Sepia officinalis

Deutsche Stoffbezeichnung: Tintenfisch

Verwendet wird das getrocknete Sekret der Tintendrüse des im Mittelmeer, in der Nordsee und im Atlantischen Ozean lebenden Tintenfisches, Sepia officinalis L./Sepiidae.

Sepia ist eines der am häufigsten benötigten Homöopathika überhaupt und eignet sich vorwiegend zur Behandlung chronischer oder länger dauernder Affektionen, auch von Dyskrasien, das heißt sowohl von zellulären wie aber auch von chronischen humoralen Phasen, zum Beispiel chronischen Ekzemen, chronischen Ausflüssen (Fluor albus, Nachtripper), wobei sich eine typische Schwäche und Erschöpfung durch das ganze Mittel zieht.

Allgemein sind die Beschwerden schlimmer in der Wärme sowie im heißen und überfüllten Raum und bei heißem Wetter. Eine Besserung der Beschwerden tritt im Verlauf des Nachmittags ein, während sonst morgens und abends Verschlimmerungen vorliegen, so dass Sepia gewissermaßen eine Kombination zwischen Nux vomica (Morgenverschlimmerung) und Pulsatilla (Abendverschlimmerung) darstellen könnte. Das Allgemeinbefinden ist dabei besser durch Bewegung (ähnlich wie bei Pulsatilla), während gewisse Beschwerden, wie Kopfschmerzen und Unterleibsbeschwerden mit dem typischen Gefühl des Herabdrängens durch Bewegung schlimmer werden.

Hervorstechend ist die Gleichgültigkeit gegen Geschäft und Familie, wie man sie auch bei Sulfur findet, ferner ein ebenfalls mit Sulfur gemeinsames Symptom des Schwächegefühls im Magen, was sich nach Essen nicht bessert.

Mit Pulsatilla hat Sepia einen brennenden, klopfenden Magenschmerz und auch das Gefühl wie ein Kloß (Stein) im Magen gemeinsam. Überhaupt findet sich bei Sepia häufig das Gefühl von Schwere und das eines Klumpens, zum Beispiel im Rektum, wobei diese Empfindung nach Stuhlentleerung nicht besser wird. Auch im Uterus sind das Gefühl des Herunterdrängens und ein Schweregefühl vorhanden, so dass die Patientinnen das Bedürfnis haben, die Beine zu kreuzen, um dem Vorfall vorzubeugen. Vielfach besteht dabei eine gelb-grüne, übelriechende und wundmachende Leukorrhoe.

Auch können im Unterleib wehenartige Schmerzen vorhanden sein mit Atembeklemmung und Drängen nach unten, verbunden mit Uteruserosionen. Allgemein scheint eine Kongestion in den Beckenorganen vorhanden zu sein, die sich nicht nur durch Uterus-, sondern auch durch Rektumprolaps äußern kann. Auch die Harnorgane können dieses Drängen und Vollheitsgefühl aufweisen mit dem Symptom des Druckes auf die Blase und häufigem Harnlassen mit Auftreibung im Bauch unten. Dabei findet sich im Urin ein Bodensatz wie Lehm. Auch kann der Urin sehr übelriechend sein. Bei Enuresis pflegt das Bettnässen, welches Sepia erfordert, während des ersten Schlafes aufzutreten.

Obwohl meistens ein Völle- oder Kugelgefühl für Sepia charakteristisch ist, kann der Magenschmerz jedoch auch einem schmerzhaften Gefühl von Leerheit und ohnmächtiger Schwäche entsprechen, wobei es dem Patienten zum Sterben elend ist. Auch kann die Hyperemesis gravidarum durch Sepia oft gut beeinflusst werden, wenn (ähnlich wie bei Colchicum) auch schon der Geruch von Speisen Übelkeit macht.

Bei Stuhlverstopfung besteht bei Sepia ein charakteristisches Gefühl von einem Gewicht oder von einer Kugel im Rektum. Der Stuhl kann oft ohne manuelle Hilfe nicht herausgebracht werden. Nash beschreibt ein Sepia-Symptom, nämlich das Heraussickern von Feuchtigkeit aus dem After, das jedoch auch durch Antimonium crudum erfasst wird.

Sepia hat dabei auch eine gewisse Verschlimmerung nach Milchgenuss, zum Beispiel wenn dieser einen Brechdurchfall auslöst.

Außerordentlich beachtlich sind die Hautsymptome von Sepia, nämlich Wundheit, Jucken, das beim Kratzen häufig in Brennen übergeht (ähnlich wie bei Sulfur), und vor allen Dingen Lokalisation in den Kniebeugen. Auch große eiternde Pusteln, die immer wieder rezidivieren, und besonders auch braune Flecke im Gesicht, auf der Brust und auf dem Bauche im Sinne des Chloasma uterinum. Aber auch andere Ausschlagsformen wie Bläschenausschläge und krätzeartige Eruptionen können durch Sepia günstig beeinflusst werden, speziell wenn vorher Sulfur angewandt war und nicht zum endgültigen Erfolg führte. Die Hautsymptome brauchen sich nicht nur durch Pusteln und Ekzeme, Neurodermitis und Herpes äußern, sondern können auch in schwächerer Form durch gelbbräunliche, sich abschilfernde Flecken sowie durch Abstoßen der Oberhaut in rundlichen Flecken an Händen und Fingern, eventuell verbunden mit schmerzlosen Geschwüren, charakterisiert sein.

Ganz besonders ist Sepia, wie schon aus den bisherigen Symptomen hervorgeht, ein Frauenmittel und besonders auch im Klimakterium indiziert. Hitzewallungen mit Schweiß und Schwäche sind für Sepia charakteristisch (ebenso wie für Sulfur und evtl. Lachesis), wobei sich bei Sepia häufig die typischen Symptome einer Beckenkongestion finden. Dabei pflegen bei Sepia die Hände und Füße abwechselnd heiß und kalt zu sein und umgekehrt. Sepia ist daher eines der wichtigsten Mittel für die Beschwerden des Klimakteriums, zumal auch noch weitere Symptome wie die große Erschöpfung für klimakterische Neurosen typisch sind.

Auch kann Sepia sehr günstig auf die Hemikranie und migräneartige Zustände wirken, zum Beispiel auch bei Zervikalmigräne, wo ebenfalls das Moment der Erschöpfung mit im Spiel ist. Die Gleichgültigkeit gegen Geschäft und Familie ist charakteristisch für Sepia, wie wir es auch im Klimakterium häufig finden. Dabei kann eine Überempfindlichkeit in verschiedenen Körperteilen vorhanden sein mit Neigung sich zu verheben und zu verrenken, dadurch bedingt Scheu vor anstrengenden Bewegungen sowie vor körperlicher und geistiger Tätigkeit. Auch können verhältnismäßig kurze Spaziergänge starke Erschöpfung hinterlassen. Trotz der großen Schläfrigkeit, besonders tagsüber, wobei die Patienten gelegentlich beim Sitzen einschlafen, kann nachts unruhiger Schlaf mit Öfteren Erwachen und lebhaften Träumen und Aufschrecken vorliegen. Außer ärgerlicher Reizbarkeit besteht eventuell tiefe Niedergeschlagenheit (besonders abends) mit Neigung zu Depressionen und kummervollem Grübeln über die eigene Gesundheit, wobei neben Menschenscheu, Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit auch noch die Erscheinungen von Schreckhaftigkeit, Heftigkeit, Furchtsamkeit mit Angstgefühlen bestehen können. Morgens, wenn die Patientin unausgeschlafen aufwacht, können die Lider steif und schwer sein. Es kann Ptosis bestehen.

Typisch für Sepia ist auch starkes Schwitzen, zum Beispiel nach den Hitzewallungen, aber auch an den Genitalien. Auch akute und chronische Nasen-Rachen-Kehlkopfkatarrhe mit heftigem Kitzelhusten und eventuell erheblichen Absonderungen von Schleim oder auch Stockschnupfen mit Trockenheitsgefühl in der Nase sind für Sepia charakteristisch.

Wenn die Hauptsymptome von Sepia zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes Arzneimittelbild:

  • Beschwerden schlimmer in der Wärme sowie bei heißem Wetter und in überfüllten Räumen, ferner frühmorgens und abends. Besserung im Laufe des Nachmittags sowie allgemein bei Bewegung (außer Kopf- und Unterleibsbeschwerden).
  • Klimakterische Beschwerden mit Hitzewallungen, seelischer Depression und Reizbarkeit (abwechselnd). Dabei Weinerlichkeit, Überempfindlichkeit, Gleichgültigkeit (gegen Geschäft und Familie). Allgemeine Schwäche, wobei jede Bewegung Schweißausbrüche hervorruft. Ohnmachtsgefühl.
  • Haut mit starkem Juckreiz und Ausschlägen, besonders in den Gelenkbeugen, trocken oder feuchtend oder herpetischer Ausschlag. Haut der Hände stößt sich in großen Flecken ab. Braune Flecken. Chloasma uterinum mit gelbem Nasensattel. Pityriasis. Gelbliche, fahle, blasse, gelbfleckige Gesichtsfarbe und gelbliche Verfärbung des Augenweißes.
  • Übelriechende Schweiße an den Genitalien mit Herabdrängen im Unterleib (wie von einer Kugel), muss die Beine kreuzen, um dem Heraustreten vorzubeugen. Prolapsus uteri.
  • Leukorrhoe gelbgrün, übelriechend und wundmachend bei Erosio portionis. Menstruation meist spät und spärlich. Menopause.
  • Katarrhe verschiedener Art mit Absonderungen eitrig-blutiger und übelriechender Massen. Auswurf salzig schmeckenden Schleimes. Stockschnupfen. Kitzelhusten bei Nasen-, Rachen-, Kehlkopfkatarrhen. Postgonorrhoischer Fluor.
  • Pulsierende, berstende, nach oben und von innen nach außen schießende Kopfschmerzen, eventuell nur im Hinterkopf oder über einem Auge lokalisiert. Migräne, schlimmer von Bewegung, Bücken, Geräusch und morgens. Dabei möglicherweise Empfindung von Kälte auf dem Scheitel und Trockenheitsempfindung in den Augen (bei sonstigen Sepia-Symptomen).
  • Allgemeine Erschöpfung und Schwäche, unruhige, rastlose Glieder mit neuralgischen Beschwerden (Osteochondrose).
  • Enuresis nocturna.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Sepia officinalis die folgenden Hauptindikationen für Sepia im Bundesanzeiger veröffentlicht: Verschiedene, besonders chronische Hauterkrankungen. Entzündungen und Störungen der Verdauungsorgane. Vielfache Störungen der weiblichen Geschlechtsorgane. Entzündungen der Harnorgane und Harnentleerungsstörungen. Rheumatische Erkrankungen. Krampfaderleiden. Kopfschmerzen. Schlafstörungen. Erschöpfungszustände. Seelische Störungen und depressive Verstimmungszustände.