Sanguinaria canadensis

Deutsche Stoffbezeichnung: Kanadische Blutwurzel

Verwendet wird der im Herbst gesammelte, getrocknete Wurzelstock mit dranhängenden Wurzeln der in lichten Wäldern Nordamerikas, von Kanada bis Florida und Mexiko vorkommenden Stammpflanze: Sanguinaria canadensis L./Papaveraceae. Der Gehalt an Alkaloiden, berechnet als Chelidonin, entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Sanguinaria canadensis liefert eine rote Tinktur von brennend scharfem Geschmack. Sie wird üblicherweise in Amerika als Hausmittel, auch in Form eines aus der Wurzel bereiteten Tees angewandt. Kent bezeichnet Sanguinaria als ein Routinemittel für Erkältungen, weil die Arzneiprüfungen die Beziehungen von Sanguinaria

zu Brustbeschwerden und Erkältungen weitgehend bestätigt haben. Typisch sind dabei heftige Schmerzen und Brennen im Mund, in der Brust, im Kehlkopf und in der Luftröhre beim Sprechen, Husten und Atmen mit nächtlicher Verschlimmerung, wobei die Patienten nicht im kalten Zimmer liegen können. Ein typisches Symptom ist das Aufstoßen beim oder nach dem Husten und eine häufig bei den Brustbeschwerden vorhandene Hitze in Handflächen und Fußsohlen, ebenso wie umschriebene hektische Wangenröte.

Überhaupt zieht sich ein Gefühl des Brennens durch das gesamte Mittel, so dass oftmals in solchen Fällen Arsen verordnet wird, dann aber wegen der nicht exakten Indikationen nicht zur Wirkung kommt. Dieses Brennen findet sich auch im Magen, verbunden mit Übelkeit, wobei der Patient zu dauerndem Ausspeien gezwungen wird. Er hat aber keine Erleichterung durch etwaiges Erbrechen. Dieses Gefühl trockenen Brennens findet sich besonders auch auf der Zunge, die feuerrot ist mit dem Gefühl, als ob sich heiße Speisen im Munde befänden.

Das brennende Wundheitsgefühl tritt ferner in Erscheinung bei Heufieber, wobei das Brennen in der Nase und im Hals so ausgeprägt sein kann, dass die Empfindung besteht, als ob die Schleimhäute durch Austrocknung rissig würden. Tatsächlich finden sich bei solchen Zuständen trockene und faltige, heiße Handflächen, eventuell verbunden mit kongestiven Kopfschmerzen, mit heißem und schmerzendem Kopf, besonders auf der rechten Seite.

Der Kopfschmerz von Sanguinaria ist eine typische Migräne über dem rechten Auge. Sie beginnt morgens im Hinterkopf, zieht nach oben und setzt sich über dem rechten Auge und in der rechten Schläfe fest, wobei eine Verschlimmerung während des Tages und durch Licht erfolgt. Erleichterung wird durch Erbrechen von Galle, Schleim, bitteren Massen und Nahrung bedingt, ebenso durch Abgang von Blähungen und durch Aufstoßen (regressive Vikariation in die Exkretionsphasen). Aufgrund der allgemeinen Erfahrung reicht Sanguinaria jedoch als Heilmittel gegen Migräne allein nicht aus, es muss durch tiefgreifend wirkende Entgiftungsmittel, insbesondere auch durch Lebermittel, wie zum Beispiel durch Chelidonium, andernteils durch Nosoden wie Psorinum und andere unterstützt werden.

Die Kopfschmerzen, welche klopfend sind und durch Bewegung verschlimmert werden (ähnlich wie Bryonia) sind eventuell auch von sonstigen neuralgischen Beschwerden begleitet, die sich vor allen Dingen in der rechten Schulter- und in der Nackengegend manifestieren. Der Patient kann den Arm nicht heben und hat Schmerzen im Deltamuskel mit speziell nächtlicher Verschlimmerung. Auch bei Hüftgicht mit Zerschlagenheitsschmerz und bei Steifheit der Handgelenke wird Sanguinaria empfohlen.

Die Sanguinaria-Symptome: hektische Röte der Wangen und überschießende Hitze, Brennen der Haut und Schleimhäute finden sich oft auch während des Klimakteriums, so dass Sanguinaria auch bei Hitzewallungen mit Erfolg eingesetzt wird. Dabei ist die Wirkung von Sanguinaria, wie allgemein auch bei den sonstigen Indikationen, verhältnismäßig flüchtig. Die Gaben müssen des Öfteren wiederholt werden beziehungsweise ist eine Unterstützung durch andere Mittel erforderlich. So pflegt das Brennen der Fußsohlen und Handsohlen, welches die Patienten zwingt, die Glieder, besonders die Füße, aus dem Bett zu strecken, ebenso auf Sulfur und Sepia hinzuweisen, ebenso wie der dicke, zähe, fädige Auswurf bei spastischem Husten mit Aufstoßen von Luft und leerem Aufstoßen, Brennen in der Brust, heftigen Schmerzen im Kehlkopf und in der Luftröhre, beim Sprechen, zusätzlich eventuell noch Coccus cacti erfordert, bei absteigenden Katarrhen auch Arum maculatum.

Wenn Sanguinaria gegen Nasenpolypen eingesetzt wird, wo es ebenfalls recht gute Wirkungen erzielen kann, soll nebenher auch ein Konstitutionsmittel wie Calcium carbonicum Verwendung finden, während bei grippösen, fieberhaften Katarrhen neben Aconitum, Bryonia, Eupatorium perfoliatum und anderen bei dem typischen absteigenden Brennen aller Schleimhäute des Respirationstraktes auch an Causticum zu denken ist, bei letzterem Mittel sind besonders auch reißende Gliederschmerzen vorhanden. Sanguinaria ist besonders indiziert, wenn Schnupfen mit rauem Hals, Brustschmerzen und Durchfall besteht.

Einige Sondersymptome mögen noch erwähnt werden, insbesondere ein Schwächegefühl und Hungergefühl während des Kopfschmerzes, ebenso ein Vernichtungs- und Leeregefühl bei Migränezuständen, worauf Kent hinweist. Im Gegensatz zu Psorinum besteht jedoch gleichzeitig ein Widerwillen gegen Essen, schon bei dem bloßen Gedanken an Speisen und gegen den Geruch von gekochten Speisen.

Auch bei Magenkatarrhen der Potatoren kann Sanguinaria ähnlich günstige Wirkungen wie Nux vomica entfalten, speziell wenn kleinste Flüssigkeitsmengen erbrochen werden und keine Nahrung und kein Getränk im Magen bleibt (ähnlich wie Phosphor) und wenn eventuell gleichzeitig Kopfschmerzen und Durchfall bestehen. Beim Husten wird oft über Schmerzen im linken Oberbauch geklagt, ebenso beim Palpieren dieser Gegend und beim Beugen auf die linke Seite.

Stauffer berichtet, dass ihm Sanguinaria bei Kopfschmerzen meist nicht die erwarteten Dienste geleistet hat, was insofern bestätigt werden kann, als Dauererfolge von Sanguinaria selten sind, falls nicht gleichzeitig auch Nebenmittel zum Einsatz kommen.

Stauffer empfiehlt Sanguinaria bei der typischen rechtsseitigen Lungenentzündung, speziell im Unterlappen, wo Sanguinaria mit Chelidonium konkurriert.

Afterbrennen mit Trockenheit und Wundheit entspricht dem allgemeinen Befallensein aller Schleimhäute, ebenso wie die Luftröhre und auch der Ösophagus sich wund anfühlen, so dass jeder hinabgleitende Bissen schmerzt und der Kranke genau angeben kann, in welcher Gegend sich der Bissen gerade befindet.

In Fällen von Bronchiektasen mit zähem, dickem, übelriechendem Auswurf, meist verbunden mit hektischer Wangenröte, hat sich dem Verfasser Sanguinaria in manchen Fällen gut bewährt (in der Dezimale 30), wobei allerdings ein striktes Meiden von Schweinefleisch eingehalten werden musste. Offensichtlich handelt es sich bei den Bronchiektasen um einen Locus minoris resistentiae (nach retoxisch behandelter Grippe-Bronchitis), über den dann laufend in der Nahrung zugeführte und auch sonstige intermediäre Homotoxine, speziell auch Sutoxine, zur Ausscheidung gebracht werden.

Wenn die Symptome von Sanguinaria zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes typische Arzneimittelbild:

  • Vorwiegend rechtsseitiges Mittel: rechtsseitiger Kopfschmerz migräneartiger Natur, rechtsseitige Pneumonie (des Unterlappens).
  • Befallensein aller Schleimhäute mit brennenden Katarrhen. Schnupfen. Pharyngitis. Tracheitis. Nasenpolypen. Bronchitis mit zähem, dickem Schleim. Bronchiektasen mit spastischem Husten. Heufieber mit Brennen in der Nase und im Hals. Brennende Magenschmerzen nach Überessen, Alkoholgenuss. Allgemeine Schärfe der Absonderungen.
  • Hitze in den Füßen und der Haut, im Kopf Hitzewallungen, eventuell mit Pulsieren und Herzklopfen durch den ganzen Körper und umschriebenen roten Wangenflecken (hektische Röte).
  • Migräneartige Kopfschmerzen, besonders rechts mit Hungergefühl, dabei gleichzeitig Widerwillen gegen Essen und Speisengeruch.
  • Gleichzeitige Magen- und Leberbeschwerden mit säuerlichem Aufstoßen bei Asthma, Heufieber, Kopfschmerzen u.a. Neigung zu Durchfällen bei katarrhalischen Erkrankungen jeder Art.
  • Rheumatische Beschwerden, besonders in den Armen (vornehmlich rechts) mit nächtlicher Verschlimmerung. Hüftweh bei Koxitis, besonders nachts mit schießenden, stechenden Schmerzen. Dabei ängstliche und besorgte, eventuell auch ärgerliche, mürrische und ungeduldige Gemütsstimmung.
  • Sanguinaria wirkt verhältnismäßig oberflächlich, trotzdem aber rasch erleichternd, bedarf aber zur endgültigen Beseitigung chronisch fixierter Zustände nebenher entsprechender Konstitutionsmittel, wobei Calcium carbonicum, Sepia, Sulfur, Phosphor, Thuja, Psorinum, Mercurius-Zubereitungen und andere in Frage kommen.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Sanguinaria canadensis die folgenden Hauptindikationen für Sanguinaria im Bundesanzeiger veröffentlicht: Migränöse Kopfschmerzen. Entzündungen der Atmungsorgane. Beschwerden der Wechseljahre. Rheumatismus.