, vermag nach W. F. Koch (USA) daher toxische Aminogruppen aus Azomethinbindung „wegzubrennen“. Einzusetzen bei allen zellulären Phasen, Viruskrankheiten, auch bei toxischen Infektionen (Reaktionsphasen), speziell bei Dedifferenzierungsphasen.

Der Indikationsbereich von Naphthochinon ist kleiner als von anderen Chinonen. Das Präparat ist aber von erheblich größerer Durchschlagskraft und kaum durch ein anderes Mittel zu ersetzen.

Besonders schwere Karzinomformen im Bereich des Darmes und der Geschlechtsorgane sind die Hauptindikation, vor allem wenn nach operativer Entfernung des Karzinoms eine Strahlenbehandlung durchgeführt wurde, speziell bei Carcinoma uteri und Carcinoma prostatae. Man kann mit Naphthochinon dann Schmerzfreiheit erzielen.

Außer bei schnell wachsenden Hirntumoren (die ohne besondere Vorsymptome auftreten) ist Naphthochinon auch bei Epilepsie mit kurzen Vorstadien (Aura) sowie bei traumatischer Epilepsie und beim Status nach schweren Kopfverletzungen angezeigt.

Auch bei drohender Impfenzephalitis ist Naphthochinon indiziert. Erkrankungen der Luftwege, beginnend mit schwersten Sinusitiden, meist mit Darmträgheit einhergehend, Kehlkopfkrebs mit sehr harten Knoten, die eventuell zunächst als Struma gedeutet werden, Lungenkrebs und besonders auch Asthma bronchiale mit chronischen Katarrhen, auch bei Rauchern, benötigen Naphthochinon, ebenso Entartungen der Speiseröhre, der Speicheldrüsen oder auch Mundhöhlenkrebs.

Naphthochinon-Patienten lieben scharf gewürzte Speisen und salzen nach. Typisch ist die mürrische, verdrießliche Stimmung. Entweder nehmen die Patienten trotz reichlicher Nahrungsaufnahme langsam immer mehr ab oder es besteht Fettsucht mit blass-gelbem, fahlem Hautbefund.

Naphthochinon ist nicht nur bei Magenkrebs mit vollkommener Abmagerung indiziert, sondern auch bei Gastritis der Säuglinge nach künstlicher Ernährung mit Störungen der Darmentleerung. Auch degenerative Nierenerkrankungen, chronische Nephritis mit Eiweißausscheidung und zunehmendem Rest-N sowie Blasenkrebs mit quälenden Schmerzen, auch eitrige Nierenbeckenentzündungen, Nierenschäden nach Scharlach, Grippe und Gelenkrheumatismus, renaler Hochdruck erfordern Naphthochinon, eventuell in Kombination mit Chinhydron und Benzochinon.

Trotz der schlechten Allgemeinverfassung und des Krebsbefalls besteht eine gute Potenz. Die seelische Stimmung schwankt zwischen religiösem Wahn, Teilnahmslosigkeit und absoluter Gleichgültigkeit allen Angehörigen gegenüber, mürrischem Wesen bis zu Manifestationen der Schizophrenie, auch in der Pubertät, wobei auch Erscheinungen einer Multiplen Sklerose und neuralgische Schmerzen, besonders wenn eine fast völlige Atonie des Darmes vorliegt, auf Naphthochinon hinweisen. Auch die nach Poliomyelitis entstandenen Lähmungen lassen sich bei noch nicht zu weit fortgeschrittener Muskelatrophie möglicherweise zurückbilden, wobei laufende Bewegungsübungen erforderlich sind, ebenso wie ein Versuch bei postapoplektischen Lähmungen mit Naphthochinon gemacht werden soll (sonst Gelsemium, Causticum, Arnica u.a.).

Die Aortenstenose und Status nach Digitalismissbrauch soll ebenfalls auf Naphthochinon hinweisen, wie auch ein Absinken des Blutdruckes während des Schlafes, wobei die Beschwerden des Herzens abhängig von der Tätigkeit des Darmes sein können und chronische Leberstauungen mit Bradykardie vorliegen können.

Der in den Geweben vorhandene Sauerstoffmangel findet seinen Ausdruck in einer bläulichen Verfärbung der Lippen, Skleren und Nägel (Zyanose), wobei auch Lymphstauungen bei schweren Krebserkrankungen vorliegen können und meist Erscheinungen von Vagotonie gegeben sind. Die mangelnde Adrenalinfunktion passt zu dem kachektischen Patienten, dessen gesamte Lebensaktivität ausschließlich auf die rasant sich vermehrenden Krebszellen beschränkt ist.

Zumindest sollte in diesen Fällen Naphthochinon noch einmal versucht werden, um eine Umstimmung zu erzielen.

Da Naphthochinon besondere Beziehungen zu den Tonsillen und dem Appendix, das heißt zum zweiten Abwehrsystem des lymphatischen Apparates hat, soll es auch nach Tonsillektomie oder Appendektomie eingesetzt werden, ebenso bei Adenomen des Pankreas und der Nebennieren, bei Myxödem, chronischen Krampfzuständen aufgrund einer Unterfunktion der Parathyreoidea.

Bei allen diesen Fällen ist eine gewisse Teilnahmslosigkeit des Patienten ein Leitsymptom, wobei der Arzt den Eindruck gewinnt, als interessiere sich der Patient überhaupt nicht darum, inwieweit man sich um ihn bemüht oder nicht. Obwohl er behauptet, es fehle ihm nichts, stellt sich dann heraus, dass er seit Jahrzehnten über Stuhlbeschwerden zu klagen hat mit den konsekutiven sekundären Toxinwirkungen.

Naphthochinon ist ohne Frage ein therapeutisch oft indiziertes Chinon. Die Chinone greifen an den Atmungsfermenten an und regulieren, ebenso wie die Katalysatoren des Zitronensäurezyklus, die Oxidation, so dass es verständlich erscheint, wenn alle Katalysatoren des Zitronensäurezyklus und Chinone in ihrer Symptomatologie Störungen der inneren Atmung, mehr oder weniger asthmatische Beschwerden und Schäden der Oxidationsfermente aufweisen. Als ein sehr wichtiger therapeutischer Wirkfaktor ist neben para-Benzochinon und Chinhydron besonders auch Naphthochinon herauszustellen.

Das Arzneimittelbild von Naphtochinonum wurde im September 1996 von Dr. med. David Riley, Santa Fé (New Mexico), USA, erstellt.

Die wichtigsten Symptome aus der Arzneimittelbildprüfung von Dr. Riley waren:

  • Gemütslage: TRÄUME mit der Farbe Rot in Autos und in Fahnen, von Betrug, und alberne Träume. Träume, die selbst den Tag hindurch erinnert werden. Lebhafte Träume. Dumpfer Geist und unklare Gedanken bei Fieber. Weniger besorgt und hoffnungsvoller. Fühlt sich chic und intelligent. Sprechen im Schlaf, das die Person aufweckt, aber keine Erinnerung an das Gesprochene bei ihr hinterlässt. Wacht weinend nach einem Traum auf. Besorgnis und Angst und mit dem Gefühl, die Zeit vergehe langsam.
  • Allgemeines: Gieriges Verlangen nach Eiskaltem, Salat und Süßigkeiten. Fühlt sich zitterig und durchgedreht, wie von einer Reaktion auf ein Diätpräparat. Lethargisch. Verminderte prämenstruelle Beschwerden mit weniger Aufgeblähtsein und Anschwellung. Stauung von Blutgefäßen.
  • Schwindel: Schwindelig nach dem Essen, mit einem entspannten und schwebenden Gefühl.
  • Kopf: Stechende, heftige und dolchartig stechende Schmerzen in der Stirn oder heftige blitzartige Schmerzen an der rechten Seite oben und wie ein Band. Durchdringende Kopfschmerzen auf der linken Seite und im linken Hinterkopf. Kopfschmerzen wie von einer Kappe, die ein dumpfes ständiges Stechen sind. Rasende Kopfschmerzen beim Aufwachen, wie in einem Schraubstock.
  • Auge: Nicht kontrollierbares Zucken des rechten Augenlides.
  • Ohr: Hellgelbes Ohrenschmalz.
  • Gehör: Verstopftes Gefühl, als würden weniger Laute empfangen.
  • Nase: Zunahme von Schleim in den hinteren Nasengängen. Jucken in der Nase, das zum Niesen veranlasst.
  • Gesicht: Lippenherpes am rechten Mundwinkel.
  • Mund: Aphthen auf der rechten Seite des Mundes. Wundheit auf der Zunge, wie eine geschwollene Geschmacksknospe oder wie durch Beißen. Beißt sich ins Mundinnere.
  • Zähne: Zahn gegenüber Heißem und Kaltem empfindlich.
  • Hals: Trockenheit im Hals schlimmer zur Schlafenszeit. Euphorisches Gefühl im Hals, das wie Jucken war. Kratziges Halsgefühl mit Schleim in den hinteren Nasenlöchern. Hals wird am Abend frei.
  • Magen: Verminderter Appetit. Das Denken an Essen verursacht Knebelgefühl. Gesteigerter Hunger. Leibkrämpfe mit Übelkeit. Magen knurrt.
  • Leib: Gefühl von einem Loch wie eine leere Höhe. Dumpfe Schmerzen oberhalb des Nabels. Leibkrämpfe mit Übelkeit und kaltem Schweiß. Anhaltende Schmerzen im Leib, gefolgt von natürlichem Stuhlgang. Vermindertes Anschwellen des Leibens und weniger Aufgeblähtsein vor den Regelblutungen.
  • Rektum: Gefühl von Unvollständigkeit nach natürlichem Stuhlgang. Flatus mit nicht wahrgenommenem Stuhlgang. Diarrhö mit Aufwachen, oder die dazu veranlasst, schnell die Toilette aufzusuchen. Intensives Jucken im After.
  • Stuhlgang: Diarrhö mit faul riechendem Stuhlgang. Stuhlgang beginnt fest und wird dann flüssiger. Schnelles die Toilette Aufsuchen mit laufendem dünnem Stuhlgang.
  • Genitalien, weibliche : Regelblutungen, die einsetzen und dann plötzlich aufhören. Dem Menstruationsfluss geht keine Schmierblutung voraus. Keine krampfartigen Schmerzen am Anfang der Regelblutungen.
  • Sprechen und Stimme: Rauheit gegen Abend.
  • Rücken: Gefühl von geschwollenem Nacken mit Dumpfheit des Geistes. Linksseitiges Engegefühl im Nacken und Rücken, das sich ausdehnt zu den Kniesehnen und Waden.
  • Extremitäten: Steifheit und anhaltende Schmerzen in den Knöchel- und Ellbogengelenken. Engegefühl in den Muskeln der linken Körperseite, die sich vom Nacken und Rücken zu den Kniesehnen und zur Wade ausdehnen. Vermindertes Anschwellen von Hand, Fingern und Knöcheln vor den Regelblutungen. Krampf in der linken Wade bei nächtlichem Aufwachen.
  • Schlaf: Spätes Einschlafen mit Einschlafschwierigkeiten, als wollten sich die Augen nicht schließen, oder frühes Einschlafen. Unruhiger Schlaf mit Sichherumwälzen und -drehen. Es wird ihm/ihr während des Schlafes warm, und er/sie wirft die Decken ab. Wacht nicht auf, um die Blase zu entleeren. Schlafen auf dem Rücken.
  • Haut: Leberflecken auf dem Nacken, die verschwinden