Strychnos nux-vomica

Synonym: Nux vomica

Deutsche Stoffbezeichnung: Brechnuss

Verwendet werden die reifen, getrockneten Samen der in Ostindien, besonders auf Ceylon und in Nordaustralien einheimischen Stammpflanze: Strychnos nux-vomica L./Loganiaceae. Der Gehalt an Gesamtalkaloiden, sowie davon an Strychnin (C21H22N2O2, MG 334,4) entspricht den Anforderungen des gültigen HAB.

Nux vomica enthält die Alkaloide Strychnin, Brucin, an Strychninsäure gebunden, außerdem Gerbsäure, Fett und in geringer Menge ein Glykosid Loganin.

Durch die gesamte Symptomatologie dieses bedeutenden homöopathischen Polychrestes zieht sich eine nervöse Reizbarkeit, Neigung zu Verkrampfungen, dabei Mattigkeit, Schwäche mit Zerschlagenheitsgefühl, Glieder- und Gelenkschmerzen und gesteigerte Empfindlichkeit gegen leise Berührung, Erschütterung und Geräusche jeder Art. Die Patienten, welche Nux vomica benötigen, haben Ruhebedürfnis. Dabei kommt es oft zu Krämpfen der Muskeln, auch zu tetanischen und klinischen Krämpfen verschiedener Glieder.

Auffallend ist eine große Neigung zu Erkältungen und Scheu vor kühler Luft. Die Grippe-kranken Patienten, welche Nux vomica benötigen, decken sich ängstlich bis an den Hals zu, weil jeder Luftzug sie stört. Verschlimmerung erfolgt ebenso durch geistige Anstrengung wie nach Genuss von Kaffee und alkoholischen Getränken. Dabei pflegt bei feuchter Witterung eine leichte Besserung der Beschwerden vorhanden zu sein.

Toxikologisch sind Magen-Darm-Entzündungen typisch sowie Blutüberfüllungen an Hirn, Rückenmark und umhüllenden Häuten mit Ausschwitzung in die Höhlen, wobei das Blut selbst dickflüssig, teerartig und von dunkler Färbung ist.

Der Nux vomica-Patient ist morgens müde, hat große Tagesschläfrigkeit mit vielem Gähnen, Dehnen und Strecken der Glieder, kann spät einschlafen, hat leisen Schlaf und eine typische Schlaflosigkeit, die etwa um 3 Uhr nachts beginnt und bis etwa 6 oder 7 Uhr am frühen Morgen anhält. Dann kann der Patient wieder einschlafen und eventuell bis in die Mittagszeit hinein durchschlafen.

Psychisch bietet der Nux vomica-Patient das Bild des melancholischen Hypochonders mit erhöhter Reizbarkeit, Ärgerlichkeit, Heftigkeit und Weinerlichkeit sowie zänkischer Laune. Die Haut ist häufig gelb verfärbt. Die Gesichtsfarbe blass, elend und fahl mit eventuell wechselnder Gesichtsröte. Die Handflächen zeigen kühlen Schweiß.

Besonders morgens sind auch die Nervenfunktionen wesentlich erschwert. Die Patienten können sich nicht konzentrieren, lassen Silben und Worte aus, versprechen sich, klagen über Kopfschmerzen im Stirnteil, in der Schläfengegend und im Hinterhaupt, eventuell auch über halbseitige migräneartige Beschwerden, besonders nach Alkoholgenuss. Das Bild des verkaterten Studenten ist für Nux vomica typisch. Dabei können auch konjunktivale Reizerscheinungen vorhanden sein sowie Überempfindlichkeit des Gehörs und Gehörshalluzinationen, Jucken in der Nase, verfeinerter Geruch. Besonders auch die Steifigkeit der Gelenke und des Nackens und der Wirbelsäule mit schmerzhaften rheumatischen Beschwerden und Schwere- und Schwächegefühle der Beine, Fersenschmerzen, stechenden und brennenden Schmerzen in den Fußsohlen und heftiges Jucken der Fußzehen sind eine Indikation für Nux vomica.

Herzbeengungen nach übermäßigem Essen mit Arrhythmie und Pulsieren der Karotiden, dabei Beklemmungs- und Angstgefühl, eventuell auch fliegende Hitze, treten manchmal zugleich mit hohem und rauem Husten auf, besonders vormittags, wobei möglicherweise Brechwürgen erfolgt (Vomitus matutinus).

Glossitis, Stomatitis mit Bläschen- und Geschwürsbildung an Mund- und Zungenschleimhaut sowie beginnende Parodontose erfordern Nux vomica als Heilmittel, auch Ekel und Widerwillen gegen jede Speise, Sodbrennen, bitteres oder saures Aufstoßen, Vollheitsgefühl und Hochwürgen des Mageninhaltes mit Übelkeit, Würgen und Erbrechen, morgens besonders von Schleim und Galle oder auch Bluterbrechen bei langjährigen Alkoholikern sind für Nux vomica charakteristische Indikationen.

Die Peristaltik des Darms mit häufigem, vergeblichem Drängen und Pressen zur Stuhlentleerung, wobei sich eventuell lediglich einige schleimig blutige Fetzen entleeren, sowie anfangs harte, dann aber durchfällige Stühle und Stuhlverstopfung mit Kopfkongestionen sowie mit Hämorrhoidalbildung mit viel Jucken und Abgang von Madenwürmern sowie Krampf des Sphincter ani erfordern Nux vomica ebenso wie Leberanschwellung und Gastroduodenalkatarrhe.

Die für Nux vomica typischen Tenesmen können auch an der Blase sich äußern mit Dysurie, Strangurie und Zystitis. Anhaltende Erektionen finden sich morgens, ebenso Pollutionen mit nachfolgender Kälte, besonders der Füße. Bei den weiblichen Genitalien ist das Gefühl von Drängen und Pressen nach unten vorhanden, ähnlich wie bei Sepia, auch mit schleimig eitrigem Ausfluss und Jucken sowie einige Tage zu früh erfolgender Menstruation.

Wenn Nux vomica auch ein ausgesprochenes Magen-Darm-Mittel ist und sowohl bei Glossitis, Stomatitis, Gastritis, Enterokolitis und Hämorrhoiden sowie bei Leber-Gallenaffektionen zur Anwendung kommt, kann es auch hervorragend bei Schlafstörungen der geschilderten Art wirken und besonders bei den Modalitäten: Verschlimmerung morgens und durch Kälte. So können Grippefälle oft durch Nux vomica eine überraschende Besserung erfahren.

Wenn die wichtigsten Symptome noch einmal zusammengefasst werden, so ergibt sich folgendes typisches Arzneimittelbild:

  • Frostigkeit. Neigung zu Erkältung (besonders Fließschnupfen) und allgemeine Empfindlichkeit gegen kalte Luft, auch bei Fieber. Empfindlich allgemein gegen äußere Eindrücke und Geräusche. Handschweiß (kalt).
  • Typische Morgenverschlimmerung (Staatshämorrhoidarier). Verdrießlichkeit. Ärgerlichkeit. Unbegründete Wutanfälle. Sterbensübelkeit morgens (Vomitus matutinus), abends guter Dinge bei Bier und Tabak.
  • Folgen von Reizmittelmissbrauch, besonders Alkohol, Kaffee und Nikotin.
  • Schlaflosigkeit charakteristisch mit Wachwerden gegen 3 Uhr (Säureflut). Liegt bis etwa gegen 7 Uhr wach und könnte dann bis gegen Mittag schlafen.
  • Entzündungen und Unbehaglichkeiten entlang des gesamten Verdauungskanales. Stomatitis. Gingivitis. Glossitis.
  • Gastritis mit Schwere und Druck, wie von einem Stein, und Aufblähung, muss den Bauchriemen lockern (Lycopodium). Besonders nach Tisch Verdauungsschwierigkeiten mit Aufblähung. Saures und bitteres Aufstoßen. Zunge in der hinteren Hälfte weiß belegt.
  • Enterokolitis und Kolitis mit häufigem, vergeblichem Drang und eventuell knotigem Stuhl. Auch indiziert nach Abusus von Abführmitteln.
  • Hämorrhoidalbeschwerden, meist ohne Blutungen.

Kommission-D-Monographie

Die Aufbereitungskommission D hat in ihrer Monographie Strychnos nux-vomica die folgenden Hauptindikationen für Nux vomica im Bundesanzeiger veröffentlicht: Fieberhafte Erkrankungen. Entzündungen der Atemorgane. Entzündungen und Krampfzustände des Magen-Darm-Kanals. Leber- und Gallestörungen. Verstopfung. Hämorrhoiden. Beschwerden durch Nahrungsmittel, Arzneimittel und Genussmittel. Harnwegserkrankungen. Kreislaufbeschwerden. Schwindel. Angina pectoris-Beschwerden. Blutungen. Kopfschmerzen. Nervenschmerzen und rheumatische Schmerzen. Krämpfe an Hohlorganen, Muskelkrämpfe. Lähmungen. Schlafstörungen. Nervliche Überreiztheit. Verstimmungszustände.