para-Benzochinonum

Synonym: p-Benzochinonum

Deutsche Stoffbezeichnung: p-Benzochinon

Verwendet wird p-Benzochinon, C6H4O2, MG 108,1.

Wirkt in manchen Fällen umfassend regenerierend auf die Zellatmung (Zitronensäurezyklus) infolge der freien Radikale, ebenso bei mutativen Schädigungen (Gene usw.). Indikationen sind alle zellulären Phasen, auch Leukämie, Asthma, organische Nervenerkrankungen, Präkanzerose und Dedifferenzierungsphase, Hepatitis u.a.

Aus der praktischen Erfahrung hat es sich ergeben, dass para-Benzochinon in seiner Struktur und Wirkung zwar dem Hydrochinon ähnelt jedoch wesentlich spezifischer und eingreifender ist. Dabei entspricht das Krankheitsbild dem tumorkranken Patienten mit fast hoffnungsloser Kachexie und totaler Entgleisung des Stoffwechsels bei vollkommener Reaktionslosigkeit auf gut gewählte Medikamente.

Bevor para-Benzochinon bei Tumorkranken eingesetzt wird, sollte erst eine Stimulierung mit den Katalysatoren des Zitronensäurezyklus erfolgen. Nach der Symptomatik werden die einzelnen Säuren herausgesucht und im kurzen Abstand nacheinander gespritzt.

Dann sollte zunächst Hydrochinon etwa dreimal injiziert werden und anschließend para-Benzochinon folgen.

Eines der hervorstechendsten Symptome von para-Benzochinon ist die große Dyspnoe und starke Herzbelastung sowie die Ödembildung in den Körperhöhlen und in den Extremitäten. Dabei kann unerträglicher Kopfschmerz vorliegen mit rotem Gesicht und sehr angestrengtem Aussehen. Para-Benzochinon sollte selbst in hoffnungslosen Fällen versucht werden, eventuell auch i.v., sogar 3- bis 5-mal täglich. Nie darf para-Benzochinon in Kombination mit Tuberkulostatika zusammen gegeben werden (nach Voll’scher Testung Blockade in 80%). Außer bei allen Erkrankungen an Neoplasien ist para-Benzochinon auch bei allen Psychosen indiziert, die eventuell als Vorstadien oder Vikariationen gedeutet werden müssen.

Ebenso kann man mit para-Benzochinon gewisse Schutzfunktionen gegen Virusinfektionen erzielen.

Bei Psychosen soll Cerebrum suis oder Cerebellum suis mit para-Benzochinon gekoppelt werden.

Zu denken an para-Benzochinon ist stets bei einer sonst fast unbeeinflussbaren Dyspnoe, die Tag und Nacht nicht nachlässt und in Atemlähmung übergehen kann (z.B. bei Nebenwirkungen von Opiaten). Auch bei degenerativen Erkrankungen der Augen (Retina) und an den Ohren ist para-Benzochinon, unter anderem auch bei Diabetes mellitus, einzusetzen.

Eine Indikation ist auch der Tremor der Alkoholiker mit Zerstörung der Persönlichkeit und aggressiver Stimmung, Unzugänglichkeit des Patienten sowie mit Gefahr der Korsakow-Psychose.

Ferner kann ein Zustand von Paresen nach Poliomyelitis, auch nach Enzephalitis und nach Impfungen, durch para-Benzochinon gut beeinflusst werden. Völliger Ausfall des Gedächtnisses und Störungen der Muskelkoordination sowie Multiple Sklerose und Tumore im Bereich der Wirbelsäule mit Schmerzen und Paresen können auf para-Benzochinon eventuell günstig ansprechen, auch Gehirntumore. In vielen Fällen höchster Hirnreizung beeinflusst para-Benzochinon die furchtbaren Schmerzen noch besser als ein Opiat.

Para-Benzochinon kann ähnlich wie Sulfur wirken, wenn gut gewählte Homöopathika nicht ausreichend zur Wirkung kommen beziehungsweise wenn dieses auf einer Veränderung des Nervensystems beruht. Para-Benzochinon vermag auch die kritische Phase von Schockzuständen oder Eiweißvergiftungen auszukompensieren, welche nach Bluttransfusionen, nach Frischzellen und Plasma-Infusionen auftreten.

Bei Unverträglichkeit von Fleisch ist para-Benzochinon ebenfalls indiziert.

Para-Benzochinon hat auch umfangreiche Auswirkungen auf die endokrinen Drüsen, zum Beispiel beim Bartwuchs der Mädchen oder Bildung einer Brust bei Knaben, wobei oft der stupide Ausdruck des Gesichts auffallend ist. Auch ungewöhnliche Fettanlagerungen oder extreme Magersucht können vorhanden sein.

Bei schweren Entgleisungen der Parathyreoidea kann es in Verbindung mit Glandula parathyreoidea suis erstaunlich gut helfen. Auch bei Versagen der Nebennieren und Addison-Krankheit sowie bei Multipler Sklerose, wenn Schmerzhaftigkeit und Verkrampfungen im Vordergrund stehen, ferner bei Milzschäden mit Veränderungen des Blutbildes und bei Status nach Entfernung der Milz, bei Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse mit Fermentstörungen und nachfolgenden Atembeschwerden muss an para-Benzochinon gedacht werden.

Günstig bei allen schweren Giftlagen, auch bei Inflammationsphasen ist die Kombination mit Acidum malicum, Acidum fumaricum und Natrium oxalaceticum.

Para-Benzochinon ist besonders auch dann angezeigt, wenn nach Anwendung von Hydrochinon eine Verschlechterung des gesamten Zustandes eintritt.

Bei allen Erkrankungen, die mit einer Eiweißintoxikation im Zusammenhang stehen könnten, bei denen also auch Autoantigene beziehungsweise Autoaggressionen im Spiel sind, kann para-Benzochinon möglicherweise günstige Wirkungen haben, zum Beispiel bei primär chronischer Polyarthritis, Endomyokarditis und anderen Auto-Aggressionskrankheiten, auch nach Bluttransfusionen und bei schwer erziehbaren Kindern. Dabei soll, je länger die Dysregulation besteht, eine umso höhere Potenz gewählt werden, während bei akuten und dramatischen Krankheitsbildern tiefere Potenzen zu bevorzugen sind.

Wichtigste Indikationen für para-Benzochinon sind Krebsbildungen besonders solche der unteren Darmabschnitte, wobei eine deutliche Verschlechterung nach dem Genuss von Fleisch und Eiern charakteristisch ist.

Zweckmäßigerweise wird para-Benzochinon in Verbindung mit Anthrachinon oder Hydrochinon eingesetzt. Solche Patienten sind meist missmutig, gereizt und können nie lachen. Sie machen einen unsagbar leidenden Eindruck. Dabei kann der fast immer trockene Stuhl plötzlich mit wässrigem Durchfall wechseln, mit quälenden Schmerzen im gesamten Abdomen, bei Parese des Darmes und Unfähigkeit, den Stuhl zu halten.

Para-Benzochinon kann auch bei Sommerdurchfällen, speziell auf Reisen oder bei Kostveränderung (Fleischgenuss) wirksam sein.

Auch bei chronischer Zystopyelitis, Incontinentia urinae und Papillomen der Blase, Kondylomen am Penis, die oft hart und stark pigmentiert sind, ist para-Benzochinon angezeigt.

Durch das gesamte Arzneimittelbild von para-Benzochinon zieht sich Entartung der verschiedensten Gewebe, Unterentwicklung zurückgebliebener Kinder, Krebsbildung und Hormonfehlsteuerungen (Hypophyse oder Nebennieren), übelriechende Absonderungen, zum Beispiel aus der Brustdrüse oder von nässenden Ekzemen an den Genitalien, was kaum durch Waschungen unterbunden werden kann. Folgen ererbter Lues können vorliegen sowie hartnäckige Ekzeme mit Lichenifikation der gesamten Körperhaut mit Bevorzugung der Arme, Beine, der Halsgegend und des Gesichtes, wie sie sich oft im Endstadium nach üblicher externer Therapie finden, auch nach Aussetzen der Kortikosteroid-Behandlung.

Dabei ist es wesentlich, vorher die gesamte Homotoxinlage mittels Nosoden und speziell mittels die Entgiftung anregenden Präparaten zu bereinigen, da das durch para-Benzochinon in Bewegung gesetzte homotoxische Material sonst zu erheblichen Ausweitungen von Inflammationsphasen führen kann, zum Beispiel zur Ausbildung von Abszessen, die dann als biologisch günstiges Ventil aufgefasst werden müssen.

Auch am Knochensystem zeigen sich degenerative Veränderungen, die para-Benzochinon erfordern, wie speziell Gelenkaffektionen nach Kortisongaben, Osteomyelitis, rachitische Veränderungen, Scheuermann-Erkrankung, Skoliose in früher Jugend, wobei die Kinder nicht gerade sitzen, auch nicht stehen können. Auch an den Zähnen äußern sich die für para-Benzochinon typischen Depositionserscheinungen. Sie brechen in großen Brocken zusammen, ohne Schmerzen mit braunen Flecken und bloßliegenden Zahnhälsen.

Para-Benzochinon vereinigt zahlreiche Symptomengruppen degenerativen Charakters, die sich bei den Arzneimittelbildern von Arsen, Sulfur, Phosphor, Mercurius-Verbindungen, speziell auch bei Nosoden finden (Psorinum, Luesinum, Medorrhinum, Tuberculinum u.a.). Para-Benzochinon soll daher zweckmäßigerweise in Kombination mit diesen sonst indizierten Präparaten zum Einsatz kommen, speziell auch mit den entsprechenden Nosoden und Suis-Organ-Präparaten der adäquaten Gewebe und Organe, sollte jedoch zweckmäßigerweise stets einzeln parenteral verabfolgt werden, so dass die sonst indizierten Präparate nebenher verabreicht werden.

Charakteristisch könnte die Situation von para-Benzochinon etwa so geschildert werden, dass der Patient bei darniederliegender Abwehr und Oxydationsfähigkeit zunehmend in eigenen, intermediären Homotoxinen zu ersticken droht, wobei durch die vorhandenen Ausscheidungen und Entzündungen nur ein oberflächlicher, geringer Teil der schweren inneren Giftlage zum Abbau gelangt, gerade eben noch so viel, dass das Leben notdürftig aufrechterhalten wird, aber nicht im Sinne einer sich durchsetzenden kompletten regressiven Vikariation in die Inflammationsphase eine Generalreinigung der gesamten Giftlage erfolgen kann. Hier kann para-Benzochinon den Umschwung bringen. Eine solche „Wunderheilung“ hat der Verfasser 1979 bei einer sterbenden, 84jährigen Patientin erlebt.