Phosphorus

Deutsche Stoffbezeichnung: Gelber Phosphor

Verwendet wird gelber Phosphor, P, AG 30,79. Der Gehalt entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Die aus weißem Phosphor durch alkoholische Lösung gewonnenen flüssigen Potenzen von Phosphorus werden eingesetzt bei zahlreichen, für Phosphor typischen Beschwerden und Erkrankungszuständen, wobei ein Charakter der Überempfindlichkeit und der erethischen Schwäche durch das ganze Mittel geht, mit allgemeiner Verschlimmerung nach Gemütsbewegung.

Ähnlich wie bei Nux vomica findet sich eine Verschlimmerung der Beschwerden durch Kälte, wobei jedoch die Kopf-, Magen- und Rückgratsymptome eine Besserung durch Kälte erfahren.

Phosphor wirkt günstig bei Morgendurchfällen, während die meisten Beschwerden sich sonst gegen Abend verschlimmern. Schlechter fühlt sich der Phosphor-Patient nach dem Essen und beim Linksliegen, obwohl das letztere Symptom keine Allgemeingültigkeit hat.

Psychisch besteht eine allgemeine Erregbarkeit und Reizbarkeit, mit Lachen und Weinen abwechselnd. Dabei Furchtsamkeit und Schreckhaftigkeit in der Dämmerung und vor allem bei Gewitter, fürchtet das Alleinsein, mit Überempfindlichkeit gegen Licht, Geräusche, Blumenduft und Musik, ähnlich wie Nux vomica. Es besteht eine allgemeine zittrige Schwäche mit Schwindel und eventuell Kopfschmerz, der besser von kaltem Waschen und kühler Luft wird.

Phosphor ist daher auch angezeigt bei Tremor alcoholicus. Dieses bei Entziehungskuren auftretende Symptom kann eventuell sonst den Anlass geben, wieder mit dem Trinken von Alkohol zu beginnen und damit den Erfolg der Kur in Frage stellen.

Schwarze Flocken können vor den Augen tanzen oder der Patient sieht wie durch Nebel und hat Zustände von momentaner Blindheit. Auch Schwerhörigkeit für die menschliche Stimme kann vorhanden sein. Erschöpfungszustände finden sich besonders nach Gemütsbewegungen, Überarbeitung, akuten Erkrankungen, Säfteverlusten und sexuellen Ausschweifungen. Besonders bei Erschöpfungszuständen nach akuten Erkrankungen (z.B. Diphtherie) verbunden mit Schlaflosigkeit wirkt Phosphor hervorragend. Auch dieses Phosphor-Symptom stellt eine Indikation zur Behebung von Entziehungserscheinungen bei Trunksucht dar.

Typisch für Phosphor ist die Nekrose des Unterkiefers, ferner eine grau-schleimig belegte Zunge mit braunen, schwarzen Flecken. Im Magen findet sich Heißhunger und Ohnmachtsgefühl mit Nervosität, schlimmer gegen 10 bis 11 Uhr vormittags. Nachts wacht der Patient vor Hungergefühl auf, muss etwas essen, hat Verlangen nach kalten Speisen, die eventuell wieder erbrochen werden.

Allgemein herrscht ein Gefühl von Leerheit und Schwäche im Leib vor. Dabei sind die Stühle schmerzlos mit dem Gefühl, als wäre der Anus offen.

Vielfach zeigt sich eine hochgradige geschlechtliche Erregung mit begleitender physischer Schwäche und nächtlichen Samenergüssen. Die Menstruation ist meistens spärlich.

Phosphorus weist charakteristische Katarrh- und Erkältungssymptome auf, speziell Heiserkeit mit Husten und Rauheit im Larynx, abends schlimmer, wobei der Kehlkopf gegen Berührung empfindlich ist, so dass der Patient vor Schmerzen nicht sprechen kann. Auf der Brust besteht ein spannendes, beklemmendes Gefühl mit Atemnot, wie es bei Pneumonie bekannt ist. Die lobäre Pneumonie ist eine strikte Indikation für Phosphorus, auch Husten mit schleimigem, blutstreifigem, rostfarbigem eventuell salzigem Sputum. Bei Tuberkulose darf Phosphorus nicht in zu tiefer Potenz verabfolgt werden. Hinweise sind Stiche in der linken Brustseite und Rückenschmerz, als ob er brechen wollte mit Reißen in der linken Schulter, nachts schlimmer. Dabei besteht Blutandrang, eventuell mit Hitzewallungen, Angst und Brennen in Gesicht und Händen sowie zwischen den Schulterblättern. Kann vor innerer trockener Hitze nicht schlafen. Alle Schmerzen haben brennenden Charakter (wie bei Sulfur und Arsenicum).

Phosphor ist auch ein wirksames Blutungsmittel. Besonders kleine Wunden bluten stark. Daher ist Phosphorus auch bei Werlhof-Purpura, bei Sugillationen, Petechien und Hämatomen indiziert.

Nach Massieren soll sich der Phosphor-Kranke besser fühlen.

Typisch für Phosphor ist die nach vorn übergebeugte Haltung, bei mageren, schlanken, asthenischen, zu rasch gewachsenen Patienten, die meist blond sind und die Alexander-Haltungskorrektur benötigen.

Aber auch bei Magenerkrankungen mit chronischer Dyspepsie, Heißhunger und Erbrechen ist Phosphor oft wirksam, wie Phosphorus überhaupt ein Parenchymmittel ist und auch bei Bronchopneumonie sowie Erkältungen, die von der Nase abwärts auf die Luftröhren und Bronchien übergehen, sowie bei Tuberkulose indiziert ist, auch bei chronischen Durchfällen. Jedoch dürfen bei Neigung zu Blutungen (speziell bei Tuberkulose) nur höhere Potenzen eingesetzt werden. Bei degenerativer Hepatitis mit Ikterus, sowie bei sonstigen Imprägnations- und Degenerationsphasen, zum Beispiel auch bei Myokardschäden und typischen Zuständen sowie bei Endokarditis und fettiger Degeneration des Herzens, ebenso bei Anämie und Knocheneiterungen sowie Knochenfisteln, jedoch auch bei Bindegewebs- und Drüseneiterungen ist Phosphorus indiziert.

Ausgesprochene Erschöpfungszustände erfordern Phosphorus in tiefer Potenz. Phosphorus hat sich auch bei Pneumonie bewährt (oral oder auch parenteral mit dem Potenzenaccord D10, D30, D200, D1000).

Wenn die Phosphor-Symptome zusammen übersichtlich dargestellt werden, ergibt sich ein vielseitiges Arzneimittelbild wie folgt:

  • Allgemeine Ängstlichkeit, besonders bei Gewittern. Furcht vor Alleinsein.
  • Schwindel, besonders beim Aufstehen oder bei schnellem Lagewechsel.
  • Allgemeine Schwäche mit Zittern der Glieder oder sobald etwas in die Hand genommen wird (Entziehungserscheinungen bei Trunksucht, Tremor alcoholicus).
  • Knochenerkrankungen, besonders auch der Wirbelsäule und des Unterkiefers (nach Zahnextraktionen). Brennen zwischen den Schulterblättern.
  • Neigung zu Blutungen. Werlhof-Krankheit. Blutende Hämorrhoiden. Verlängerte Blutungen allgemein, auch Hämatome ohne besonders auffallende Verletzungen. Purpura haemorrhagica.
  • Häufiges Bedürfnis zum Essen, besonders nachts. Danach Besserung, wenn auch nur vorübergehend. Duodenalsyndrom. Katarrhe und parenchymatöse Entzündungen, zum Beispiel Laryngitis mit Heiserkeit, schlimmer durch kalte Luft. Wundes, rohes Gefühl unter dem Brustbein. Spezifikum für lobäre Pneumonie. Leberschädigungen. Herzmuskelschäden. Nierenparenchymschäden mit Albuminurie. Nephrose.
  • Schnelle Ermüdbarkeit beim Koitus bei gesteigerter Libido und nachfolgender Schwäche.
  • Schweiß zu Beginn des Schlafes und brennende Hitze zwischen den Schulterblättern sowie in den Händen. Bei lang aufgeschossenen schlanken Menschen, asthenischen Typen, die schnell ermüden, aber bald auch wieder erholt sind (Alexander-Haltungskorrektur).

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Phosphorus die folgenden Hauptindikationen im Bundesanzeiger veröffentlicht: Entzündungen der Atemorgane, der Verdauungsorgane, der Harn- und Geschlechtsorgane. Schwere Infektionskrankheiten. Genesungsstörungen und Erschöpfungszustände. Herzschwäche, Herzschmerzen, Kreislaufstörungen. Blutungen, Blut- und Gefäßkrankheiten. Rheumatismus, Wirbelsäulenbeschwerden. Knochenentzündungen und -entkalkungen. Nerven- und Kopfschmerzen, Lähmungen. Entwicklungsstörungen bei Kindern. Überempfindlichkeit der Sinnesorgane, Augenerkrankungen. Verhaltensauffälligkeiten und Verstimmungszustände.