Petroleum rectificatum

Deutsche Stoffbezeichnung: Steinöl

Verwendet wird zwischen 180 und 220 °C siedendes Petroleum, das durch Rektifikation von Erdöl gewonnen wird.

Nash bezeichnet Petroleum als eines unserer besten antipsorischen Mittel, wobei die Ausschläge von Petroleum denen von Graphites sehr ähnlich sind, indem sie in Gelenkbeugen und an Hautfalten auftreten, zum Beispiel am Kopf hinter den Ohren, am Skrotum, an den weiblichen Geschlechtsteilen sowie an Händen, Füßen und Beinen. Das charakteristische Leitsymptom ist die Verschlimmerung zur Winterszeit, wobei die Hände aufspringen, rissig werden und bluten, während des Winters mit Ekzemen bedeckt sind und im Sommer in typischer Weise abheilen. Daher ist Petroleum auch ein gutes Heilmittel bei Frostbeulen und zeigt, ähnlich wie Hepar sulfuris, eine Verschlimmerung bei kaltem Wetter oder in kalter Luft, wobei auch die geringste Verletzung oder Abschürfung der Haut, ebenso wie bei Hepar sulfuris eitert.

Ein weiteres wichtiges Symptom von Petroleum ist Übelkeit und Schwindel beim Fahren, so dass man es bei Seekrankheit und Eisenbahnkrankheit einsetzt.

Nash erwähnt noch eine bestimmte Art von Kopfschmerzen im Hinterkopf, der schwer wie Blei ist mit einem Schwindelgefühl dabei.

Auch Knacken in den Gelenken kann durch Petroleum, ähnlich wie durch Causticum, günstig beeinflusst werden, ferner ein Magenschmerz, der durch Essen gebessert wird, und Diarrhö und Dysenterie, die während des Tages sich verschlimmern.

Nash rechnet Petroleum daher zu den Hauptantipsorika wie Sulfur, Graphites, Causticum und Lycopodium.

Zu erwähnen ist noch die nervöse Irritabilität, die sich bei Petroleum-Kranken findet, auch unruhiger Schlaf bei großer Aufregung und innerlicher Hitze mit Herumwerfen im Bett (ähnlich wie bei Sulfur), ein Zusammenschrecken mit ängstlichen Träumen und Phantasieren, auch mit Herzklopfen und Gliederzittern, bei großer Schläfrigkeit und Mattigkeit den Tag über, wobei der Patient eventuell bei ruhigem Sitzen unvermutet einschläft. Dabei besteht Unruhe und Unzufriedenheit, ein aufgeregtes und leicht aufbrausendes heftiges Wesen mit Ärgerlichkeit, jedoch auch mit Niedergeschlagenheit, Schwermütigkeit und Ängstlichkeit, die in Mutlosigkeit münden kann. Dabei kann auch Vergesslichkeit und Unlust zu geistiger Anstrengung und schwaches Denkvermögen vorhanden sein mit Schwindel, Kopfschwere und Eingenommenheit im Kopfe, auch Ohrenbrausen, verbunden mit dumpfen und ziehenden Kopfschmerzen.

Die Hautaffektionen von Petroleum können sich auch auf die Augenschleimhäute ausdehnen mit Dakryozystitis, Tränenfluss, leichter Ermüdung der Augen, Schwachsichtigkeit und Mouches volantes.

Auch eine Otitis externa mit chronischer entzündlicher Sekretion, verbunden mit Ohrensausen und Schwerhörigkeit wird durch Petroleum beeinflusst, ebenso wie Nasenbluten mit geschwürigen Zuständen der Nasenschleimhaut.

Besonders auch die Verrenkungsschmerzen in Schulter-, Ellbogen-, Hand- und Fingergelenken sind charakteristisch, besonders auch leichte Verrenkbarkeit des Unterkiefers und Steifigkeit in allen Gelenken sowie Krampfen in Oberschenkeln, Waden und Füßen, das aber besonders während des Tages verstärkt ist.

Wenn Magenbeschwerden im Sinne des Duodenalsyndroms vorliegen, wogegen Petroleum ebenfalls mit guter Wirkung eingesetzt werden kann, so besteht oft übler Geruch aus dem Munde mit Stomatitis ulcerosa und weißer, schleimig belegter Zunge, auch begleitender Angina tonsillaris, eventuell Auftreibung des Bauches, Wasserbrechen und Durchfall übelriechender Stuhlmassen. Nach der Stuhlentleerung findet sich häufig großes Schwächegefühl und Jucken am After mit Brennen und Stechen im Mastdarm.

Außer Pruritus an männlichen und weiblichen Genitalien mit Ekzematisation finden sich auch Samenstrang- und Hodenneuralgien sowie Brennen und Erregungszustände in der Harnröhre, bei Frauen eiweißartiger Fluor albus.

Typisch für Petroleum ist stets die Verschlimmerung durch Fahren oder auch durch Ärger und die Verschlimmerung im Winter, besonders der Hauterscheinungen.

Wenn die Hauptsymptome zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes typisches Arzneimittelbild:

  • Chronischer Rheumatismus. Arthritis und Arthrosen mit Knacken und Knarren der Gelenke. Habituelle Kieferluxation. Winterverschlimmerung.
  • Leichte Erkältlichkeit. Mattigkeit und Frösteln, Benommenheit nach Geistesanstrengung. Depressive Stimmungslage.
  • Hauteruptionen mit feuchtenden, wunden Ekzemen in den Gelenkbeugen, hinter dem Ohr. Skrotalekzeme. Aufgesprungene, rissige Hände, Frostbeulen. Rhagaden. Übelriechender Schweiß an Achsel, Kopf und Händen sowie an den Geschlechtsteilen. Hartnäckige Zehengeschwüre.
  • Kopfgrind. Tränen. Fisteln. Otitis externa. Eitrige Entzündungen der Nasenschleimhäute.
  • Schwindel und Übelkeit beim Fahren. Seekrankheit. Übelkeit und Erbrechen (auch der Schwangeren, höhere Potenzen!).
  • Duodenalsyndrom mit Diarrhö und nachfolgender Schwäche. Heißhunger mit schneller Sättigung.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Petroleum rectificatum die folgenden Hauptindikationen für Petroleum im Bundesanzeiger veröffentlicht: Verschiedene Hautkrankheiten. Entzündungen der Atemwege, des Magen-Darm-Kanals, der Harnorgane, Rheumatismus. Schwindel