Rhus toxicodendron

Synonym: Toxicodendron quercifolium

Deutsche Stoffbezeichnung: Giftsumach

Verwendet werden die frischen, jungen, noch nicht verholzten Sprossen von Toxicodendron quercifolium (MICHX.) Greene/Anacardiaceae mit den Blättern.

Rhus toxicodendron enthält Gallusgerbsäure und den stark hautreizenden Milchsaft Urushiol sowie den Farbstoff Fisetin und Rhamnose.

Rhus toxicodendron weist typische Beschwerden und typische Verschlimmerungen auf, die es als eines der wichtigsten Antirheumatika kennzeichnen. Die Beschwerden sind schlimmer in der Ruhe und im Beginn der Bewegung. Sie werden besser durch fortgesetzte Bewegung. Dabei besteht eine typische Verschlimmerung der Beschwerden von kaltem, feuchtem Wetter und Durchnässung sowie nachts und von Überanstrengung.

Rhus toxicodendron hat in seinem Prüfungsbild eine Vielzahl von Symptomen, die nicht nur auf rheumatische Ursachen hindeuten, sondern auch kennzeichnend für Entzündungen der verschiedensten Art sind. So findet sich das Symptom: wirr im Kopf, begreift schwer und antwortet langsam, ist wie abwesend. Dabei besteht eventuell Frösteln und ein Druckgefühl hinter den Augen, unter Umständen auch ein betäubender Kopfschmerz, wie ein Brett vor der Stirn, wobei Besserung durch Bewegung und Wärme erfolgt. Auch ist im Kopf das Gefühl vorhanden, als wäre das Gehirn locker, speziell beim Auftreten oder Schütteln des Kopfes. Die Kopfhaut kann empfindlich sein, und zwar besonders auf jener Seite, auf welcher man nicht liegt. An den Augen kann eine heftige Konjunktivitis mit starker Lichtscheu und krampfhaftem Lidverschluss sowie mit fressenden Tränen vorhanden sein, durch welche Pickel auf der Wange hervorgerufen werden. Die Nasenspitze kann rot und empfindlich sein, wobei sich vielfach ein gelbgrüner, übelriechender Ausfluss aus der Nase findet. Auch Fieberbläschen um den Mund können vorhanden sein sowie Schmerzen in Gesicht- und Backenknochen und wandernde Zahnschmerzen, die durch Handauflegen besser werden.

Typisch ist die Rhus toxicodendron-Zunge, welche trocken, rot und rissig ist, eventuell gelblich belegt mit dreieckiger roter Spitze. Oder es besteht eine Landkartenzunge (Arsenicum album, Taraxacum). Auch Stomatitis mit blutigem Speichel, der im Schlaf aus dem Munde läuft, kann vorhanden sein. Es kann sich Gastroenteritis finden mit wässrigen, schleimig-blutigen Stühlen und Tenesmen, ferner quälender und trockener Husten mit eitrigem, blutigem Sputum.

Auch Herzklopfen liegt im Rhus-toxicodendron-Bild mit schnellem, schwachem, unregelmäßigem und zitterndem Puls. Dabei kann nach der leisesten Anstrengung ein Schwächegefühl am Herzen auftreten, verbunden mit Herzklopfen. Auch Rhagaden auf dem Handrücken und heftiges Jucken an Unterschenkeln, eventuell auch masernähnlicher Ausschlag über den ganzen Körper oder ein Bläschenausschlag (Herpes) sowie ein Krustenausschlag auf dem Kopf sind für Rhus toxicodendron charakteristisch. Krampfhaftes Gähnen kann ebenfalls ein Hinweis auf Rhus toxicodendron sein.

Nash gibt als Hauptsymptome von Rhus toxicodendron die Unruhe und Verschlimmerung bei beginnender Bewegung, Besserung bei fortgesetzter Bewegung an, ferner Bewusstseinsstörungen nach Art einer typhösen Bewusstseinstrübung, zum Beispiel bei Ruhr, Peritonitis, Pneumonie, Scarlatina, Rheumatismus, Diphtherie und sonstigen typhusähnlichen Krankheitszuständen an, für welche sonst auch Baptisia und Arnica infrage kommen könnten. Nash hält für typisch den Husten im Stadium des Frostes bei Wechselfieber sowie erysipelartige Ausschläge blasenförmiger Art mit Unruhe und Bewusstseinssymptomen, wie sie auch nach Rhus toxicodendron-Vergiftungen auftreten können und für manche Formen von Scharlach charakteristisch sind. Besonders wenn die Ausschläge sich blaugrau verfärben, zum Beispiel auch bei Pocken, ist Rhus toxicodendron indiziert und ist daher eines der Hauptmittel bei Herpes zoster.

Jedoch ist Rhus toxicodendron auch bei chronischen Hautkrankheiten wertvoll, speziell bei Ekzemen mit Bläschenbildung, auch bei allen Entzündungen, die eine dunkle Röte zeigen und schleppend sind. Man kann Rhus toxicodendron anwenden bei Parotitis, Mastitis, Phlebitis, Panaritium, Cellulitis orbitalis sowie bei sonstigen bindegewebigen Entzündungen und solchen des Periosts, bei Phlegmonen, bei Typhlitis, Peritonitis und Karbunkeln, jedoch auch bei Typhus abdominalis und Pneumonie, ganz besonders auch bei grippösen Erkrankungen mit viel Gliederschmerzen, speziell dann, wenn rheumatische Symptome im Vordergrund stehen oder Durchnässungen vorhergegangen sind.

Auch bei Myelitis mit Paresen, speziell nach Liegen auf nassem Boden oder nach Erkältungen in geschwitztem Zustand (Sport) mit Parästhesien in den erkrankten Gliedern oder mit Ptosis der gleichen Ätiologie ist Rhus toxicodendron indiziert. Auch bei der Konjunktivitis und Phlyktänenbildung sowie bei schweren Fällen von Keratitis ist Rhus toxicodendron hilfreich, eventuell auch, wenn bereits dick-eitrige Absonderungen mit Herausspritzen von Tränen bei dem Versuch die Lider zu öffnen einsetzen. Auch bei Impetigo an Gesicht und Stirn ist Rhus toxicodendron ein Hauptmittel, wenn heftiger Juckreiz vorliegt. Bei Ausschlägen an den Genitalien, am Skrotum und bei Erysipel, bei Pruritus vulvae, bei Pemphigus (und ganz besonders bei Herpes zoster) ist Rhus toxicodendron das Hauptmittel, ebenso wie man es aber auch bei Herzhypertrophie, speziell bei Sportherz verabreicht.

Wenn die Hauptsymptome von Rhus toxicodendron zusammengestellt werden, so ergibt sich folgende Übersicht:

  • Spezielles Antirheumatikum mit Verschlimmerung in der Ruhe und bei beginnender Bewegung, Besserung bei fortgesetzter Bewegung (ähnlich Rhododendron).
  • Nach Durchnässung und vor feucht-kaltem Wetter auftretende Beschwerden.
  • Okzipital-, Arm-, Interkostal-, Ischiasneuralgien sowie sonstige rheumatischneuralgische Beschwerden jeglicher Lokalisation, die besser durch Wärme werden und sich bei beginnender Bewegung verschlimmern, bei fortgesetzter Bewegung jedoch gelindert werden.
  • Konjunktivitis mit Anschwellung der Lider und eitrig-schleimigen Absonderungen.
  • Sonstige Entzündungen wie Parotitis, Mastitis, Panaritium, Karbunkel mit dunkler Röte und Neigung zu Eiterungen. Erysipel mit flammender Röte. Milchschorf.
  • Typhöse Delirien mit Unruhe und Schwäche, sowie Gliederschmerzen.
  • Myelitis nach Liegen auf feuchten Wiesen mit Parästhesien und eventuell Paresen. Sportschäden.
  • Herpetische Affektionen mit Neuralgien und blauroter Verfärbung, auch Impetigo und Variolae.
  • Krampfhaftes Gähnen. Schwerfälligkeit im Vorstellen und Denken mit Schwere des Kopfes und betäubungsartigen Zuständen, eventuell heftigen Kopfschmerzen und der Empfindung, als wenn das Gehirn beim Gehen und Auftreten in der Schädelhöhle hin- und herschwankte.
  • Knarren der Gelenke und Arthritis.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Toxicodendron quercifolium die folgenden Hauptindikationen für Rhus toxicodendron im Bundesanzeiger veröffentlicht:

Innere Anwendung: Juckende Hautkrankheiten. Fieberhafte Infektionskrankheiten mit Benommenheit. Entzündungen der Atemwege, des Magen-Darm-Kanals. Entzündungen der Augen. Regelstörungen, Kopfschmerzen, Nervenschmerzen. Lähmigkeiten, Lähmungen. Schwindel. Rheumatische Schmerzen in Knochen, Knochenhaut, Gelenken, Sehnen und Muskeln. Folgen von Verletzungen und Überanstrengungen. Angst-, Unruhe- und Verstimmungszustände.

Äußere Anwendung (Salbe): Juckende Hautkrankheiten. Nervenschmerzen, Lähmigkeiten, Lähmungen. Rheumatische Schmerzen in Knochen, Knochenhaut, Gelenken, Sehnen und Muskeln. Folgen von Verletzungen und Überanstrengungen