Natrium chloratum

Synonym: Natrium muriaticum

Deutsche Stoffbezeichnung: Natriumchlorid

Verwendet wird Natriumchlorid, NaCl, MG 58,4. Der Gehalt entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Kein homöopathisches Mittel steht so sehr im Mittelpunkt der Zweifel an der Wirksamkeit der Homöopathie überhaupt wie Natrium muriaticum, das Kochsalz.

Enthalten die Gewebeflüssigkeiten und das Blut doch bekanntlich Natriumionen in beträchtlichen Konzentrationen. Wenn nun homöopathische Gaben von Natrium muriaticum trotzdem wirken, worüber ehrenhafte und sachlich beobachtende Ärzte seit vielen Jahrzehnten immer wieder berichten und was auch dem Verfasser, besonders bei den Hochpotenzen von Natrium muriaticum, bekannt ist, so geht aus diesen Wirkungen gleichzeitig auch die Bedeutung des Potenzenaccord-Prinzips hervor, indem ein Präparat in höherer Verdünnung auch dann wirkt, wenn es in einer niederen Verdünnung inkorporiert ist.

Andernteils ist es durchaus bekannt, dass durch Einnehmen von zu viel Salz tiefgreifende Ernährungsstörungen und andere Erscheinungen hervorgerufen werden können, zum Beispiel Ödeme, Hochdruck, konsekutiv eventuell auch ein Zustand von Anämie. Durch die homöopathische Arzneimittelprüfung wurden viele Symptome herausentwickelt, die Natrium muriaticum als ein großes Arzneimittel für intermittierende Fieber, nach Nash auch für Malaria, außerdem für Anämie, Chlorose, Beschwerden im Verdauungstrakt und der Haut erwiesen haben; auch ist ein Gefühl der intensiven Schwäche mit Kälterieseln über den Rücken charakteristisch für Natrium muriaticum, sowie eine deutliche Abmagerung am Hals und Erkältungsneigung. Die Schleimhäute pflegen bei Natrium muriaticum trocken zu sein, verbunden mit Reizbarkeit und Überempfindlichkeit gegen alle Arten von äußeren Einwirkungen.

Nash bezeichnet Natrium muriaticum „Als eines der besten Mittel gegen Anämie, einerlei ob diese durch Säfteverlust hervorgerufen wird (China, Kalium carbonicum), durch Regelstörungen (Pulsatilla), durch Samenverlust (Acidum phosphoricum, China) oder auch durch psychische Einflüsse“.

Meist besteht Blässe und Abmagerung, obwohl der Patient gut isst. Klopfende Kopfschmerzen können vorhanden sein, Kurzatmigkeit beim Treppensteigen und bei körperlicher Anstrengung, insbesondere auch Obstipation und depressive Stimmungslage, die für Natrium muriaticum typisch ist, auch Neigung zum Weinen. Im Gegensatz zu den Pulsatilla-Patienten wirkt Zuspruch nicht günstig, sondern verschlimmert die Situation.

Wenn sich klopfende Kopfschmerzen auf Belladonna hin nicht bessern, so ist häufig Natrium muriaticum indiziert. Dann liegt meistens auch eine Anämie vor mit blassem oder nur schwach gerötetem Gesicht. Gewisse Beziehungen bestehen zu China, welches ebenfalls klopfende Kopfschmerzen aufweist, auch nach Blutverlusten, zum Beispiel post menstruationem. Kopfschmerz von Schulmädchen, ähnlich wie bei Calcium phosphoricum, kann ebenfalls eine Indikation von Natrium muriaticum sein. Besonders auch Herzklopfen und Herzflattern mit zeitweiligem Aussetzen der Herztätigkeit sowie mit Mißempfindungen beim Ruhen sprechen für Natrium muriaticum, wobei sich die Beschwerden bei intensiver geistiger Arbeit (auch der Kopfschmerz) steigern.

Auffallend sind die Verdauungsstörungen von Natrium muriaticum, charakterisiert durch ein starkes Gefühl von Trockenheit, besonders im Mund (ohne dass wirklich Trockenheit besteht – Nash). Rhagaden finden sich in der Mitte der Ober-, gelegentlich auch der Unterlippe. Auch rissige Mundwinkel sind ein Symptom von Natrium muriaticum.

Ähnlich wie bei Silicea findet sich auch das Gefühl eines Haares auf der Zunge (auch bei Kalium bichromicum – Nash). Landkartenzunge kann auch auf Natrium muriaticum ansprechen. Der Herpes labialis erfordert in vielen Fällen nicht nur Rhus toxicodendron, Mezereum oder Variolinum (Vaccininum), sondern reagiert auch auf Natrium muriaticum, ebenso wie eventuell die follikuläre Pharyngitis, besonders nach örtlicher Anwendung von Höllenstein.

Die Trockenheit der Schleimhäute des Verdauungskanals dürfte auch für den trockenen, krümeligen, unregelmäßigen, harten Stuhl verantwortlich sein, wobei meistens eine starke Trägheit des Rektums ohne Schmerzen besteht und die Entleerung schwierig ist, eventuell verbunden mit Einrissen und heftigen Blutungen, wobei das Gefühl von starker Wundheit zurückbleibt.

Natrium muriaticum kann ein sehr gutes Mittel bei Fieber sein, speziell bei Wechselfieber, wenn der Frost vormittags gegen 10 Uhr bis 11 Uhr auftritt (Nash). Dabei werden das Fieber, der Kopfschmerz und alle übrigen Symptome von Natrium muriaticum oft durch Schwitzen gebessert.

Hauterscheinungen von Natrium muriaticum sind insbesondere Einrisse an den Nägeln (Niednagel) mit entzündlichen Reizungen der Nagelglieder, aufgesprungene und sich abschälende Oberhaut der Lippen und Anschwellung der Lippen, besonders der Oberlippe (Causticum). Auch können Knötchen, Bläschen, diffuse rote Flecken mit Abstoßung der Epidermis und Schorfbildung, besonders auch Bläschenausschlag in den Gelenkbeugen vorhanden sein, die aufspringen und sich mit Schorf überziehen, aus denen eine scharfe Flüssigkeit sickert (Nash). Nash weist besonders auch darauf hin, dass Natrium muriaticum besser in Hochpotenzen wirkt.

Boericke beschreibt noch andere typische Symptome wie heftigen Fließschnupfen mit Nießen und Geruchs- sowie Geschmacksverlust, innerer Wundheit der Nase und Trockenheit, ferner unregelmäßige Menstruation, scharfen und wässrigen Fluor albus, Umknicken der Gelenke und rheumatische Beschwerden mit Kälte der Beine, ferner nervöses Zucken im Schlaf mit Vormittagsschläfrigkeit, Ausschläge am Rande der behaarten Kopfhaut, Warzen auf den Handflächen, Besserung im Freien, durch kalte Bäder, Liegen auf der rechten Seite.

Boericke empfiehlt auch Aqua marina in entsprechender Potenzierung subkutan zur Behandlung von Erkrankungen der Haut, der Nieren und des Darmes, Bei Gastroenteritis mit Tuberkulose sowie zur Entgiftung bei Krebs.

Auch bei Neuralgien, besonders des Nervus infraorbitalis ciliaris und bei Zephalgien soll ein Versuch mit Natrium muriaticum gemacht werden, wenn sonstige Symptome vorhanden sind (Magersucht, Bleichsucht, veralteter Rheumatismus, gichtige oder rheumatische Gelenkbeschwerden).

Auch bei Infiltration des Zellgewebes und der Drüsen, bei schwer resorbierbaren Exsudaten und Transsudaten ist Natrium muriaticum indiziert. Man wird hauptsächlich auf die konstitutionellen Symptome des Patienten achten sowie auf die Mentalität, die Reizbarkeit, wobei vor allen Dingen auch Kreuzschmerzen und Obstipation einen wichtigen Hinweis bieten und die Besserung des Befindens bei trockener und warmer Witterung sowie die Verschlimmerung bei feuchtem und kühlem Wetter und das allgemeine Frösteln.

Die Hauptsymptome von Natrium muriaticum lassen sich in folgendem Arzneimittelbild zusammenfassen:

  • Blasse Patienten, die abgespannt aussehen, leicht gereizt, niedergeschlagen und pessimistisch sind, leicht weinen, jedoch Zuspruch ablehnen („vegetativ labile Astheniker“ nach Schilsky), vorwurfsvolle Antworten bei der Anamnese.
  • Klopfende Kopfschmerzen, besonders in den Schläfen und gegen Vormittag. Neuralgien. Frostschauder auch im warmen Zimmer.
  • Kreuzschmerzen mit Verlangen nach harter Unterlage. Neuralgien und Rheumatismus. Umknicken der Gelenke.
  • Herzklopfen mit Arrhythmie, besonders in der Ruhe.
  • Alle Beschwerden schlimmer bei geistiger Arbeit und bei Anstrengungen. Unregelmäßige Menstruation.
  • Fieberanfälle mit Frösteln, Durst, Hitze und heftigem Kopfweh, gebessert durch Schweißausbruch. Wechselfieber. Malaria. Attacken gegen Vormittag einsetzend.
  • Herpes labialis. Rissige Mundwinkel. Tiefe Rhagaden in der Mitte der Oberlippe (evtl. auch Unterlippe).
  • Urtikaria. Ekzeme in den Ellenbeugen mit Absonderung scharfer Flüssigkeit. Auch an der Haargrenze.
  • Verlangen nach Salz und scharfen Speisen. Durstgefühl, ohne viel dabei zu trinken. Landkartenzunge.
  • Schleimkatarrhe, Schnupfen mit Niesen und Absonderungen wie Eierklar (Nase, Urethra, Vagina). Gefühl eines Haares auf der Zunge.
  • Obstipation mit harten, trockenen, krümeligen Stühlen, eventuell mit Wundheit am Anus, Einrissen und Blutungen. Dabei Schwäche der Eingeweide.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Natrium chloratum die folgenden Hauptindikationen für Natrium muriaticum im Bundesanzeiger veröffentlicht: Migräne. Magen-Darm-Erkrankungen. Verstimmungszustände. Hauterkrankungen. Erkrankungen des Stützgewebes.