Solanum dulcamara

Synonym: Dulcamara

Deutsche Stoffbezeichnung: Bittersüßer Nachtschatten

Verwendet werden die frischen, vor der Blütezeit gesammelten Triebe der an Bächen und Flussufern sowie in feuchtem Gebüsch und in Überschwemmungsgebieten in Europa, Nordafrika und im nördlichen Indien und China vorkommenden Stammpflanze: Solanum dulcamara L./Solanaceae.

Dulcamara oder Bittersüß hat einen typischen Indikationsbereich, welcher gewissermaßen auch dem Standort der Pflanze entspricht. Man findet Dulcamara, eine mit blau und gelb leuchtenden Blüten und traubenartig angeordneten roten Beeren ausgestattete Solanacee in Überschwemmungsgebieten, die zeitweise völlig unter Wasser stehen. Da die Beeren von Dulcamara mit den Johannisbeeren verwechselt werden können, finden sich gelegentlich Vergiftungsfälle, speziell bei Kindern. Vergiftungssymptome sind Durchfall, Erbrechen, Koliken, Schweiße, Exantheme, Konvulsionen, Lähmungen und eventuell Exitus. Die Beschwerden von Dulcamara verschlimmern sich bei feucht-kaltem Wetter und bei Wetterwechsel, speziell bei Regenwetter. Auch wenn kühle Nächte auf heiße Tage folgen, pflegen sich die Dulcamara-Beschwerden, speziell in Form von Neuralgien und Rheumatismus einzustellen. Dasselbe gilt für Beschwerden, die nach Abkühlung in geschwitztem Zustand auftreten, zum Beispiel bei Fußballspielern. Dulcamara wirkt also bei hydrogenoider Konstitution. Alle Beschwerden sind dabei meist besser in der Wärme. Typisch für Dulcamara sind auch vermehrte Sekretionen aus Schleimhäuten.

Symptome, die auf Dulcamara als Heilmittel hinweisen, sind weiterhin erschwertes Denken, verbunden mit gewissen Verwirrungszuständen. Die Patienten finden die Worte nicht und können sie nur schwer aussprechen. Dabei liegt häufig auch ein dumpfer Kopfschmerz vor, gepaart mit Schwerhörigkeit und Kältegefühl im Hinterhaupt. Meist ist dabei auch die Nase verstopft (Sinusitis), wobei die Sekretion in der Wärme reichlicher erfolgt. Der Speichelfluss ist zäh und seifenartig.

Auch akute Magen- und Darmkatarrhe sowie Dysenterie, Blasenkatarrhe und akute Nephritis können sich als Folge von Erkältung und Durchnässung finden, verbunden mit heftigen Magenschmerzen, Koliken, schleimigen, sauren oder ruhrartigen, wässrigen Stühlen, anhaltenden Schmerzen auch nach dem Stuhl, verbunden mit Koliken und rheumatischen Beschwerden.

Auch Zystitis mit schleimigem übelriechendem Urin und dauernden Urintenesmen ist für Dulcamara typisch, speziell wenn sie bei plötzlich eintretendem, nasskaltem Wetter einsetzt oder nach Durchnässung aufgetreten ist. Dasselbe gilt auch für Husten, der nach Durchnässung auftritt. Akute Nephritis mit heftigen Schmerzen in der Nierengegend und mit schleimigem, eiweißhaltigem, übelriechendem Urin kann durch Dulcamara gut beeinflusst werden, ebenso wie Grippe mit Schnupfen, Husten, auch mit Blutauswurf, ebenso auch Tonsillitis mit Muskelschmerzen und Fieber, wobei häufig auch Paresen verschiedener Art (z. B. Fazialisparese) infolge Durchnässung einsetzen können.

Auch urtikarielle Erscheinungen infolge gastrischer Störungen mit großen, brennenden und juckenden Quaddeln, wobei sich oft nebenher Diarrhö findet, sind für Dulcamara typisch, ebenso wie eine dabei erfolgende Verschlimmerung durch Wärme und Besserung durch Kälte. Auch Milchschorf findet in Dulcamara sein Heilmittel, wenn die Schuppungen trocken und kleieartig sind.

Charakteristisch für Dulcamara ist stets die typische Verschlimmerung aller Symptome bei Wetterwechsel, besonders bei nasskaltem Wetter. Dulcamara hat sich daher auch ausgezeichnet bei chronischen Anginen bewährt, wenn diese jeweils bei nassem Wetter auftreten oder sich verschlimmern. Dieses pflegt häufig bei Tonsillarpfröpfen der Fall zu sein. So ist Dulcamara eines der besten Mittel gegen Tonsillarpfröpfe. Auch Myelitis nach Liegen auf feuchten Wiesen erfordert Dulcamara.

Asthma, welches bei nassem Wetter auftritt, wird ebenfalls durch Dulcamara gut beeinflusst, ebenso wie Ohrenschmerzen, die bei jeder Erkältung auftreten, und dickeitrige Augenkatarrhe. Auch progressive Vikariationen nach Unterdrückung von Absonderungen durch Erkältungen, zum Beispiel der Menstruation (mit vikariierendem Nasenbluten), der Lochien und der Milch sowie von Nasenkatarrhen, wonach dann vikariierend Fieber und Kopfschmerzen einsetzen, finden in Dulcamara ihr Heilmittel, speziell wenn eine Erkältung bei nasskaltem Wetter die Ursache war. Auch grippöse, influenzaartige Zustände, wobei der ganze Körper wie zerschlagen ist und ein dumpfes benommenes Gefühl im Kopf vorherrscht, eventuell verbunden mit Schwerhörigkeit, jedoch auch Hautausschläge an Genitalien, Brüsten und Lippen herpetischer Art, sowie Herpes-Ausschlag vor jeder Menstruation, eventuell mit Krustenbildung und leicht einsetzenden Blutungen, erfordern Dulcamara.

Dabei findet sich meist eine charakteristische Aktivität der Schleimhäute mit starken Sekretionen, während die Haut verhältnismäßig untätig sein kann. Ganz besonders aber sind rheumatische Erkrankungen wie Torticollis, Steifigkeit und Lähmigkeit im Rücken, Kältegefühl im Kreuz, rheumatische Schmerzen in den Gliedern und Gelenken, verbunden mit Schwäche, Steifheit und Taubheit für Dulcamara charakteristisch. Der Husten, welcher Dulcamara erfordert, ist dabei heiser und trocken, später locker mit reichlichem Schleimauswurf. Bei der Diarrhö, die durch Dulcamara gebessert wird, findet sich ferner ein schneidender Schmerz um den Nabel. Die Nase ist bei Katarrhen, die Dulcamara erfordern, meistens verstopft. Reichliche Sekretion tritt in der Wärme ein.

Auch bei Warzen kann Dulcamara nützlich sein, wenn diese groß und fleischig sind.

Wenn die Hauptsymptome von Dulcamara noch einmal zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes charakteristische Arzneimittelbild:

  • Auftreten oder Verschlimmerung der Symptome und Beschwerden bei Übergang zu nasskaltem Wetter (hydrogenoide Konstitution).
  • Muskel-, Gelenkrheumatismus und Lumbago infolge Erkältung und Durchnässung mit Zucken der Muskeln, der Augenlider und des Mundes. Nackensteifigkeit und heftige Schmerzen in den Lendenmuskeln, eventuell verbunden mit Durchfällen und Blasenkatarrh (Ableitung auf Exkretionsvorgänge). Besserung durch trockene Wärme und durch Bewegung. Typische Interkostalneuralgien und neuralgische Schmerzen der linken Schulter- und Nackenpartie, auch Interkostalneuralgien (Ranunculus, Colocynthis) mit Druckgefühl und Schwere auf den Schultern.
  • Paresen verschiedener Art infolge von Durchnässung oder Verschlimmerung bei nasskaltem Wetter.
  • Akute Magenkatarrhe mit heftigen Schmerzen, Erbrechen, Koliken und schleimigen sauren Stühlen. Nabelkoliken.
  • Zystitis und Nephritis infolge Erkältung und Durchnässung mit schleimigem, übelriechendem Urin und dauernden Blasentenesmen. Auch Blasenlähmung mit Verschlimmerung bei feuchtem, kaltem Wetter.
  • Grippöse Erkältungen mit Schnupfen, Husten, Hämatemesis. Katarrhalische Bronchitis, Laryngitis, Tracheitis mit Heiserkeit und reichlichem Schleimauswurf. Tonsilitis acuta und chronica. Tonsillarpfröpfe, auch solche chronischer Art, verbunden mit Muskelschmerzen, Durchfällen, Koliken und Fieber.
  • Urtikaria mit großen, brennenden und juckenden Quaddeln, oft mit Diarrhö verbunden, Verschlimmerung durch Wärme, Besserung durch Kälte. Crusta lactea mit trockener, kleienartiger Abschilferung. Bildung großer, fleischiger Warzen. Herpetische Ausschläge an Genitalien, Brüsten, Lippen, besonders auch vor jeder Menstruation. Schwellungen der Mammae.
  • Nasenbluten in Vikariation mit der Menstruation.
  • Denken erschwert. Worte werden nicht gefunden oder können nur schwerlich ausgesprochen werden. Dabei gewisse Verwirrungszustände.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Solanum dulcamara die folgenden Hauptindikationen für Dulcamara im Bundesanzeiger veröffentlicht: Fieberhafte Infekte. Entzündungen der Atemorgane, des Magen-Darm-Kanals, der Harnwege, der Gelenke, der Haut, ausgelöst durch Kälte und Nässe.